Bodenproben liegen vor: Ist das Schicksal der alten Platane damit besiegelt?

rnPlatane am Ostbahnhof

Eine rund 80 Jahre alte Platane am Ostbahnhof im künftigen Kaiser-Quartier bewegt die Menschen Nun liegen Bodenproben vor. Und die verheißen nichts Gutes.

Dortmund

, 10.09.2018, 13:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Wochen beschäftigt die Menschen im Kaiserstraßenviertel und im Stadtquartier Innenstadt-Ost das Schicksal einer mächtigen, etwa 80 Jahre alten Platane. Am vergangenen Samstag setzten sich mehr als 100 Teilnehmer eines „Fototermins“ für ihren Erhalt ein. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

Was passiert gerade im Umfeld des alten Baumes?

Der Baum steht am nordwestlichen Rand des künftigen Kaiser-Quartiers. Investor Eric Schmidt errichtet auf der Fläche zwischen Kaiserstraße, Klönnestraße und Wismarer Straße einen Geschäfts- und Wohnkomplex. Auf dem rund 1,6 Hektar großen Gelände entstehen ein neuer Rewe-Markt, Büro- und Geschäftsräume sowie 130 Mietwohnungen.

Steht die Platane im Weg oder warum ist sie bedroht?

Im Viertel gehen Gerüchte um, bleibe die Platane stehen, könne eins der sieben Wohnhäuser nicht gebaut werden. Dem widerspricht Architektin Regina Bieber: „In der Planung sollte an der Stelle nie ein Haus hin. An dieser Stelle ist von Anfang an ein Spielplatz geplant gewesen. Da kommt auch ein Spielplatz hin. Nur nicht unter den Baum.“

Worin besteht das Problem?

Das gesamte „Stadtquartier Innenstadt-Ost“ – auch der bereits fertiggestellte und bezogene westliche Teil – befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Ost. Auf dem östlichen Teil, auf dem jetzt das neue „Kaiser-Quartier“ entsteht, befand sich ein Lokschuppen mit einer Drehscheibe. Zur Betriebszeit sind Schmier- und Schweröle in den Boden gelangt.

Bodenproben liegen vor: Ist das Schicksal der alten Platane damit besiegelt?

Rainer Gorecki setzt sich seit Wochen intensiv für den Erhalt des Baumes ein. © Oliver Schaper

Bodenproben ergaben eine hohe Schadstoffbelastung. Deswegen lässt der Investor Eric Schmidt das Erdreich bis auf den geogenen Boden aufkoffern. Der geogene Boden ist hier in bis zu 3,50 Metern Tiefe die Schicht, die nicht durch menschliche Hand oder Maschinen beeinflusst ist und deren chemische Zusammensetzung nur auf natürliche Prozesse zurückzuführen ist.

Wurden auch im direkten Umfeld der Platane Bodenproben entnommen?

Zunächst nicht. Aufgrund der öffentlichen Diskussion über die Platane hat ein Gutachterbüro nun auch das Erdreich unter dem Baum untersucht. „Das schriftliche Gutachten liegt noch nicht vor, aber das Ergebnis ist bekannt“, sagt Regina Bieber auf Anfrage am Freitag. „Bis in zwei Metern Tiefe ist der Boden hochgradig belastet.“ Mit Cadmium, Zink, Teer, Blei, Arsen.

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Welche Alternativen gibt es, dass die Platane stehen bleiben kann?

„Die einzige Alternative wäre, einen 20 mal 20 Meter langen, zwei Meter hohen Zaun um die Platane zu bauen“, sagt die Architektin. „Dann lassen wir den Baum sozusagen als Monument der Altlasten stehen.“ Ob das den künftigen Anwohnern gefallen werde, bezweifelt sie. „Herr Schmidt möchte auf einem komplett sauberen Boden bauen. Deswegen buddeln wir komplett.“ Diesen Vorsatz teilt auch Rainer Gorecki, der für den Erhalt der Platane kämpft: „Ich finde es richtig, dass Herr Schmidt da auf Nummer sicher geht.“

Muss die Platane nun gefällt werden oder gibt es andere Möglichkeiten?

Anwohner, die für den Erhalt der Platane kämpfen, haben viele Ideen. Ein Vorschlag ist, den Boden mit einem Saugbagger auszutauschen. Unserer Redaktion liegt ein Schriftwechsel zwischen Regina Biber und dem Unternehmen Mobile Saugbagger Dienste vor. Der Spezialist schließt die Sanierung im Ergebnis aus. Die Feinwurzeln würden zerstört, die Standhaftigkeit sei nicht gewährleistet und wahrscheinlich würde der Baum aufgrund eines neuen Bodens einen Schock erleiden. Zwei weitere Unternehmen hätten gleichlautend geantwortet, erklärt Bieber.

Wie geht es nun weiter?

Im Bebauungsplan O106/1 ist der Baum als ortsbildprägend und schützenswert ausgewiesen. „Solch eine Festsetzung kann durch einen Beschluss im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens aufgehoben werden“, schreibt Stadtsprecher Michael Meinders auf Anfrage. Vom Bauantrag für den ersten Bauabschnitt an der Ecke Kaiser-/Klönnestraße sei die Platane nicht betroffen.

Der Bauantrag werde derzeit geprüft. Abweichungen vom bestehenden Bebauungsplan bedürfen einer Zustimmung der Bezirksvertretung. „Hierzu soll eine entsprechende Verwaltungsvorlage in die Novembersitzung eingebracht werden. In diesem Zusammenhang soll auch perspektivisch das Baumthema behandelt werden.“

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