Jedes Wochenende treffen sich Autofahrer am Ostwall. Ihr Gelächter, Gegröle und das Motorengeheul ihrer Fahrzeuge nerven die Anwohner. Ihre Hoffnungen ruhen jetzt auf einem Starenkasten.

Dortmund

, 30.07.2018, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als sonderlich gute Idee dürfte man das, was der Mercedes-Fahrer gemacht hat, nicht bezeichnen. An einem Freitagabend im Juli steuert der Mann, er dürfte Mitte 20 sein, seinen silbernen Wagen über den Ostwall. Auf Höhe des Stadtgymnasiums biegt er rechts auf den länglichen Parkplatz ein, in entgegengesetzter Fahrtrichtung der Einbahnstraße. Im selben Moment wird er von der Polizei beobachtet und angehalten.

„Das ist hier wie ein nächtlicher Freizeitpark“

Ob genau dieser Wagen später am Abend oder in der Nacht noch einmal von der Polizei angehalten wurde, weil er zu schnell unterwegs gewesen ist, ist unklar. Klar ist nur, dass an vielen Abenden im Jahr und an so gut wie jedem Wochenende dieser Parkplatz als eine Art Boxengasse von Autofahrern genutzt wird.

„Das ist hier wie ein nächtlicher Freizeitpark, der auch mal bis 4.30 Uhr morgens läuft“, sagt Frau A., eine Ostwall-Anwohnerin. „Die Autofahrer campen hier auf Stühlen, die Musik ist laut, es wird gegrölt, die Bässe dröhnen“, sagt eine andere Ostwall-Anwohnerin, die wir Frau B. nennen. Gegrillt werde hier auch schon mal. Schlimme Unfälle habe sie schon direkt vor ihrem Fenster erlebt, so Frau B..

Fahrer nutzen Parkplatz als Boxengasse

Die „Boxengasse“ auf Höhe des Stadtgymnasiums und des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums ist der Treffpunkt der Autofahrer, der mitunter als Startpunkt für Rennen rund um den Wall benutzen.

Blitzer soll Raser am Ostwall stoppen

Schlechtes Timing bewies dieser Fahrer, als er falsch herum auf den Parkplatz auffuhr. © Oliver Schaper

Frau A. wohnt ganz in der Nähe des Parkplatzes, erst kürzlich hat sie ihre Probleme in einer Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt-West den Politikern geschildert. Die Raser würden durch ihr rücksichtsloses Verhalten andere Verkehrsteilnehmer gefährden und den Anwohnern mit der dauernden Lärmbelästigung auf die Nerven gehen.

Die Leiterin des Ordnungsamtes reagiert

2016 hat sie einen Brief an Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau geschickt, in dem sie sich die Installation fester Blitzer wünschte und ihren Adressaten aufgefordert hat, für mehr Sicherheit auf dem Wall zu sorgen. Außer einer Empfangsbestätigung hat Frau A. bislang keine Reaktion darauf erhalten.

Blitzer soll Raser am Ostwall stoppen

Szene einer Polizeikontrolle aus dem Sommer 2016 am Ostwall © Oliver Schaper

Dafür stand das Thema bei der Sitzung der letzten Bezirksvertretung auf der Tagesordnung. Der Verwaltungsvorstand war Anfang Juli da, unter anderem Beate Siekmann, die Leiterin des Ordnungsamtes. Sie versprach etwas, auf das vermutlich schon viele Anwohner lange gewartet haben: Ein stationärer Blitzer soll her. Die Stromleitungen werden schon bald verlegt, ergibt eine Anfrage bei der Stadt Dortmund. Bis spätestens September dürfte der Blitzer auf Höhe des Ostwalls 17-21 in nördlicher Fahrtrichtung, kurz vor der Ampel, installiert sein.

Ein Blitzer reicht noch nicht aus

„Das finde ich gut, es müssen aber noch mehr Blitzer aufgestellt werden“, sagt Frau A. im Gespräch mit dieser Redaktion. Sie hofft auf mindestens vier Anlagen, wünscht sich aber eher acht Stück entlang des Walls. „Ich möchte, dass auch andere Anwohner am Wall ruhig schlafen können“, sagt sie. „Die Raser haben in der Innenstadt nichts zu suchen. Es kann nicht sein, dass so eine kleine Gruppe so einen Terror macht.“

Blitzer soll Raser am Ostwall stoppen

Der Parkplatz am Ostwall ist quasi jedes Wochenende Treffpunkt für Autofreunde. © Oliver Schaper

Die Polizei, bei der sie auch immer wieder anrufe, sei engagiert. Aber das alleine reiche nicht. Frau A. fordert eine dauerhafte Lösung, die nicht nur den Wallring selbst, sondern vor allem die „Boxengasse“ betrifft. Warum keine Bodenschwellen anbringen? Warum das Parken dort nicht 24 Stunden und 7 Tage die Woche kostenpflichtig gestalten? Zwar hofft sie, dass der Parkplatz allein durch die Installation des Blitzers für die Autofahrer uninteressant wird. Doch sie fordert: „Wir brauchen eine dauerhafte Lösung für den Parkplatz.“

Früh am Abend ist noch alles gut

Ein paar Meter weiter, in Sichtweite zur „Boxengasse“, wohnt ein Student. In der Regel seien ab 18 Uhr schon die ersten Auto-Fans auf dem Parkplatz. „Die meisten lehnen an ihren Autos, sitzen im Kofferraum oder stehen einfach davor – total friedlich. Und sobald ein Auto kommt, machen sie auch relativ schnell Platz.“

Anstrengend werde es aber, sobald es dunkel ist. Dann herrsche Hochbetrieb. „Allein die Gespräche, das Gelächter, die Zurufe sind schon unangenehm, wenn man schlafen möchte.“ Schlimm werde es, wenn die ersten Männer oder Frauen mit polterndem Auspuff aus der „Boxengasse“ rollen und an der Ampel unter Motor-Aufheulen ihre Rennen starten.

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„Es ist schwer zu sagen, wovon ich häufiger wach werde. Von quietschenden Reifen, Motorgeheule oder irgendwelchen Sirenen, denen ich eigentlich gerne das Monopol auf nächtliche Ruhestörung zusprechen würde.“ Wann der ganze Spaß dann vorbei sei, könne der Student nicht sagen – seinem relativ festen Schlaf sei Dank.

Er, die beiden Anwohnerinnen und vermutlich viele andere dürften jetzt wegen des geplanten Blitzers auf eine Verbesserung hoffen. Damit nachts keine Motoren mehr aufheulen und die Rennen in der Innenstadt ein Ende finden.

Die Namen der Anwohner und deren Gesichter veröffentlichen wir auf Wunsch unserer Gesprächspartner nicht. Die Pseudonyme haben wir so gewählt, dass keine Rückschlüsse auf die Nachnamen möglich sind.

Was sind Ihre Erfahrungen als Anwohnerin oder Anwohner des Ostwalls? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen und Ansichten mit. Rufen Sie an unter Tel. (0231) 9059-4820 oder schreiben Sie eine Mail an do-innenstadt@mdhl.de
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