Brackeler beschweren sich über Gestank von einer Dortmunder Firma

rnGeruchsbelästigung

Die Geruchsbelästigung, die vom Brauerei-Nebenprodukt-Verwerter Tremonis ausgeht, war vor Jahren ein großes Brackeler Thema. Nun häufen sich erneut die Beschwerden. Die Firma wehrt sich.

Brackel

, 17.08.2020, 04:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im sozialen Netzwerk Facebook häufen sich die Beschwerden über die Geruchsbelästigung, die von der Firma Tremonis ausgeht, einer Firma zur Verwertung von Brauerei-Nebenprodukten mit Sitz an der Westfälischen Straße 251 in Brackel.

Einer der Beschwerdeführer ist Rüdiger Knievel, der an der Straße Welschenacker wohnt. Er sagt: „Wie stark der Gestank ist, hängt ganz von der Windrichtung ab. Neulich morgens zwischen 5 und 6 Uhr war es so heftig, dass meine Frau würgen musste.“

Jetzt lesen

Es rieche penetrant nach vergorenem Bier - „so als wenn Sie eine geöffnete Flasche Bier 30 Jahre lang stehen lassen“. Er glaube, dass das von dem Treber komme (Rückstände von Braumalz). Ein anderer Betroffener ist Maximilian Mertens. Er sagt: „Ich wohne direkt dort in der Nähe und es stinkt hier bestialisch, man kann die Terrassentür nicht offen lassen, ohne dass der Gestank die ganze Wohnung einnimmt.“

Tremonis-Buchhaltungsleuter Andreas Hartkopf und Tremonis-Betriebsleiter André Henning (v.l.) schließen aus, dass von ihrer Firma ein irgendwie gearteter Gestank ausgeht

Tremonis-Buchhaltungsleiter Andreas Hartkopf und Tremonis-Betriebsleiter André Henning (v.l.) schließen aus, dass von ihrer Firma ein irgendwie gearteter Gestank ausgeht. © Andreas Schröter

Das Problem ist nicht neu: Nach ähnlichen Beschwerden vor rund zehn Jahren hatte die Firma im März 2013 eine neue Anlage zur „Thermischen Nachverbrennung“ (TNV) in Betrieb genommen, „die die schlimmsten Geruchsbelästigungen ausschalte“, so hieß es damals von der Firma. Es wurde dabei die Abluft aus der Kieselguraufbereitungsanlage verbrannt, die damals eine der Ursachen für solche Geruchsbelästigungen gewesen sein könnte.

Jetzt lesen

Allerdings, so hieß es damals, gebe es weitere Quellen: So komme der Gestank unter anderem auch aus der Abwasseraufbereitungsanlage und der Hefeaufbereitung. Offene Türen und Fenster seien hier oft der schlichte Grund, dass der Gestank nach außen dringe. Seither haben die Beschwerden nachgelassen - bis jetzt.

In dieses Biobeet gelangt die zuvor schon in mehreren Stufen bearbeitete Bierhefe. Man kann darüber diskutieren, ob es dort nach nassem Holz oder doch nach einem Bierbestandteil riecht

In dieses Biobeet gelangt die zuvor schon in mehreren Stufen bearbeitete Abluft aus der Hefetrocknung. Man kann darüber diskutieren, ob es dort nach nassem Holz oder doch nach einem Bierbestandteil riecht. © Andreas Schröter

Tremonis-Betriebsleiter André Henning sagt heute: Für Probleme habe damals vor allem ein Brauerei-Nebenprodukt namens Kieselgur gesorgt, das zur Bierfiltration gebraucht wird. Allerdings habe sein Unternehmen diesen Produktionszweig vor etwa eineinhalb Jahren stillgelegt, weil er sich wirtschaftlich nicht mehr gelohnt habe. Deswegen gebe es in Brackel keine Anlieferung von Kieselgurschlamm mehr.

Auch das bereits erwähnte Produkt Biertreber komme auf dem Tremonis-Gelände nicht vor. Man handele zwar noch damit, aber die Erzeugnisse gehen direkt von den Brauereien an andere Weiterverarbeiter.

Einziges Produkt, mit dem man in Brackel zu tun habe, sei Bierhefe, die unter anderem zu Tierfutter weiterverarbeitet wird. Sie gelangt, nachdem sie einige andere Prozesse durchlaufen hat, auf ein Biobeet. Dort rieche es etwas nach nassem Holz, sagen André Henning und Tremonis-Buchhaltungsleiter Andreas Hartkopf. Das zumindest ist eine Aussage, über die sich diskutieren ließe.

In unmittelbarer Nähe des Biobeetes hat man schon den Eindruck, einen Bierbestandteil zu riechen. Die Anlage werde einer permanenten olfaktometrischen Geruchsmessung unterzogen, so der Betriebsleiter weiter. Olfaktometrie ist die Messung der Reaktion von Prüfpersonen auf den Geruchssinn betreffende Reize.

An dieser Stelle befand sich bis vor eineinhalb Jahren eine Anlage zur Weiterverarbeitung von Kieselgurschlamm. Sie wurde stillgelegt

An dieser Stelle befand sich bis vor eineinhalb Jahren eine Anlage zur Weiterverarbeitung von Kieselgurschlamm. Sie wurde stillgelegt. © Andreas Schröter

Wie dem auch sei: André Henning sagt letztlich, es sei vollkommen unmöglich, dass von der Firma ein Geruch ausgehe, der noch kilometerweit zu riechen sei: „Alle Produktionsdämpfe werden abgesaugt und gelangen nicht ins Freie.“

Es könne aber doch auch sein, dass die wahrgenommenen Gerüche gar nicht von Tremonis stammen, sondern vielleicht von den umliegenden Feldern, auf denen die Bauern gedüngt haben.

Bei der gegenwärtigen Hitze trocknen auch Kanäle schnell aus und können stinken. „Für einige Anwohner sind wir generell die Buhmänner, wenn es irgendwo stinkt.“ Seine Firma sei bemüht, auf alle Nachbarn zuzugehen, aber er bitte um Verständnis, dass nicht für alle eine Betriebsbesichtigung ermöglicht werden könne.

Auch Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka kennt das Problem. Er sagt: „Wir haben schon lange keine Beschwerden mehr über Gestank bekommen. 2014 hat sich das staatliche Umweltamt Hagen um das Problem gekümmert, es hat mehrere Termine und Gespräche gegeben. Damals waren sogar Riechexperten vor Ort, Menschen, die sich durch besonders sensible Nasen ausgezeichnet haben und die uns hier beraten haben.“

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Das Problem bei solchen olfaktorischen Empfindungen sei ja, dass sie sehr subjektiv seien. Was der eine als störend empfinde, sei für einen anderen ekelerregend und damit äußerst belastend.

Czierpka: „Wir wissen, dass das Gehirn hier eine gewichtige Rolle spielt und schon die Aussage ,Den kann ich nicht riechen‘ zeigt, welchen Stellenwert der Geruchssinn hat. Darum sind wir natürlich sehr daran interessiert, üble Stinker im Stadtbezirk in den Griff zu bekommen.“

Seit 2014 habe es insgesamt nur drei Anfragen gegeben, die letzte ist aus November 2019. Aber die bezogen sich auf Einzelereignisse, da habe es mal ein paar Stunden oder ein paar Tage gerochen. Solche Phasen gebe es etwa bei Filterwechseln und auch bei betrieblichen Störungen.

Meldungen an Bezirksverwaltungsstelle wichtig

Czierpka: „Für uns ist interessant, wenn es länger und ekelerregend stinkt. Nur dann können wir über das staatliche Umweltamt eingreifen. Daher ist eine Information der Verwaltungsstelle sinnvoller als Facebook-Diskussionen.“

Rüdiger Knievel allerdings ist damit nicht zufrieden. Er droht der Firma mit einer Anzeige.

Die Firma Tremonis mit derzeit 24 Mitarbeitern existiert seit 1907. Zunächst war sie für die Produktion von Stangeneis für die Kühlung des Bieres in Gaststätten zuständig, mit fortschreitender Elektrifizierung ab etwa den 1930er- oder 1940er-Jahren stieg sie um auf die Verwertung von Brauerei-Nebenprodukten.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt