Betten in Dortmund bleiben leer: „Bald kann man Hotels kaufen“

rnCorona-Krise

Nur ganz wenige Hotelbetten müssen in Dortmund aufgeschüttelt und neu bezogen werden. Allen Lockerungen zum Trotz fehlen die Gäste. Und das wird vorerst so bleiben.

Dortmund

, 17.06.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Hotelier Johannes Riepe vom Hotel Drees an der Hohen Straße in seine Buchungen schaut, dann sieht er, dass derzeit nur 10 bis 15 seiner insgesamt 136 Hotelzimmer belegt sind. Die Lockerungen während der Corona-Pandemie gehen also an ihm ziemlich vorbei.

Nicht nur an ihm: Alle Hotels in Dortmund sind weitestgehend leer. Obwohl sie seit dem 18. Mai wieder öffnen dürfen, fehlen die Gäste. „Ein paar kleine Tagungen kommen wohl wieder rein, aber uns als Stadthotel fehlen die Messen, die großen Tagungen und die Fußball-Gäste rund um die BVB-Spiele“, sagt Johannes Riepe. Dortmund sei eben keine Touristenstadt.

Mit dem Shutdown brachen in der gesamten Branche die Zahlen ein. Die Gästezahl ging im April in ganz Nordrhein-Westfalen um 93,6 Prozent zurück, hat jetzt das statistische Landesamt ermittelt.

Es fehlen Events und Messen in Dortmund

„Und es wird jetzt nicht wirklich besser. Die Betriebe sind noch weit davon entfernt, kostendeckend arbeiten zu können“, sagt Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Westfalen. Auch er stellt fest, dass Dortmund von Events und Messen lebt. „Dieses Hauptgeschäft ist nach wie vor weggebrochen“, so Lars Martin.

Johannes Riepe hält das Hotel Drees samt Restaurant weiterhin geöffnet, seine 50 Beschäftigten allerdings haben dort nichts zu tun und sind allesamt in Kurzarbeit. „Die Situation ist ja unverändert. Die wenigen Gäste, die wir jetzt haben, reichen nicht, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen. Wir haben Kurzarbeit bis zum Ende des Jahres beantragt“, sagt Johannes Riepe.

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In knapp zwei Wochen, das weiß der Hotelier schon jetzt, wird sich die Situation erneut verschärfen. Dann beginnen die Sommerferien. „Und das Sommerloch ist sowieso immer schwierig. Da hatten wir in den vergangenen Jahren in der Regel eine Auslastung von 30 Prozent. Jetzt werden wir wohl fast null Prozent haben“, sagt Johannes Riepe.

War das erste Jahresdrittel für Hotelbetreiber schon von dramatischen Einbußen gekennzeichnet, so ist also vorerst keine Besserung in Sicht. „Vielen geht langsam die Puste aus. Da helfen auch keine Kredite. Denn wovon sollen die zurückgezahlt werden? Es wird ein bis zwei Jahre dauern, bis wieder das normale Level erreicht wird“, sagt Dehoga-Experte Lars Martin. Bei Dienstreisen würden Unternehmen erst mal sparen und auch der Tourismus, den es im Ruhrgebiet wegen der Industriekultur doch gebe, komme nur schwer wieder in die Gänge.

„Die Leute verreisen nicht“

„Die Leute verreisen nicht - weder privat noch dienstlich. Sie haben sich an Videokonferenzen gewöhnt und richten sich zu Hause ein. Statt Urlaub wird in das eigene Heim investiert. Das trifft die Hotelbranche dramatisch“, so Lars Martin. Er prognostiziert, dass „nicht alle Hotels in Dortmund nach der Corona-Krise noch unter dem jetzigen Eigentümer am Markt“ sein werden: „Man wird demnächst Hotels kaufen können.

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Von Januar bis April 2020 besuchten laut statistischem Landesamt rund 4,2 Millionen Gäste die Hotels und sonstigen Beherbergungsbetriebe sowie Campingplätze in Nordrhein-Westfalen. Das waren 41,5 Prozent weniger Besucher als in den ersten vier Monaten des Vorjahres.

Die Zahl der Übernachtungen war mit 10,1 Millionen um 36,1 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Alle Angaben beziehen sich auf geöffnete Beherbergungsbetriebe, die zu Jahresbeginn mindestens zehn Gästebetten oder Camping-Stellplätze angeboten hatten.

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