Böllerwurf bei Nazi-Demo: Mann steht vor Gericht

Weiterer Anschlag geplant

Sein Böllerwurf verletzte fünf Gegendemonstranten auf einer Demo in Dortmund, in Baden-Württemberg soll er einen Sprengstoffanschag mit Modellflugzeugen geplant haben - jetzt hat in Südbaden der Prozess gegen einen Neonazi begonnen.

DORTMUND/EMMENDINGEN

von Heinz Siebold, Peter Bandermann

, 15.10.2015, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Protest gegen Neonazis an der Märkischen Straße.

Protest gegen Neonazis an der Märkischen Straße.

Vor dem Amtsgericht im südbadischen Emmendingen wird seit Donnerstag gegen drei Männer verhandelt. Ihnen werden etliche Vergehen gegen Sprengstoff- und Waffengesetze vorgeworfen. Mit dabei ist auch der jetzt 25-jährige Oliver R., der am 31. August 2013 bei einem Neonazi-Aufmarsch in Dortmund einen Böller auf Gegendemonstranten geworfen hat. Dabei wurden fünf Menschen verletzt, darunter ein Polizist und eine Landtagsabgeordnete der Partei „Die Piraten“.

Zum Prozessauftakt hat Oliver R. die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zugegeben. Er sei damals „sehr aktiv“ in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen. Mittlerweile finde da „nichts mehr statt“.

Plan: Böller gegen Linke

Nach Dortmund habe er den Böller mitgenommen, weil „die linksradikalen Antifas“ öfter mal gewalttätig würden. Sein Böllerwurf war gefilmt, der Täter daraufhin identifiziert und für einen Tag in Haft genommen worden.

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Neonazi-Demo: Ausschreitung auf den letzten Metern

Kurz vor dem Ort der Abschlusskundgebung trafen die Neonazis am Samstagnachmittag noch eionmal auf rund 200 Gegendemonstranten. Bei der Abschlusskundgebung gab es eine Auseinandersetzung zwischen Neonazis und Polizei.
31.08.2013
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Es kam zu Rangeleien und drei Festnahmen. Am Ende hatte die Polizei 150 Neonazis eingekesselt.© Foto: Peter Bandermann
Es kam zu Rangeleien und drei Festnahmen. Am Ende hatte die Polizei 150 Neonazis eingekesselt.© Foto: Peter Bandermann
Es kam zu Rangeleien und drei Festnahmen. Am Ende hatte die Polizei 150 Neonazis eingekesselt.© Foto: Peter Bandermann
Es kam zu Rangeleien und drei Festnahmen. Am Ende hatte die Polizei 150 Neonazis eingekesselt.© Foto: Peter Bandermann
Es kam zu Rangeleien und drei Festnahmen. Am Ende hatte die Polizei 150 Neonazis eingekesselt.© Foto: Peter Bandermann
Polizisten an der Saarlandstraße, wo die Abschlusskundgebung der Neonazis war.© Foto: Peter Bandermann
Polizisten an der Saarlandstraße.© Foto: Peter Bandermann
Polizisten an der Saarlandstraße.© Foto: Peter Bandermann
Auch Antifaschisten verfolgten hinter einer Polizeisperre das Geschehen.© Foto: Peter Bandermann
Nach den drei Festnahmen: Polizisten stehen den Neonazis gegenüber.© Foto: Peter Bandermann
Nach den drei Festnahmen auf der Wiese zwischen Südbad und Saarlandstraße: Polizisten haben die teilweise aggressiv auftretenden Neonazis umstellt.© Foto: Peter Bandermann
Nach mehreren Aufforderungen verlassen die ersten Rechtsextremisten die Saarlandstraße in Richtung U-Bahn.© Foto: Peter Bandermann
Nach mehreren Aufforderungen verlassen die ersten Nazis die Saarlandstraße n Richtung U-Bahn.© Foto: Peter Bandermann
Ein Rechtsextremist auf der Saarlandstraße.© Foto: Peter Bandermann
Protest gegen Neonazis an der Märkischen Straße.© Foto: Peter Bandermann
Protest gegen Neonazis an der Märkischen Straße.© Foto: Peter Bandermann
Protest gegen Neonazis an der Märkischen Straße.© Foto: Peter Bandermann
Protest gegen Neonazis an der Märkischen Straße.© Foto: Peter Bandermann
Neonazis auf der Saarlandstraße.© Foto: Peter Bandermann
Polizisten am Bahnhof Stadthaus.© Foto: Peter Bandermann
Neonazis auf der Saarlandstraße.© Foto: Peter Bandermann
Protest gegen Neonazis an der Märkischen Straße.© Foto: Peter Bandermann
Nach den Festnahmen wollen Neonazis die Polizisten fotografieren, um deren Identität feststellen zu können.© Foto: Peter Bandermann
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Der geworfene Böller war ein selbstgebastelter „spanischer Böller“. Wie die vergleichbaren „Polen-Böller“ sind das kleine, aber starke Sprengkörper mit großer Wirkung, daher in Deutschland verboten, erklärte ein Sprengstoffexperte der Polizei.

Fabriziert hat die illegalen Knallkörper der jetzt 44 Jahre alte Dirk E. aus dem Landkreis Emmendingen. Der arbeitslose und hoch verschuldete Monteur hat seit Jahren mit Sprengstoff experimentiert und die Wirkung seiner selbst gebastelten Knaller zusammen mit einem Kumpel vorwiegend in fließenden und stehenden Gewässern ausprobiert und auf Videos dokumentiert.

"Wie eine Handgranate"

Einen dieser Böller hat Oliver R. in Dortmund geworfen. Ob im Inneren der Pappe auch Splittermaterial gewesen sein könnte, ist noch nicht geklärt. Splittermaterial ist auf jeden Fall bei einem anderen Sprengköper verwendet worden, den Bastler Dirk E. als Rohrbombe mit 261 Gramm explosivem Gemisch gefertigt hat.

In dem Kunststoffrohr lag eine Metallkette als Schrapnell-Material. „Wie eine Handgranate“, gefährlich für Leib und Leben auf einer Distanz von drei Metern, hätte sie nach Auffassung des Sprengstoffexperten gewirkt. Dass es zu keinem Anschlag kam, ist wohl einem nicht angeklagten Bekannten des Trios zu verdanken, der die Polizei verständigte. 

"Es soll Überlegungen gegeben haben, diesen selbstgebastelten Sprengsatz mit einem Modellflugzeug bei einer Veranstaltung politischer Gegner einzusetzen. Nach jetzigem Ermittlungsstand existierten hierzu jedoch noch keine konkreten Planungen", hieß es bei der Festnahme damals von Ermittlern.

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