Betriebskosten-Ärger bei Vonovia - Mietervereine üben Kritik

20.000 Wohnungen in Dortmund

Die Immobiliengesellschaft Vonovia mit Sitz in Bochum ist mit mehr als 20.000 Wohnungen auch in Dortmund ein Großvermieter. Das Mieterforum Ruhr übt harsche Kritik und beklagt, dass Vonovia seit Jahren immer mehr Betriebskosten abrechnet - teils für Tätigkeiten, die gar nicht erbracht wurden.

DORTMUND

, 03.05.2016, 02:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Horst Gläser aus Nette ist einer von vielen Vonovia-Mietern, die sich nicht mit den von Vonovia in Rechnung gestellten Betriebskosten abfinden wollen.

Horst Gläser aus Nette ist einer von vielen Vonovia-Mietern, die sich nicht mit den von Vonovia in Rechnung gestellten Betriebskosten abfinden wollen.

Die Mietervereine Dortmund, Bochum und Witten sowie Mieter schilderten am Montag, welche Probleme es gibt. Erstens geht es um Betriebskosten für Leistungen, die es laut Mietern gar nicht gab:

  • Eine von Vonovia beauftragte Firma listete etwa Mieter Alois Hojtzyk aus Witten Kosten für Streudienste für Tage auf, an denen es laut Hojtyk sieben Grad warm war.
  • Auch die Reinigung von Fußabtretern sei in Rechnung gestellt worden. Dabei, so Hojtzyk, "haben wir überhaupt keine Fußabtreter".
  • Bei anderen Mietern sollen Trinkwasserfilter für 50 Euro pro Stück kontrolliert worden sein, die es gar nicht gibt.

Vonovia teilte auf Anfrage mit, man rechne nur nach tatsächlich erbrachter Leistung ab – Einzelfälle wolle man gerne prüfen.

70 bis 200 Euro pro Jahr für Baumkontrolle von einigen Minuten

Den Mietern geht es zweitens darum, dass nur abgerechnet wird, was abgerechnet werden darf.

  • Ein Dorn im Auge sind vielen Mietern die "Objektbetreuer" (Hausmeister), die oft nur allgemeine Kontrollen durchführen und Informationen für Vonovia beschaffen würden – dies dürfe laut den Mietervereinen nicht auf die Mieter umgelegt werden. Unklar ist für die Mietervereine auch, zu welchen Konditionen die bei Vonovia-Töchtern angestellten Objektbetreuer bezahlt werden - und ob den Mietern nicht höhere Kosten in Rechnung gestellt werden.
  • Ein weiteres Beispiel für Leistungen, die nach Ansicht der Mieterschützer nicht abgerechnet werden dürften, sind Baumkontrollen. Martin Grebe, Rechtsanwalt beim Mieterverein Dortmund, erklärt: "Da marschiert jemand mit einem Laptop durch die Gärten und tippt ein, in welchem Zustand die Bäume sind." Das dauere meist nur Minuten – den Mietern würden aber Kosten von 70 bis 200 Euro pro Jahr in Rechnung gestellt. 

Horst Gläser aus Dortmund-Nette erhielt die Baumkontrolle 2013 und 2014 mit jeweils 200 Euro unter der Position "Gehölzflächenpflege" in Rechnung gestellt. Das Amtsgericht Dortmund gab ihm – und anderen Mietern – Recht, dass es sich hier nicht um Pflegearbeiten, sondern um Tätigkeiten zur Verkehrssicherung handelt, die der Vermieter zu tragen hat. Dennoch stehen die 200 Euro auch auf Gläsers Betriebskostenabrechnung für 2015.

"Dass Vonovia trotz der Urteile diese Baumkontrollen abrechnet, ist skandalös", sagt Grebe. Vonovia teilte mit, dass die Bäume ohne Vorab-Kontrolle nicht geschnitten werden könnten. Daher werde – wie in einem Fall vom Amtsgericht Bottrop bestätigt – die Kontrolle weiter auf die Mieter umgelegt.

56 verschiedene Betriebskostenarten

Das Mieterforum Ruhr fürchtet, dass Vonovia über Betriebskosten nicht nur entstandene Kosten zurückerstattet haben, sondern satte Gewinne erwirtschaften will. Dies sei nicht das Ziel, erwiderte Vonovia auf Anfrage.

In aktuellen Mietverträgen seien bis zu 56 verschiedene Betriebskostenarten aufgelistet, sagen die Mieterschützer. Zwar würden (noch) nicht alle auf die Mieter umgelegt - das zeige aber, wohin die Reise offenbar gehen solle. Man weise die Posten der Transparenz wegen detailliert aus, heißt es von Vonovia.

Das Mieterforum hat am Montag (2. Mai) ein fünfseitiges Schreiben an den Vonovia-Vorstandsvorsitzenden Rolf Buch abgeschickt. Die Autoren von den Mietervereinen Dortmund und Witten fassen darin alle Vorwürfe zusammen, nennen viele Beispiele - und schließen mit zahlreichen Forderungen an die Vonovia.

Diese, die übrigens am 12. Mai ihre Hauptversammlung durchführt, teilte auf Anfrage mit, man wolle diese Forderungen "selbstverständlich“ prüfen.

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