Wegen Corona: Brackeler Chor singt „mit Abstand“ in Kurler Garten

rnChorgesang in Dortmund

Die Harmony Sisters beschreiten während der Corona-Pandemie neue Wege. Da der eigentliche Probenraum zu klein ist, üben sie in einem Garten. Hier wird geprobt - zur Not auch im Hühnerstall.

Brackel, Kurl

, 10.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem geräumigen Garten in Kurl haben sich viele Mitglieder der Harmony Sisters eingefunden, die sonst in Brackel proben. 13 sind es, die unter der Leitung von Kirsten Wolke mal gemeinsam, mal einzeln singen. „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“, erklingt es.

Sängerinnen singen im Garten

Idyllisch ist es: mit vielen Bäumen, einem kleinen Teich, einer Schaukel und einem Hühnerstall, in dessen Gehege die Hühner zufrieden scharren. Auf einer Wiese haben sich die Sängerinnen mit Abstand verteilt.

Chorleiterin Kirsten Wolke holt verhinderte Mitglieder digital dazu.

Chorleiterin Kirsten Wolke holt verhinderte Mitglieder digital dazu. © Schaper

„Wir wollten so schnell wie möglich wieder anfangen“, sagt Kirsten Wolke und erinnert sich zurück. Wegen des Lockdowns war zuerst nichts möglich. Aber direkt nach den Osterferien ging es los - zunächst nur digital.

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Alle sangen für sich alleine, teilweise zu Playback. „Alle haben sich toll darauf eingelassen“, lobt die Chorleiterin. Und das trotz technischer Probleme wie Rückkopplungen.

Proben ist ein Stück Normalität

Der eigentliche Probenraum in der „Chor-WG“ am Brackeler Hellweg/Ecke Tackenstraße ist aufgrund der aktuellen Bestimmungen zu klein, um alle Chormitglieder aufzunehmen. „Wir brauchten einen großen Platz, auf dem alle singen können“, sagt Kirsten Wolke.

Luise (l.) und Martina (2.v.l.) Grünastel gehört der Garten.

Luise (l.) und Martina (2.v.l.) Grünastel gehört der Garten. © Schaper

„Wir sind total froh, dass wir hier proben können und ein Stück Normalität aufrecht erhalten können“, freut sich Kirsten Wolke. Möglich machen dies Luise (60) und Martina (23) Grünastel.

„Wir haben Kirsten vorgeschlagen, die Proben in unserem Garten stattfinden zu lassen“, erinnert sich Martina Grünastel. „Hier haben wir genug Platz und bei Regen kann man sich unterstellen“, ergänzt Luise Grünastel.

Nachbarn applaudieren

Gesungen wird fast alles - von Pop bis Klassik. Sogar den Nachbarn gefällt es. „Sie haben auch Applaus geklatscht“, berichtet Kirsten Wolke.

Die Harmony Sisters nutzen für die Chorprobe einen großen Teil des Gartens.

Die Harmony Sisters nutzen für die Chorprobe einen großen Teil des Gartens. © Schaper

Chormitglied Heike Kulig freut sich ebenfalls sehr, wieder gemeinsam singen zu können. Sie singt auch im Chor ihrer Firma, dem Delta Chorios. „Die Gemeinschaft bleibt bestehen“, sagt sie. Aber auch das Onlinesingen hat ihr Spaß gemacht. „Kirsten und ihr Mann haben uns da toll an die Hand genommen“, lobt sie. Dabei haben sie sogar eigene Musikvideos aufgenommen.

Live Singen ist dem Chor wichtig

Nicht alle der 20 Chormitglieder im Alter von 23 bis 64 Jahren sind bei der Probe dabei. Für mehrere Mitglieder ist der Weg zu weit, und ein paar sind auch im Urlaub. Mehrere sind aber digital anwesend - per Videokonferenz können sie über ein Smartphone hier sein.

Harmony Sisters stellen Videos online

Die Harmony Sisters haben auch einen eigenen Youtube-Account. Er ist unter www.youtube.com/channel/UCty0V2zwr5lmHU3lv4Var_A zu finden.

Für die Mitglieder ist das Live-Proben wichtig. „Online war auch schön, aber wir brauchen doch den direkten Kontakt“, erklärt Kirsten Wolke. Der soziale Aspekt sei wichtig. Außerdem sei das Singen gut für die Gesundheit: „Die Lunge weitet sich ähnlich wie beim Sport und Endorphine werden ausgeschüttet.“

Bei der Chorprobe bringt Kirsten Wolke auch viel Technik zum Einsatz.

Bei der Chorprobe bringt Kirsten Wolke auch viel Technik zum Einsatz. © Schaper

Auch wenn die Corona-Pandemie weiter das Leben bestimmt, plant der Chor trotzdem aufzutreten; wenn auch anders als vorgesehen. So war für den 20. September ein großes Jahreskonzert geplant. Stattdessen will der Chor nun beim Gottesdienst der Melanchthonkirche singen. Ein Konzert am 6. Juni in Herdecke musste dagegen ebenso ausfallen wie ein Weihnachtskonzert.

Im Garten singen klappt auch mit anderen Chören

Das gute Wetter ist für den Chor vorteilhaft. Aber auch bei schlechtem Wetter gibt es eine Lösung: „Bei Regen können wir uns im Carport unterstellen“, beschreibt Kirsten Wolke. „Oder bei den Hühnern - unter dem Motto ‚Singen im Hühnerstall‘“, meint sie und lacht.

Gesungen wird vom Blatt.

Gesungen wird vom Blatt. © Schaper

Das Prinzip des gemeinsamen Online-Singens hat Kirsten Wolke auch bei anderen Chören angewandt. So zum Beispiel bei den Teenclouds, ihrem Jugendchor. „Da klappte es sehr gut.“ Bei den Wolkenkindern dagegen funktioniert das nicht. Für die Kinder war das Singen am PC zu abstrakt. Inzwischen proben aber auch diese Chöre in Gärten.

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