Böllerboykott in ganz Dortmund - jetzt und für immer

rnKlare Kante

Zwei Rewe-Chefs weigern sich, in ihren Märkten Böller zu verkaufen - und lösen eine Debatte aus. Unser Autor findet: Böller müssen aus ganz Dortmund verschwinden. Und zwar dauerhaft.

Dortmund

, 30.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Rewe-Chefs haben in diesem Jahr Böller aus den Sortimenten ihrer Supermärkte verbannt. Mit der Aktion lösen sie eine Debatte aus. In den Sozialen Medien bricht ein Sturm der Gefühle los: Von Schmähungen bis zu Beifall ist alles dabei.

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Und mehr: Formel-1-TV-Kommentator Heiko Wasser solidarisiert sich und wechselt demonstrativ den Markt - angemessen öffentlichkeitswirksam. Ein Dortmunder Pyrotechniker wendet sich - naturgemäß und erwartbar und angemessen öffentlichkeitswirksam - gegen den Boykott und wirft den Kaufleuten die Verbreitung von „gefährlichem Halbwissen“ vor.

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Dass das Thema auf Interesse stoßen würde und dass die Debatte ihre Berechtigung hat, war uns in der Redaktion klar, als wir uns entschlossen zu berichten. Aber das Ausmaß hatten wir unterschätzt.

Ein schönes Symbol

Dieser Boykott ist ein schönes Symbol. Mehr nicht. Aufs Ganze gesehen ist es völlig egal, ob eine einstellige Zahl an Rewe-Märkten mehr oder weniger nun Feuerwerk verkaufen. Aber immerhin stoßen die Rewe-Chefs eine Diskussion an, von der es verwundert, dass sie nicht schon länger brandheiß geführt wird.

Denn spätestens seit Anfang des Jahres ist Umweltbewusstsein auch in Dortmund so was wie ein Statussymbol. Seitdem geht die Fridays-For-Future-Bewegung hier auf die Straße. Im Sommer gab‘s ein großes, bundesweites Camp der Aktivisten im Revierpark Wischlingen. Und in mehreren großen Demonstrationen behinderten Umweltaktivisten mehr oder minder effektiv den (Auto-)Verkehr in der Innenstadt.

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Spätestens seit diesem Zeitpunkt stehen die Themen Umwelt und Verkehr ganz oben auf der Agenda der Parteien. Auch in Dortmund. Pläne für eine Radfahrer-Traumstraße in superzentraler Lage („Rad-Wall“) werden konkret, alle reden über Verkehrswende, E-Mobilität, Ausbau des Nahverkehrs undundund. Gut so.

Verzicht kann nicht schaden

Was viele Maßnahmen gemeinsam haben, die an-, durch-, und zuende gedacht werden: Sie sind zukunftsgerichtet (gut so!), oft schwierig umzusetzen (bedauerlich) und zumeist teuer (höchst bedauerlich).

Demgegenüber wäre es ein Leichtes (gut so!), auch das Thema Silvesterfeuerwerk in den Blick zu nehmen, statt sich im Wesentlichen auf Überlegungen zum Verkehr zu konzentrieren. Ist zwar nur einmal im Jahr - aber drauf zu verzichten wird der Umwelt sicher nicht schaden.

Der Tierwelt auch nicht. Weder der in den Parks, noch der in der eigenen Wohnung. So begründen auch die Rewe-Chefs den Boykott. Und sicher wären auch die Notfallambulanzen nicht böse, wenn ein paar weggesprengte Hände (oder Augen) weniger zu behandeln wären.

Kein Verbot

Haben Sie‘s gemerkt? Das verwendete Verb lautet „verzichten“. Nicht „verbieten“. Großer Unterschied. Denn Verbote sind bei solchen Themen Unsinn.

Das Silvesterfeuerwerk ist eine beliebte Tradition. Ein Verbot würde lediglich eine Anti-Haltung bei den zahlreichen Befürwortern auslösen. Inklusive Untergang-des-Abendlandes-Stimmung(smache) an den extremen Rändern.

Ein Aufruf zum Verzicht hingegen kostet öffentliche Personen nichts. Egal ob wir hier von Politikern sprechen oder von anderen Influencern, hier zu verstehen im weitesten Sinne als diejenigen, die irgendwie Einfluss nehmen.

Warum sollte das nicht funktionieren?

Ob es die lokalen Supermärkte etwas kosten würde, sich dem Boykott anzuschließen, lässt sich schwer beurteilen. Ebenso wie ein Imagegewinn, der etwaige Verluste wettmachen könnte. Zwei Rewe-Chefs gehen diesen Weg. Und sie würden ihn sicher nicht leichtfertig gehen. Denn sie sind Geschäftsleute. Warum also sollte es in anderen Läden nicht funktionieren?

Letztlich wäre ein großer Boykottaufruf, angemessen öffentlichkeitswirksam, ein starkes Signal - wenn die Basis groß genug wäre. Leider bleibt Heiko Wasser hier mit seiner Solidarisierung allein. Na ja. Vielleicht 2020. Und auf Dauer.

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