Bombendrohung: Das sagt die Polizei zu den Ermittlungen

Thier-Galerie

Nach der Bombendrohung gegen die Thier-Galerie setzt die Polizei alles daran, den Verfasser zu identifizieren. Einfach ist das nicht. Das Internet ist das perfekte Medium, um Straftaten zu begehen und die eigene Identität zu verschleiern. Anonymisierungsdienste helfen dabei. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

DORTMUND

, 27.07.2016, 15:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bombendrohung: Das sagt die Polizei zu den Ermittlungen

Wegen einer Bombendrohung musste die Thier-Galerie am Dienstag geräumt werden.

Was ist über die Drohung bekannt?

 Die Bombendrohung gegen die Thier-Galerie  (hier die Zusammenfassung der Ereignisse) verschickte der Verfasser per E-Mail an die Polizei in Hessen und an die Dortmunder Polizei. Den Text veröffentlichte er (oder sie) in einem öffentlichen Internetforum, in dem die Nutzer von der Netzgemeinde ihre Fragen zum Alltag beantworten lassen. Wer dort mitschreibt, kann sich über öffentliche Wlan-Netzwerke einwählen, für die keine Registrierungen erforderlich sind. Zwar überträgt ein Mobiltelefon eine Art Fahrgestellnummer, doch die ist nirgends registriert. Die Polizei kann sich zwar bis zur IP-Adresse des Routers vortasten, aber der verrät nichts Eindeutiges über die Identität des dort eingewählten Täters.

Komplizierter, präziser und zuverlässiger arbeiten Anonymisierungsdienste wie das Tor-Netzwerk. Sie verhindern unbefugte und ungewollte Kontrollen und Analysen. Wer so vorgeht, nutzt weltweit verbundene Server. Die Datensprünge führen über Länder, in denen die Betreiber mit deutschen Ermittlungsbehörden nicht kommunizieren - die Recherchen verlaufen im Sande.

Was sagt die Polizei zu den Ermittlungen? 

"Wir wissen, wie einfach es ist, die Spuren im Internet zu verwischen und wie schwierig es für uns ist, sie wieder sichtbar zu machen. Aber wir setzen alles daran, den Täter zu ermitteln", sagte Polizeisprecher Gunnar Wortmann. "Und wenn wir ihn haben, setzen wir alles daran, dass Polizei, Feuerwehr und die Geschäftsinhaber ihre Kosten in Rechnung stellen können. Der Täter kann das dann sein Leben lang abbezahlen."

Jetzt lesen

 

Eine Bombendrohung sei grundsätzlich verwerflich. Sie im Juli 2016 während einer weltweit und auch in Europa und Deutschland angespannten und sehr sensiblen Lage auszusprechen, wiege noch schwerer. Gunnar Wortmann: "Dafür fehlen einem die Worte." Die Dortmunder Polizei erhält im Jahr mehrere Bombendrohungen gegen verschiedene Einrichtungen. Alle Drohungen muss sie ernst nehmen und bewerten. "Die aktuelle Lage beeinflusst unsere Entscheidungen. Wie wir bewerten und abwägen, möchten wir nicht sagen. Aus taktischen Gründen wollen wir uns nicht in die Karten gucken lassen", sagte Gunnar Wortmann.

Wie sah es am Tag danach in der Thier-Galerie aus?

Am Tag nach der Bombendrohung kehrte in der Thier-Galerie wieder der Alltag ein. "Es war wichtig, Ängste, Gefühle und Gedanken aussprechen und loswerden zu können", sagte Center-Managerin Heike Marzen über die ersten Stunden nach der Eröffnung. Die 40-jährige Juristin war heilfroh darüber, dass die Räumung der Thier-Galerie ruhig abgewickelt werden konnte. Szenarien wie diese übt das Personal einmal im Monat. Heike Marzen: "Immer wieder trainierte Abläufe geben Sicherheit und strahlen Routine aus." Die Sorge vor Nachahmern bleibt.

Das sagten die Besucher der Thier-Galerie am Tag danach: 

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Das sagen Thier-Galerie-Besucher am Tag nach der Bombendrohung

Einen Tag nach der Bombendrohung gegen die Thier-Galerie haben wir mit den Besuchern über ihre Gedanken gesprochen. Die Frage lautete: "Wie fühlt es sich an, nach der Bombendrohung wieder in die Thier-Galerie zu gehen?" Das sind die Antworten.
27.07.2016
/
Marvin Makus (19): "Ich hatte kein Problem damit in die Thier-Galerie zu gehen. Es hat sich ganz normal angefühlt."© Foto: Amelie Voita
Silvia Krawielitzki (56): "Es ist ein komisches Gefühl, aber das habe ich jetzt auch in der Straßenbahn. Man lebt jetzt einfach anders."© Foto: Amelie Voita
Ursula Merkel (67): "Ich bin mit gemischten Gefühlen reingegangen. Es war in der Thier-Galerie und in der ganzen Stadt leerer als sonst. In jedem ist doch ein bisschen Angst drin."© Foto: Amelie Voita
Tina Schmidt (26): "Ich habe keine Angst, weil ich nicht glaube, dass sowas zweimal hintereinander am selben Ort passiert."© Foto: Amelie Voita
Selina Schukat (26): "Sicher kann man heutzutage nirgendwo mehr sein. Wenn man sich dadurch einschüchtern lässt, haben sie ihr Ziel ja erreicht."© Foto: Amelie Voita
Miriam Salber (24): "So richtig Sorgen gemacht habe ich mir nicht, es erschien mir alles ganz normal."© Foto: Amelie Voita
Ralph Espeloer (51): "Wenn ich mir darüber noch Sorgen machen würde, könnte ich ja gar nicht mehr aus dem Haus gehen."© Foto: Amelie Voita
Schlagworte "44137-Dortmund,

Die Zahlen der Polizei:

Dass Täter einen Bombenanschlag, einen Amoklauf oder andere Verbrechen ankündigen, ist für die Dortmunder Polizei nicht neu. Pro Jahr bewegen sich die Zahlen im zweistelligen Bereich. Hier eine Übersicht auf Fallzahlen und überraschend hohe Aufklärungsquoten bei der "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten":

  • 2012: 35 Fälle. Aufklärungsquote: 57 Prozent
  • 2013: 33 Fälle. Aufklärungsquote: 48 Prozent.
  • 2014: 26 Fälle. Aufklärungsquote: 73 Prozent.
  • 2015: 20 Fälle. Aufklärungsquote: 60 Prozent.
  • 2016: Tendenz gleich

Lesen Sie jetzt