Besonderer Wahlort: In Dortmunds Westen wird in einer Trauerhalle gewählt

rnKommunalwahl 2020

Wählen zwischen Grab-Urnen und Särgen? Ein Bestattermeister erklärt, was Dortmunds Bürger am 13. September im vielleicht ungewöhnlichsten Wahllokal der Stadt erwartet.

Huckarde

, 08.09.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Briefwahl für die Kommunalwahl 2020 boomt in Dortmund. Trotzdem werden auch 386 Wahllokale am 13. September in unserer Stadt geöffnet sein. Ein Wahlraum fällt dabei besonders ins Auge: In Huckarde werden einige Bürger in der Trauerhalle eines Bestattungsinstituts ihre Stimmen abgeben.

Bestattermeister Benjamin Huhn vom gleichnamigen Bestattungshaus ist sich sicher, dass für einige Wahlberechtigte der Gang zur Wahlurne in diesem Fall mit einer Hemmschwelle verbunden sein wird. „Der Tod ist immer noch ein Tabuthema“, sagt der 31-Jährige.

Warme Farben, gedämpftes Licht: Kein Ort zum Fürchten ist die Trauerhalle im Bestattungshaus Huhn.

Warme Farben, gedämpftes Licht: Kein Ort zum Fürchten ist die Trauerhalle im Bestattungshaus Huhn. © Beate Dönnewald

In seinen Augen ist die Öffnung der Trauerhalle deshalb auch eine große Chance, Vorurteile abzubauen. „Hier ist es gar nicht so düster und schlimm wie viele denken“, betont Huhn.

Keine Eigenwerbung, sondern Unterstützung für Bürger und Stadt

Um Eigenwerbung gehe es ihm aber keineswegs, greift er möglichen Kritikern vor. „Mein Vater und ich wollen vielmehr die Stadt unterstützen, damit die Bürger weiterhin ihr Wahllokal fußläufig erreichen können.“

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Aufgrund der Corona-Krise kommen einige Wahllokale für die Kommunalwahl 2020 nicht in Frage. Senioren-Pflegeheime zum Beispiel oder Räume, die einfach zu klein sind, um das Hygiene- und Abstandskonzept umzusetzen.

„Das Bestattungshaus Huhn ist der Ersatzwahlraum für die Freikirchliche Gemeinde“, sagt Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage unserer Redaktion. Weitere Dortmunder Bestattungsinstitute seien nicht als Wahllokale vorgesehen, ergänzt er.

Mit dem Anblick von Särgen oder Grab-Urnen würden die Wähler aber nicht konfrontiert, beruhigt Benjamin Huhn. „Sie werden über den Innenhof direkt in die Trauerhalle beziehungsweise den Abschiedsraum geführt.“ Der Bereich sei in der Vergangenheit bereits für Lesungen und Musikveranstaltungen genutzt worden. „Es ist ein Multifunktionalraum, einige Huckarder kennen ihn deshalb schon“, so Huhn.

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Wahllokal im Bestattungshaus

Im Dortmunder Westen gibt es am 13. September ein ungewöhnliches Wahllokal: In Huckarde wählen einige Bürger in einem Bestattungshaus.
08.09.2020
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Erstmals stellt das Bestattungshaus Huhn sein Trauerhalle als Wahllokal zur Verfügung. Grund ist die Coronakrise.© Beate Dönnewald
Im Innenhof des Bestatungshauses gibt es genügend Platz und Sitzmöglichkeiten, sollte es zu Warteschlangen am Wahltag kommen.© Beate Dönnewald
Das Wahllokal wird sich in der Trauerhalle beziehungsweise im Abschiedsraum befinden. © Beate Dönnewald
Über diesen Flur geht es Richtung Trauerhalle, wo die Wähler ihr Kreuzchen auf den Wahlzetteln machen werden.© Beate Dönnewald
Auch direkt vor der Trauerhalle gibt es noch Wartebereiche.© Beate Dönnewald
Die Dekoration sowie den Kerzenständer samt Kreuz wird Bestatungsmeister Benjamin Huhn für die Kommunalwahl entfernen.© Beate Dönnewald
Die Orgel und das Rednerpult werden am Wahltag in der Trauerhalle bleiben.© Beate Dönnewald
Einige Stühle wird Benjamin Huhn wegräumen, die florale Bilder-Deko wird bleiben.© Beate Dönnewald
Benjamin Huhn möchte die Stadt und die Bürger mit dem zusätzlichen Wahlraum unterstützen. "Damit die Huckarder ihr Wahllokal fußläufig erreichen können."© Beate Dönnewald
Nach der Wahl können die Bürger wieder über den Innenhof das Wahllokal verlassen.© Beate Dönnewald

Einen Teil der Dekoration wie etwa einen Kerzenständer mit Kreuz, Blumen oder Skulpturen werde man für den Wahltag entfernen, erklärt der Juniorchef. Andere blieben – die Orgel, das Rednerpult und florale, zum Teil beleuchtete Bilder an den Wänden.

Insgesamt besticht der Raum durch warme Farben und gedämpftes Licht und löst keinerlei Fluchtgedanken aus. Einladend sind auch die Wartebereiche im Innenhof und im Vorraum.

Bestattermeister nutzt die Briefwahl

Benjamin Huhn, nicht nur Bestattermeister, sondern auch gelernter Mechatroniker, ist am 13. September zwar kein Wahlhelfer, aber „ich werde den Tag über immer mal wieder schauen, ob ich gebraucht werde.“ Seine Stimme wird er im eigenen Haus nicht abgeben. „Ich habe die Briefwahl genutzt. Ansonsten hätte ich aber in der Bezirksverwaltungsstelle wählen müssen.“

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