Brackel historisch: eine feine Dame im Stile Greta Garbos

rnInteressantes Gebäude

Häuser könnten oft interessante Geschichten erzählen, wenn sie denn reden könnten - besonders, wenn sie so alt sind wie das Gebäude am Brackeler Hellweg 128.

Brackel

, 13.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mal was Historisches: Der Wickeder Hobbyhistoriker Manfred Thiel (73) möchte auf die Geschichte eines interessanten Gebäudes hinweisen: des Hauses an der Tackenstraße / Ecke Brackeler Hellweg, in dem heute unter anderem die Fahrschule Wurzel und die Brackeler Kodi-Filiale untergebracht sind. Die Postadresse lautet Brackeler Hellweg 128. Thiel gehörte 1998 zu den Mitbegründern des Brackeler Geschichtskreises, ist jedoch später aufgrund von persönlichen Differenzen ausgetreten.

„Brackel, ein Dorf am westfälischen Hellweg“

Manfred Thiel bezieht sich in seinen Ausführungen auf eines seiner Lieblingsbücher zur Brackeler Geschichte: „Brackel, ein Dorf am westfälischen Hellweg“ von Günter Knippenberg aus dem Jahre 1997.

Demnach soll dieses Gebäude, der Hof Schulze-Westen, der früher Heubingshof hieß, auf einen Adeligen zurückgehen, der um 1344 in Brackel gelebt haben soll: Helmich von Heybinck. Etwa vier Jahrhunderte später, etwa im Jahr 1770, war der Besitz so verarmt, dass die große Familie des damaligen Pächters vom Kirchlichen Armenfonds unterstützt werden musste. Sieben Jahre später pachtete der Fonds selbst das Gebäude und übernahm die Lasten. Er stellte Pferde zur Verfügung, um Mehl von Unna nach Bochum und Holland und auch Holz nach Hörde zu bringen.

Brackel historisch: eine feine Dame im Stile Greta Garbos

Manfred Thiel ist begeisterter Heimatforscher. Eins seiner Lieblingsbücher zur Brackeler Geschichte heißt „Brackel, ein Dorf am westfälischen Hellweg" und stammt von Günter Knippenberg. © Andreas Schröter

1897 heiratete Dietrich Schulze-Westen die Erbin des Hofes Anna Heubing. Darüber waren die Brackeler wenig erfreut, hätte ihrer Meinung nach doch ein Einheimischer den alten Hof weiterführen müssen. Doch das änderte sich bald. Die Bevölkerung zollte dem neuen Gutsherren Respekt. Offenbar verhielt er sich anständig den Brackelern gegenüber. Dietrich Schulze-Westen war auch an der Gründung des Reit- und Fahrvereins beteiligt, den er auch leitete.

Etwa 2005 befand sich in dem Gebäude eine Boutique. Manfred Thiel erinnert sich an eine Dame im Stil Greta Garbos, die am Abend von ihrem Ehemann im schicken Mercedes abgeholt wurde.

Wie viele Brackeler haben dort ihren Führerschein gemacht?

Es folgten verschiedene Geschäfte wie auch das Büro des Versicherungsmaklers Plückebaum, Fleischwaren Gollan, ein Geschäft, das es schon seit rund 40 Jahren gibt, und die Fahrschule Wurzel. „Wieviel Brackeler wohl dort schon ihren Füherschein gemacht haben?“, fragt sich Thiel. Beide existieren noch heute.

Manfred Thiel, der 40 Jahre als Briefträger bei der Post gearbeitet hat, hat seine Begeisterung für Historisches von einem alten Geschichtslehrer namens Schneider. Der habe in ihm schon in ganz jungen Jahren die Begeisterung für Derartiges entfacht.

Lesen Sie jetzt