Betrüger gibt Dortmunder falsches Gold für Bargeld

"Autobahngold"

Eine Betrugsmasche, die nicht aus der Mode kommt: Betrüger halten Autofahrer an der Autobahn an, bieten Gold gegen Bares und verschwinden dann auf Nimmerwiedersehen. Auch ein 33-jähriger Mann aus Dortmund ging einem solchen Betrüger auf den Leim. Die geforderten 150 Euro gab er jedoch nicht raus.

Dortmund

, 06.08.2015, 12:07 Uhr / Lesedauer: 3 min
Betrüger gibt Dortmunder falsches Gold für Bargeld

Zwei Goldringe bot der Mann, der den gutmütigen Helfer um 150 Euro in bar gebeten hatte.

Eigentlich, so glauben die meisten Menschen, lassen sie sich nicht so leicht übers Ohr hauen. Auf Trickbetrüger würden sie nicht hereinfallen. Und doch schaffen es Gauner immer wieder, anderen Geld abzuschwatzen. Mit Lügen, durch Druck, mit glaubhaften Geschichten. So erging es auch einem 33-Jährigen Dortmunder, der einem fremden Mann 50 Euro schenkte. Angeblich für dessen leeren Tank.

Wilde Gestik, hektische Sprache

Es ist der 24. Juli, Patrick, der seinen richtigen Namen hier lieber nicht lesen will, fährt von der Arbeit heim. Von der Autobahn 45 bei Höchsten will er am Kreuz Dortmund-Süd auf die B54 wechseln. "Noch in der Auffahrt, in dieser Schleife, stand plötzlich ein Auto am Fahrbahnrand", erzählt Patrick. Vor dem Wagen habe ein Mann gestanden, "sehr schick gekleidet, mit Anzughose und Hemd", und wie wild gewunken. Es ist die typische Masche, sagt die Dortmunder Polizei, es sind Menschen in Notsituationen, die mit "wilder Gestik" auf sich aufmerksam machen.

Als Patrick hinter dem anderen Auto anhält, kommt der Mann direkt zum Beifahrerfenster. Hektisch habe er von seiner "Notlage" erzählt, der Sprit sei ihm ausgegangen, seine Kreditkarte funktioniere nicht - und nun brauche er Bargeld. Ob der freundliche Fahrer ihm helfen könne? "Der Mann sprach gebrochenes Englisch, es war schwierig, ihn in seiner Aufregung zu verstehen", erzählt der 33-Jährige. Auch, weil er dadurch abgelenkt ist, kann der Plan des Mannes aufgehen.

Als der Mann 150 Euro erbittet, wird Patrick stutzig. "Ich hab überlegt, ob sein Sprit vielleicht aus Gold sei." Sein Angebot, mit dem anderen Fahrer zur nächsten Tankstelle zu fahren, lehnt dieser ab, erzählt, er habe schon jemanden organisiert, der ihm Sprit bringe, doch dafür brauche er eben Geld. 50 Euro, sagt Patrick, kannst du haben. "Ständig hat er gesagt 'I trust you, you trust me'", erzählt Patrick, überschwänglich habe er sich bedankt, immer und immer wieder.

Von seinen Fingern zieht der Betrüger dicke Goldringe

Dann zieht der Mann im Anzug nacheinander zwei dicke Goldringe von seinen Fingern, legt sie auf den Beifahrersitz, dazu die Visitenkarte. Damit Patrick die Ringe zurückschicken kann, am Montag, wenn der Mann ihm das Geld wieder überwiesen habe, der Schmuck sei ja nur Pfand. Auch das ist laut Dortmunder Polizei typisch. "Der Betrüger hat das Geld" und der Helfer den - natürlich unechten - Schmuck. "Autobahngold" wird dieser aufgrund der immer gleichen Masche auch genannt. Und die von dem Betrüger angegebene Kontaktadresse gibt es nicht.

Das muss auch Patrick feststellen, als er zu Hause mit den ersten Zweifeln Straße und Hausnummer bei Google eingibt. "Ich habe mich so naiv und leichtgläubig gefühlt", sagt er, "ein sehr, sehr unangenehmes Gefühl." Eigentlich sei er sensibel für derartige Situationen, doch die Hektik, der Standort, das gebrochene Englisch, der Überraschungseffekt - all das habe "die Sinne betäubt". Obwohl ihm peinlich ist, wie der Täter ihn veräppelt hat, geht Patrick zur Polizei Dortmund.

"Dass ich die 50 Euro wiedersehe, glaube ich nicht"

Die kennen solche Fälle, fragen gleich nach, wie viel Geld Patrick denn gegeben hat. 50 Euro seien ja noch nicht so viel, sagen die Polizisten. Patrick hofft nun darauf, dass sich vielleicht ein anderes Opfer das Kennzeichen hat merken können. Er selbst habe zu nah hinter dem Auto, einem schwarzen Audi A4, geparkt, gesehen habe er es gar nicht. "Dass ich die 50 Euro wiedersehe, glaube ich nicht", sagt er. "Mir geht es auch eher darum, dass die Täter geschnappt werden, damit nicht noch mehr Menschen auf sie hereinfallen."

Die Polizei rät unterdessen, sich alle Auffälligkeiten und, wenn möglich, das Kennzeichen direkt zu notieren. Außerdem sollte der Schmuck nie angenommen und kein Bargeld an Unbekannte gegeben werden. "Geben Sie keinesfalls persönliche Daten von sich preis", mahnt die Polizei und bittet darum, in Zweifelsfällen immer die 110 zu wählen.

Hinweise auf den Täter an den Kriminaldauerdienst unter Tel. (0231) 1 32 74 41.

 

 

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