2020 war nur Feuerwerk nur in kleinem Rahmen erlaubt. In der Innenstadt gab es Verbotszonen. © Oliver Schaper
Reaktionen auf Beschluss

Böllerverbot an Silvester in Dortmund: „Das ist faktisch ein Berufsverbot“

Im zweiten Jahr in Folge wird an Silvester ein Böllerverbot gelten. Wie das in Dortmund aussehen kann, hat der Jahreswechsel 2020/21 gezeigt. Händler von Feuerwerk sind geschockt vom Verbot.

Silvester 2021 wird aller Voraussicht nach wie Silvester 2020, zumindest von den Regeln her. Das bedeutet: keine großen Partys im Freien, kein Feuerwerk am Dortmunder Nachthimmel.

Dafür aber – so der Plan der Politik – auch kaum Feuerwehr-Einsätze, Verletzungen und weniger Corona-Infektionen. Die Planungen zur Umsetzung laufen bereits. Aber es gibt auch massive Kritik daran.

Die neue Corona-Schutzverordnung für NRW, die am Freitag (3.12.) erschienen ist, enthält keine weiteren Aussagen zu diesem Thema. Deshalb gilt als Sachstand eine Aussage von Stadtsprecher Maximilian Löchter am Freitagmittag. Er sagt: „Zum Böllerverbot laufen derzeit die Abstimmungen.“

2020 gab es Verbotszonen in der Innenstadt

Im vergangenen Jahr waren von Stadtverwaltung und Polizei Verbotszonen für das Abbrennen von Pyrotechnik und Ansammlungen von mehr als zwei Personen festgelegt worden. Diese befanden sich am Hauptbahnhof, im Umfeld der Kirchen St. Reinoldi und St. Marien sowie rund um die Möllerbrücke.

Der Verkauf von Feuerwerk war im Vorfeld untersagt worden. 2020 galt außerdem ein Verbot für den Verzehr von Alkohol im öffentlichen Raum. Das Abbrennen von bereits gekauftem Feuerwerk in privatem Rahmen war erlaubt.

Die Mehrheit der Dortmunderinnen und Dortmunder hielt sich an die Kontaktverbote, es gab nur wenige Einsätze von Polizei und Feuerwehr.

Um den Jahreswechsel 2020/21 bewegte sich die 7-Tage-Inzidenz in Dortmund zwischen 150 und 200.

Unverständnis bei Unternehmern, die von Feuerwerk leben

Für großen Ärger sorgt die Maßnahme verständlicherweise bei Feuerwerkshändlern wie dem Dortmunder Danny Seck. „Es ist klar, dass das Wohl aller am Wichtigsten ist“, sagt er. „Aber es ist faktisch ein Berufsverbot und der Todesstoß für unsere Branche.“

Seit Monaten laufe die Vorbereitung für die Silvestersaison. „Wir haben viel Geld für einen Online-Shop in die Hand genommen“. Das Verbot sei nicht angekündigt worden, komme „aus der Hosentasche“, sagt er.

Händler müssen Ware vernichten

Wie schon im Vorjahr bleibt ihm nach Lage der Dinge nur, die bereits bestellte Ware in extra dafür angemieteten Räumen zu lagern. Und sie dann zu vernichten. „Emissionen werden also trotzdem erzeugt“, sagt Danny Seck.

Danny Seck ist professioneller Feuerwerker aus Dortmund und warnt vor dem Umgang mit importierten Böllern. © privat © privat

Den Dortmunder Händler Christoph Scheiding hat das Verkaufsverbot für Silvesterböller ebenfalls kalt erwischt.

„Damit habe ich in diesem Jahr nicht mehr gerechnet“, sagt der Inhaber von Scheidings Lagerverkauf in Oestrich. Eineinhalb Tonnen Feuerwerk und Knaller hat er bestellt und bezahlt. „Dadurch fehlen mir 100.000 Euro im Cashflow.“

Die Ware kommt in der nächsten Woche. Scheiding lagert sie in einem hinzu gemieteten Bunker. In weiteren Bunkern liegen bereits drei Tonnen Feuerwerk mit nicht verkaufter Ware aus 2019 und 2020.

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Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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