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Roboter, Fließbänder und Riesenrutschen: Am Samstag öffnete das Amazon-Logistikzentrum das Unternehmen seine Tore für Kinder und ihre Eltern. So sieht es bei dem großen Versandhändler aus.

von Ines Maria Eckermann

Dortmund

, 26.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Wer in das Gebäude will, muss durch eine Sicherheitsschleuse. Schließlich lagern hier wertvolle Waren. Aber es geht auch um Sicherheit: „Immer, wenn Maschinen beteiligt sind, passieren die schlimmsten Unfälle“, schärft Area Manager Dominik Schaeper den Kindern und ihren Eltern vor dem Rundgang durch das Logistikzentrum ein. „Also keine Knöpfchen drücken oder irgendwo anlehnen.“ Und immer zwischen den blauen Klebebändern auf dem Boden bleiben. Fotos, Videos und Tonmitschnitte sind streng untersagt. Fasziniert schauten sich 26 technikbegeisterte Kinder und ihre Eltern in der Halle um.

An langen Metallketten baumeln ausgeschaltete Monitore von der Hallendecke. Darunter schlängelt sich ein fast 13 Kilometer langes Förderband quer durch die Halle. Darauf reihen sich schwarze Plastikboxen aneinander, in denen die Waren durch die Halle reisen - und von dort bald quer durch Europa. Denn das Logistikzentrum in Dortmund beliefert ausschließlich andere Amazon-Lager. Auch wenn von Dortmund aus ein Smartphone, ein Buch oder eine Spielekonsole bestellt wird, wandert die Bestellung erst in ein anderes Lager, bevor es zurück nach Dortmund kommt und im heimischen Briefkasten landet. Aus der ganzen Welt kommen Produkte nach Dortmund, die von dort aus weiterverteilt werden.

Viel Technik, wenig Menschen

Sechs große Roboter und acht kleinere schnappen sich die schwarzen Kisten, sortieren sie anhand des Barcodes auf der Box. 12 bis 16 Kisten pro Palette stapeln die Roboter auf eine Palette, ein anderer Roboter schichtet die Palletten auf einander und umwickelt mit Plastikfolie. Beladen wiegen die Roboter über zwei Tonnen, etwa so viel wie ein ausgewachsenes Nashorn. Die menschlichen Mitarbeiter sind dagegen dazu angehalten, maximal 15 Kilo auf einmal zu heben, erklärt Schaeper. Mit vereinten Kräften machen Mensch und Maschine die Ware versandfertig für die Reise nach München, London oder Madrid. 150 bis 180 LKW beladen sie hier jeden Tag.

Zwischen riesigen Türmen aus schwarzen Plastikboxen tauchen hier und da Mitarbeiter mit Helm und Warnwesten auf. „Hier ist es in etwa so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Viel Technik, wenig Mensch“, fasst Vater Sascha Alexandrowicz seinen ersten Eindruck zusammen.

1700 Mitarbeiter arbeiten am Standort in Dortmund, in zwei Schichten, sechs Tage die Woche. „Samstags arbeiten wir nur mit 40 Prozent der Belegschaft“, erklärt Schaeper, warum bei der Führung vor allem die Roboter zu sehen sind.

Roboter stehen im Zentrum

Schon am Vormittag drehte sich alles um Roboter: Im Technik-Erlebniscamp konnten die Kinder Mini-Roboter bauen und selbst programmieren, bevor sie sich die großen Versionen in der Logistikhalle ansehen konnten. Zusammen mit Studenten der Universität Koblenz konnten Kinder zwischen acht und zwölf Jahren den Robotern mit einem Computerprogramm sagen, was sie tun sollten. „Unser Roboter hat einfach nicht gemacht, was wir wollten“, erklärte die Dortmunderin Lilly. Der ungehorsame Roboter wurde kurzerhand ausrangiert.

Schnell steckte sie mit ihrer Freundin einen zweiten Roboter zusammen – der den beiden Mädchen gehorchte: Linkskurve, fünf Sekunden rückwärtsfahren, dann wieder nach rechts und zur Kür fuhr der Mini-Roboter seine winzige Gabelstaplerhebebühne einmal rauf und wieder runter. Für Lilly ist die Programmierung ein Kinderspiel. „Ich löte in meiner Freizeit gerne Sachen“, erklärt die Schülerin. Zusammen mit ihrem Vater beschäftigt sie sich häufig mit technischen Dingen, lötet Platinen oder spielt Videospiele mit einer VR-Brille.

Wie Lilly sind auch viele Eltern von Technik fasziniert: „Das Thema interessiert uns - darin liegt schließlich die Zukunft“, erklärte Alexandrowicz. Während sich die Großen vor allem für die Roboter interessierten, war manches Kind eher von den riesigen spiralförmigen Rutschen begeistert. Die seien allerdings nur für Pakte gedacht, dämpfte Schaeper die Euphorie.

Geduldig beantwortete er die Fragen der kleinen Besucher: Ob er der Chef von Amazon sei, was passiere, wenn ein Roboter mal kaputt gehe oder wer Amazon erfunden habe. Die meisten der Familien sind begeistere Amazon-Kunden, einige haben bereits einen Amazon-Sprachassistenten zuhause, mit dem sie per Sprachsteuerung ihre Wünsche direkt in ihren Amazon-Warenkorb legen können.

Rauschen, Brummen und Motivation

Durchgehend lag ein dumpfes Brummen in der Luft, das sich mit dem Dauerrauschen der Maschinen mischte. Ab und zu ertönte eine Sirene, rote oder gelbe Warnlichter leuchteten auf: „Das passiert, wenn sich etwas verkeilt hat,“ erklärte Schaeper gelassen, während die Besucherschar im durch die Halle folgte.

Vorbei an Regalen und Fließbändern. Gelegentlich schaute ein Stapel Kartenspiele oder kleine Säckchen Blumenerde aus den riesigen Pappkartons hervor. Andere Gebinde waren fein säuberlich von einer soliden Schicht Plastikfolie umwickelt.

An den Wänden mahnten Schilder die Mitarbeiter nachdrücklich zum Einhalten der Unternehmensethik: „Habe Rückgrat“, „Bringe dich ein“ oder „sei dir für nichts zu schade“ rieten große Tafeln auf Englisch und Deutsch.

„Wer möchte gerne bei Amazon arbeiten“, fragte Schaeper am Ende seiner Tour, und einige Ärmchen streckten sich in die Höhe. Lilly sieht ihre berufliche Zukunft trotz aller Technikbegeisterung doch eher nicht im Amazon-Lager: „Eigentlich will ich Ärztin werde. So was würde ich eher als Hobby machen.“ Den Einblick in das Lager fand sie dennoch spannend.

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