Sprengstoff-Experte im BVB-Prozess: Bomben waren stärker als bisher angenommen

Anschlag auf Mannschaftsbus

Im Prozess um den Bombenanschlag auf den BVB soll am 27. November das Urteil gesprochen werden. Der Angeklagte hat bereits gestanden – doch ein Sprengstoff-Experte belastet ihn erneut.

Dortmund

, 25.10.2018 / Lesedauer: 3 min
Sprengstoff-Experte im BVB-Prozess: Bomben waren stärker als bisher angenommen

Der Angeklagte am 25. Prozesstag vor dem Dortmunder Schwurgericht. © Werner von Braunschweig

Der 25. Verhandlungstag des Prozesses um den Anschlag auf den BVB-Bus hatte am Donnerstag kaum begonnen, da versuchte der geständige Bombenbauer, Sergej W. (29), noch einmal Pluspunkte zu sammeln: Über seinen Verteidiger Carl Heydenreich erkannte der Angeklagte die Schmerzensgeldforderung von Ex-BVB-Verteidiger Marc Bartra (inzwischen Betis Sevilla) über 15.000 Euro an. Auch die eingeklagten 20.000 Euro des bei dem Anschlag verletzten Motorradpolizisten akzeptierte er. Außerdem soll am Ende auch Borussia Dortmund einen Titel über rund 20.000 Euro für die Schäden am Mannschaftsbus erhalten.

Ob Sergej W. die Gesamtsumme von etwa 55.000 Euro aber jemals aufbringen kann, ist sehr unwahrscheinlich. Bisher hat er lediglich dem Motorradpolizisten im laufenden Prozess 2.000 Euro übergeben.

Urteil am 27. November

Viel wird im Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht - Stand jetzt - wohl nicht mehr passieren. Die Richter haben bereits mitgeteilt, dass Staatsanwaltschaft und Verteidigung am 19. und am 22. November plädieren sollen. Planmäßiger Termin zur Verkündung des Urteils ist dann der 27. November.

Nach zehnmonatiger Prozessdauer hat für Sergej W. damit endgültig die Zeit des Bangens begonnen. Der 29-Jährige ist wegen 28-fachen Mordversuchs angeklagt. Damit droht ihm möglicherweise sogar lebenslange Haft.

Zweifel an "Harmlos-Version"

Sergej W. gibt zwar zu, die Sprengsätze am 11. April 2017 bei der Abfahrt des BVB am Teamhotel "l'Arrivée" gezündet zu haben. Er will sie aber bewusst so konstruiert haben, dass keine nennenswerten Schäden entstehen konnten. Genau diese "Harmlos-Version" ist seit Donnerstag jedoch ins Wanken geraten.

Ein Sprengstoff-Experte des Fraunhofer-Instituts hat die Explosionskraft noch einmal genau berechnet. Nach seinen Angaben sind die vom Angeklagten verbauten Substanzen extrem gefährlich gewesen. Normalerweise wären die Bombensplitter mit einer Geschwindigkeit von 850 Metern pro Sekunde geflogen. Das entspräche einem Tempo von 3060 km/h.

Bomben nicht vollständig explodiert

Nur wegen einer Verpuffung sei es nicht zu einer noch größeren Katastrophe gekommen. "Es hätte alles deutlich schlimmer kommen können", sagte der Experte am Rande des Prozesses. Die Bomben von Sergej W. seien offenbar nicht vollständig explodiert.

Dass ein früherer Gutachter die Geschwindigkeit geringer eingestuft hatte, liegt daran, dass dieser Experte vom tatsächlichen Schadensbild ausgegangen ist, und nicht von der potenziellen Sprengkraft.

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