Wie ein Geisterhaus: Seit der Räumung Ende September 2017 steht der Dorstfelder Hannibal leer. © RN
Hannibal in Dorstfeld

„Bezahlbarer Wohnraum“? Hannibal-Eigentümer nennt erstmals neue Mietpreise

Wann können die Wohnungen im Dorstfelder Hannibal wieder bezogen werden? Und was sollen die Mieten kosten? Der neue Eigentümer des leer stehenden Wohnkomplexes hat sich zu beidem geäußert.

Wohnraum in Dortmund ist knapp. Dennoch steht der Dorstfelder Hannibal mit seinen acht Hochhäusern und 412 Wohnungen noch immer leer. Am 22. September 2017 war der Wohnkomplex wegen Brandschutzmängeln geräumt worden. 753 Menschen mussten Hals über Kopf raus. Mit dem neuen Eigentümer Forte Capital soll alles anders werden.

Forte hat die Wohnanlage im Februar vom vorherigen Eigentümer Lianeo übernommen – und die erforderliche Baugenehmigung gleich mit. Jetzt will der Finanzinvestor in die Sanierung einsteigen, wie Forte-Manager Alexander Hayn ankündigt.

Nach aktuellem Stand werde Forte das Projekt „im Herbst 2021 vorstellen und im Anschluss mit den Arbeiten beginnen“, teilt Hayn auf Anfrage mit. Forte werde in allen acht Gebäudeteilen gleichzeitig starten.

„Zuerst werden wir uns um die Belange des Brandschutzes kümmern.“ Einen exakten Zeitplan gibt es noch nicht. Aber: „Wir rechnen mit einem Abschluss der Sanierung im Frühjahr 2024“, sagt Manager Hayn.

Sozialmieten wird es nicht mehr geben

Die Sanierung des Objektes fußt auf der Baugenehmigung der Stadt, die Forte vom Vor-Eigentümer übernommen hat. „Die notwendigen Planungsarbeiten haben begonnen“, teilt Hayn mit.

Wie umfangreich die Sanierung ausfallen wird, lässt Forte vorerst offen: Werden die Bäder und die Hauselektrik in Angriff genommen? Erhalten die Fassaden eine Wärmedämmung? Kommen neue Aufzüge in die Häuser?

Der Wohnkomplex ist mehrfach veräußert worden. Der vorherige Eigentümer Lianeo hat dort nichts investiert.
Der Wohnkomplex ist mehrfach veräußert worden. Der vorherige Eigentümer Lianeo hat dort nichts investiert. © RN © RN

Fragen, die sich auch Markus Roeser vom Mieterverein stellt. „Der Umfang der Sanierungsarbeiten wirkt sich auf das Investitionsvolumen und damit auch auf die künftigen Mieten aus“, weiß Roeser. Er schätzt, „dass eine Investition von zehn Millionen Euro für den Hannibal nicht reichen dürfte.“

Das weiß man auch beim neuen Eigentümer, der reichlich unscharf von „einem zweistelligen Millionenbetrag“ spricht. Dennoch sollen „keine öffentlichen Mittel für die Sanierung beantragt werden“, wie Forte mitteilt.

Das bedeutet: Sozialmieten, die etwa bei 6,20 pro Quadratmeter gedeckelt sind, wird es im Hannibal nicht geben. Hintergrund: Bauherren, die ohne Fördermittel auskommen, unterliegen nicht der gesetzlichen Mietpreisbindung des sozialen Wohnungsbaus.

Mieten zwischen 7,50 Euro und 9 Euro pro Quadratmeter

Auf den Cent genau kann Forte die Mieten derzeit nicht berechnen. Dafür nennt der in Frankfurt ansässige Finanzinvestor erstmals einen Miet-Korridor: Demnach soll sich das künftige Mietniveau zwischen 7,50 Euro und 9 Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete bewegen, teilt Forte auf Anfrage mit.

Das bedeutet: Die aktuellen Angaben stellen die Grundmiete dar – laufende Betriebs- und Nebenkosten (Heizung, Warmwasser, Müllabfuhr, Straßenreinigung etc.) kommen obendrauf.

„Besonders preisgünstig würden die Mieten im Hannibal wohl nicht“, kommentiert Mietrechtsexperte Roeser. Damit liege Forte über dem aktuell geltenden Mietspiegel. „Allerdings müssen wir berücksichtigen, dass wir über das Jahr 2024 sprechen“, räumt Roeser ein. Stichproben aus alten (und zum Teil noch laufenden) Mietverträgen hätten sechs Euro/qm (Nettokaltmiete) ergeben. „Teilweise sogar noch darunter“, so Roeser.

Investor will auf Alt-Mieter zugehen

Ein solcher Vergleich sei allerdings schwierig, da aktuell eben eine Sanierung anstehe. Deren Kosten dürfen bekanntlich teilweise auf die Mieten umgelegt werden, wenn auch in einem begrenzten Rahmen. „Entscheidend wird sein, wie tief der Eigentümer in die Sanierung einsteigt und was Forte am Ende mit den Wohnungen macht“, sagt Roeser.

Und was wird aus früheren Bewohnern, die noch über alte Mietverträge verfügen? „Nach unserer Schätzung dürften das rund 100 Mieter sein“, vermutet Roese. „In diesen Fällen werden wir selbstverständlich zeitnah den Kontakt mit den betreffenden Mietern suchen“, kündigt Forte an.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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