Einkaufen am Brackeler Hellweg zwischen Verunsicherung und Ansteckungsgefahr

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Restaurants müssen eher schließen, einige Geschäfte ganz - und Kunden bleiben weg: Probleme, mit denen Brackels Geschäftswelt zu kämpfen hat. Aber es gibt auch Hoffnung.

von Tobias Weskamp

Brackel

, 17.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ruhig ist es teilweise am und um den Brackeler Hellweg. Händler, Dienstleister, Gastronomen und Handwerker - alle spüren die Auswirkungen der derzeitigen Krise. Durch die Corona-Einschränkungen müssen sie mit deutlichen Einbußen rechnen.

Probleme für die Gastronomie

„Vor allem die Gastronomie ist stark betroffen“, bedauert Hendrik Köster, Geschäftsführer des Brackeler Gewerbevereins. Einige können wohl nicht öffnen. Er selbst hat noch Glück: Da er Arzneimittel verkauft, darf die Köster und Bömcke Service GmbH an der Hengsener Straße 10 weiter geöffnet haben.

Auf dem Brackeler Hellweg ist teilweise weniger los als sonst.

Auf dem Brackeler Hellweg ist teilweise weniger los als sonst. © Schaper

Aktuell wird diskutiert, wie Bundesrepublik und EU Gewerbetreibende bei wirtschaftlichen Problemen helfen können. „Ich weiß aus Erfahrung, dass dies oft schwierig sein kann“, befürchtet Köster. Dabei kann schnelle Hilfe wichtig sein. „Die Pacht etwa läuft ja weiter“, sagt Köster.

Verunsicherung bei Kunden und Gewerbetreibenden

Die Gewerbetreibenden in Brackel machen sich Sorgen. „Ich muss mein Geschäft am Mittwoch wohl schließen“, bedauert Susanne Harde von der Arthurium Blumenbinderei am Brackeler Hellweg 140. Schon am Dienstag kamen bedeutend weniger Kunden. Und Firmenkunden sagen Aufträge ab. „Das erwischt uns kalt.“

Auch Augenoptik Reinecke merkt den Unterschied. „Es kommen hauptsächlich Laufkunden“, sagt Mitinhaber Jörg Reinecke. „Auch wir merken den Rücklauf.“ Wegen der möglichen Ansteckungsgefahr werden Brillen und Messgeräte regelmäßig desinfiziert.

Aufträge gehen teilweise zurück

Bei der Tischlerei Jäger hat man das Gefühl, dass die Anrufe etwas zurückgegangen sind. „Es kommen aber auch neue Aufträge – wie etwa Spuckschutze in Apotheken – die sonst weniger sind“, sagt Inhaber Jörg Jäger.

Geschäfte wie die Parfümerie Borgmann haben zu.

Geschäfte wie die Parfümerie Borgmann haben zu. © Schaper

„Viele wühlen unnötig in Angeboten, anstatt wegen der Ansteckungsgefahr besser aufzupassen“, ärgert sich Frank Wahl vom Fischrestaurant Wahl Fisch. Andererseits ist das Thema Corona bei vielen Kunden präsent, so Reinecke. „Trotzdem sind oft gerade Ältere unterwegs, die ja zur Risikogruppe gehören.“

Das „Wahl Fisch“ muss ab sofort bereits um 15 Uhr schließen. „Dass Restaurants nicht komplett schließen sollen, zeigt, dass der Staat unseren Versorgungsauftrag erkannt hat“, so Wahl.

Auch das Play-In am Brackeler Hellweg hat zu und informiert seine Kunden.

Auch das Play-In am Brackeler Hellweg hat zu und informiert seine Kunden. © Schaper

Wie lange es Waren gibt, ist fraglich

Auch der Brackeler Gewerbeverein hat bis zum 19. April alle seine Termine abgesagt. Dazu gehört unter anderem auch die Jahreshauptversammlung, wie Köster erklärt. Bei den Beiträgen will der Verein seinen Mitgliedern entgegenkommen.

Auch auf dem Großmarkt spüre man die allgemeine Stimmung, berichtet Susanne Harde. „Bis Ende der Woche gibt es noch Blumen, aber dann...?“ Auch Jäger fragt sich, wie lange er noch alle Materialien bekommt. Bei Wahl ist es ähnlich: „Fisch verdirbt nun mal schnell. Die Kühlkette muss lückenlos sein.“

Wenige Kunden kommen noch in die Arthurium Blumenbinderei.

Wenige Kunden kommen noch in die Arthurium Blumenbinderei. © Schaper

Trotz der Krise hofft der Einzelhandel weiter auf Kunden. Praktisch alle Geschäfte können Bestellungen annehmen, entweder per Telefon oder per E-Mail. „Solange Fleurop noch liefert, solange können die Kunden bei uns bestellen“, erklärt Susanne Harde. Auch bei Augenoptik Reinecke sind Onlinebestellungen möglich.

Oft fehlt es an Infos

Bemängelt wird teilweise das Fehlen von Informationen. „Der Fachverband ist schwer zu erreichen“, bedauert Susanne Harde. Wahl sieht es ähnlich. „Die Infos dringen nicht zu uns durch.“ Vieles sei schwammig formuliert, findet Reinecke. Für ihn ist noch nicht abschätzbar, wie viel Personal er in der nächsten Zeit beschäftigen kann.

Wahl fände ein generelles behördliches Schließen von Restaurants besser: „Erst dann gibt es Anspruch auf Gewinnverluste.“ 19 Prozent Mehrwertsteuer seien derzeit nicht zu erwirtschaften.

Aber es könnte auch positive Effekte geben. „Ich hoffe, dass wir daraus lernen, nicht immer nur ans Konsumieren, sondern auch mal daran zu denken, den Nachbarn zu helfen“, sagt Wahl.

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