Beschilderung sorgt für Ärger: „Hier herrscht Lebensgefahr“

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Bereits zuvor war die Verkehrsführung an der Rüschebrinkstraße Zankapfel unter den Anliegern. Die aktuelle Lösung ärgert Anwohner aber gleich aus mehreren Gründen.

Scharnhorst

, 18.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anwohner, die trotz der brennenden Sommerhitze an diesem Vormittag erschienen sind, sind sauer. Sehr sogar. Denn die Anwesenden beklagen, dass die Maßnahme, die Rüschebrinkstraße zu einer Bus- und Anliegerspur umzubauen, nicht umgesetzt wurde.

Fakt ist: Die direkte, etwa 30 Meter lange Durchfahrt der Rüschebrinkstraße ist nur dem Linienverkehr und Fahrradfahrern gestattet. Der Anliegerverkehr ist davon ausgeschlossen. Angekündigt war das anders, davon sind die Anwohner überzeugt.

DSW21 spricht von einem Missverständnis

Die zuständige Dortmund Logistik GmbH, 51-prozentige Tochter von DSW21, spricht von einem Missverständnis. Zwar ist in den Informationen für die Anlieger von einer „Anwohnerstraße“ die Rede, das bedeute aber nicht automatisch, dass die Durchfahrt dort für Anlieger gestattet sei.

Und Dortmund Logistik sei für die Beschilderung nicht verantwortlich. „Wir haben nur vorgenommen, was die Stadt Dortmund angeordnet hat“, sagt Geschäftsführerin Silke Seidel.

Doch was den Anwohnern wirklich unter den Nägeln brennt, ist die Tatsache, dass sich viele Auto- und Lkw-Fahrer - Ortsansässige genauso wie Ortsfremde - nicht an das Durchfahrtsverbot halten.

Das birgt Gefahren, weiß Annika Lanzinski. Sie selbst fährt regelmäßig mit dem Fahrrad durch die Passage, um ihre Kinder zur Kita zu bringen. Schon mehrmals sei es fast zu einem Unfall gekommen, berichtet sie. „Die Situation ist eine Katastrophe. Hier herrscht Lebensgefahr“, sagt Lanzinski.

Das Verbot wird vielfach ignoriert

Das Verbot ignorieren viele Verkehrsteilnehmer, so viel ist vor Ort schon nach wenigen Minuten erkennbar. „Da hält sich keiner dran. Die fahren hier einfach durch - auch Anwohner“, sagt Lanzinski resigniert und fügt an: „Vielleicht sind es viele, die hier schon lange wohnen, nicht anders gewohnt.“

Immer wieder passieren Fahrzeuge die Durchfahrt, die nur für Fahrradfahrer, Busse, Rettungsdienste sowie den Ver- und Entsorgungsverkehr freigegeben ist.

Immer wieder passieren Fahrzeuge die Durchfahrt, die nur für Fahrradfahrer, Busse, Rettungsdienste sowie den Ver- und Entsorgungsverkehr freigegeben ist. © Matthias Henkel

Dabei kann das unerlaubte Durchfahren teuer werden. Das illegale Benutzen der Busspur kostet 15 Euro, werden andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, sind 80 Euro fällig. Den Eindrücken der Anwohner zufolge kommt so ein vierstelliger Betrag zusammen - jeden Tag.

Die Stadt Dortmund weiß um die Gefahren, sieht sich aber nicht in der Lage, die Situation zu verbessern. „Es ist wie, wenn jemand bei Rot einfach trotzdem über die Ampel fährt, was sich leider auch nicht verhindern lässt“, so die Stadt auf Anfrage. Des Weiteren sei der Polizei der Umstand bekannt. Diese würde vor Ort Verkehrskontrollen durchführen.

Größere Beschilderung soll für mehr Klarheit sorgen

Auch Heinz Pasterny (SPD) ist sich bewusst, dass die Rüschebrinkstraße Ecke Senterstraße eine Gefahr darstellt. „Die Angelegenheit ist von der Verkehrsführung äußerst schwierig“, sagt der Scharnhorster Bezirksbürgermeister. Künftig solle eine größere Beschilderung für mehr Klarheit und Sicherheit sorgen.

Ob das Durchfahrtsverbot aufgehoben wird, wie die Anlieger auch in einer über 120 Mal unterzeichneten Unterschriftenliste fordern, ist aber offen. „Das entscheidet die Bezirksvertretung am 8. September“, sagt Pasterny.

Beim für den Durchgangsverkehr gesperrten Teilstück handelt es sich um eine Strecke von etwa 40 Metern. Viele Anlieger würden diese Strecke gerne befahren dürfen, um sich einen längeren Umweg zu ersparen.

Beim für den Durchgangsverkehr gesperrten Teilstück handelt es sich um eine Strecke von etwa 40 Metern. Viele Anlieger würden diese Strecke gerne befahren dürfen, um sich einen längeren Umweg zu ersparen. © Matthias Henkel

Und weiterer Stein des Anstoßes ist der Umweg, den die Anwohner fahren müssen. Fast zwei Kilometer extra müssen teilweise in Kauf genommen werden, für die die Autofahrer im Berufsverkehr einige Zeit extra einplanen müssen.

Für Sezgün Özdogan ist das nicht nur ökologisch Unsinn, ihn kostet es auch Geld. Zwei Jobs, habe er, sagt er. Entsprechend häufig müsse er das Viertel verlassen: „Ich fahre nur wegen des Umwegs 2500 Kilometer mehr im Jahr.“

Befürchtung vor Unfällen ist real

Aber wichtiger als eine geringere Fahr- und Wegzeit dürfte den Anwohnern die Sicherheit im Verkehr vor der eigenen Haustür sein. Die Befürchtung vor Unfällen ist jedenfalls real. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert“, sagt Annika Lanzinski.

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