Ex-Kunden und -Mitarbeiter erheben Abzocke-Vorwürfe gegen Fitnessstudio-Kette

rnBetrugs-Vorwürfe

Sport kann anstrengend genug sein. Für die Mitglieder und Angestellten des Fitnessstudios gab es noch zusätzlichen Ärger. Zwei Betroffene erzählen, was ihnen passiert ist.

Südost-Stadt

, 16.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Märkischen Straße 239 gibt es kaum noch Hinweise auf schweißtreibenden Fitnesssport, der hier noch bis Juni 2019 an der Tagesordnung stand. Mittlerweile erinnern nur alte Werbeschilder mit Angeboten daran, dass an dieser Stelle mal ein Fitnessstudio war.

Gino Meuli (52) hat seit Mai 2018 bei dem Fitnessstudio als Reha-Übungsleiter gearbeitet. Zunächst hieß das Fitnessstudio „Activo“, dann verkaufte der damalige Besitzer das Studio samt Kundschaft und Belegschaft an die Fitnessstudio-Kette „Sportstar“, die in Oberaudorf an der bayrischen Grenze zu Österreich gemeldet ist. Mit dem Besitzer-Wechsel fingen die Probleme an.

Zwei Monate unbezahlt gearbeitet

„Die ersten zwei bis drei Monate war noch alles in Ordnung“, erzählt Meuli. Dann gab es aber im April das erste Mal keine Lohnzahlung für ihn. Als er bei dem zuständigen Ansprechpartner in Dortmund nachfragte, was der Grund dafür sei, wurde ihm mitgeteilt, dass er die Stundenabrechnung zu spät eingereicht habe. Kurioserweise war das aber nicht nur bei Meuli der Fall, sondern auch bei seinen Kollegen.

Im Mai 2019 gab es erneut kein Gehalt. Die Begründung: „Dieses Mal lag es angeblich daran, dass der Steuerberater gewechselt wurde“, erzählt Meuli. Meuli, die anderen Trainer und Angestellten wollten nicht ohne Gehalt arbeiten und beschlossen, nicht mehr zur Arbeit zu gehen. Reha-Kurse, wie Meuli sie gab, konnten nicht mehr stattfinden – zum Leid der Teilnehmer.

Briefe vom Inkasso-Büro

Auch für die Kunden von Sportstar gab es Ärger: Hanna Sperling war rund 33 Jahre bei dem Fitnessstudio an der Märkischen Straße angemeldet und zufrieden. „Das war aber vorbei, als Sportstar kam“, so Sperling. Mit dem Vorbesitzer Activo vereinbarte sie im September 2017 eine neue Mitgliedschaft und unterzeichnete einen Vertrag, der bis Ende 2019 befristet war. Den Mitgliedsbeitrag für die zwei Jahre über 800 Euro bezahlte sie beim Vertragsabschluss direkt in einer Summe. Sämtliche Unterlagen dazu legte sie unserer Redaktion vor.

Ex-Kunden und -Mitarbeiter erheben Abzocke-Vorwürfe gegen Fitnessstudio-Kette

Das ehemalige Fitnessstudio steht mittlerweile leer. Nur noch die Theke erinnert an den alten Betreiber. © Robin Albers

Dass Hanna Sperling den Betrag gezahlt hat, schien Sportstar aber nicht nachgehalten zu haben. Im August 2019 bekam sie Post von einem Inkasso-Büro, mit einer Forderung samt Zinsen in Höhe von mehr als 700 Euro, wegen ausstehender Mitgliedsbeiträge.

Sperling versuchte vergeblich, auf ihren gültigen Vertrag und den bereits gezahlten Beitrag aufmerksam zu machen.

Auf Briefe, in denen Sperling versuchte, den Sachverhalt zu klären, reagierte Sportstar nie. Bis heute bekommt sie noch regelmäßig Post vom Inkasso-Büro. Mittlerweile ist Sperling zu einem Anwalt gegangen.

Sportstar meldete im Juni 2019 Insolvenz an. Seitdem war Sperling auch nicht mehr in dem Fitnessstudio trainieren.

Sportstar ist nicht erreichbar

Auf Nachfragen unserer Redaktion reagierte Sportstar nicht. Auf Briefe gab es keine Antwort und telefonisch war auch niemand zu erreichen.

Sucht man bei Google nach Sportstar-Filialen, die es unter anderem in Köln oder Offenbach gegeben haben soll, findet man überall den Hinweis, dass diese geschlossen haben sollen.

Bei dem Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu schneidet Sportstar schlecht ab: Ehemalige Mitarbeiter aus Frankfurt berichten von ähnlichen Erfahrungen wie die Dortmunder Kollegen.

Ex-Kunden und -Mitarbeiter erheben Abzocke-Vorwürfe gegen Fitnessstudio-Kette

Auf dem Parkplatz des Edekas an der Märkischen Straße wird das Angebot von Sportstar noch beworben. © Robin Albers

Meuli gibt seinen ausstehenden Lohn noch nicht auf. Mit seinen ehemaligen Kollegen steht er weiterhin im Kontakt. Gemeinsam überlegen sie, wie es weitergehen kann. Für viele sei der Weg zum Anwalt aber keine Option. „Das können sich die meisten nicht leisten“, erklärt er. Meuli geht ohne anwaltliche Unterstützung gegen den Betrug von Sportstar vor. Da Sportstar insolvent ist, sei ein Erfolg vor Gericht, der die Auszahlung der ausstehenden Gehälter beinhaltet, jedoch eher utopisch.

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