Brücken-Sperrung: Ein absehbares Desaster auf dem Rücken der Bürger

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Die Sperrung der wichtigen Verbindung im Dortmunder Norden war absehbar. Jahrelang haben Bund und Stadt einen Neubau vor sich hergeschoben. Den Preis zahlen die Menschen. Und es bleiben Fragen.

Schwieringhausen, Mengede, Holthausen

, 20.09.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nun ist das Kind also in den Brunnen gefallen. Gott sei Dank nicht in den Dortmund-Ems-Kanal. Die Rede ist von der Schwieringhauser Brücke. Risse im Schutzlack deuten auf Risse in der Stahlkonstruktion hin. Die Statik muss überprüft werden.

Konsequenz: Die Brücke ist für den motorisierten Verkehr gesperrt. Wie lange, mag selbst das Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt (WSA) als Besitzer nicht sagen. Ob die Fachwerkbrücke je wieder für den Verkehr geöffnet wird, darf bezweifelt werden. Ein absehbares Desaster erreicht seinen vorläufigen Höhepunkt.

Um es klar zu sagen: Es geht nicht allein um eine unbedeutende Kanalquerung nahe einer kleinen Siedlung. „Eine Verbindung nach Schwieringhausen kann man nicht ersetzen“, erklärte Planungsdezernent Wilde 2019.

Warum war die Brücke nicht für Lkw gesperrt?

Mehr noch: Eine wichtige Buslinie fährt über die Brücke. Autofahrer brauchen die Brücke für den Einkauf im Mengeder Zentrum, Kinder für ihren Schulweg, alle Generationen, um soziale Kontakte zu pflegen.

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Allerdings: Auch Fahrer von schweren Lastzügen fahren darüber. Sie haben der ohnehin baufälligen Brücke womöglich endgültig den Garaus gemacht.

Fragen stellen sich: Warum durften die Muldenkipper hier eigentlich herfahren? Warum wurde billigend in Kauf genommen, dass Brücke und Straße weiter beschädigt wurden? Welche Interessen waren da im Spiel? Das kann vor allem die Dortmunder Stadtverwaltung beantworten. Und sie muss es tun!

Sprachlos macht die Ignoranz, mit der WSA und städtische Verwaltung den Verfall der Brücke und ihrer zuführenden Straßen behandelt haben – über Jahrzehnte.

Schifffahrtsamt hat wichtigere Prioritäten

Für das Schifffahrtsamt gäbe es wichtigere Projekte in der Prioritätenliste, erklärte Oliver Jaswetz als Brücken-Verantwortlicher vor zwei Jahren. Eine Sanierung anstelle eines Neubaus habe die Behörde gar nicht auf dem Plan, sagte sein damaliger Chef, WSA-Leiter Volker Schlüter, 2019.

Als die Denkmalbehörden die Brücke unter Denkmalschutz stellten, schienen Abriss und Neubau wochenlang in weiter Ferne. Ein Gutachten sollte her. Lösungen wurden aufgezeigt. Wo sind die Ergebnisse?

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Derweil koppelt die Stadt Dortmund über Jahre die Sanierung der Rampen an einen Neubau der Brücke. 2019 kündigt sie vorerst dann doch eine provisorische neue Fahrbahndecke für dieses Jahr an. Passiert ist noch nichts.

Kaum mehr erträglich ist die Unfähigkeit zur Kommunikation zwischen Bundesbehörde WSA und der Stadt. Geradezu nonchalant erklärt das Schifffahrtsamt 2018: „Die Stadt ist bis jetzt noch nicht auf uns zugekommen. Wir sind auch noch nicht auf die Stadt zugegangen.“ Punkt. So einfach ist die Erklärung. Geht‘s noch?

Leidtragende sind die Schwieringhauser

Leidtragende sind die Verkehrsteilnehmer und die Schwieringhauser Bürger. Seit Jahren schon – jetzt endgültig. Der ganze Irrsinn rund um den Neubau der Brücke, die Sanierung der Straße und die nun erfolgte Sperrung zeigt sich in den Folgen.

Nur ein Beispiel: die Buslinie 473. Sie muss an der Haltestelle Marksweg wenden und einen Umweg über Ellinghausen fahren. Die Busse haben Verspätung. Um überhaupt einigermaßen im Takt zu bleiben, endet die Linie bis auf weiteres am Lindenhorster Friedhof. Von da an führt DSW 21 die Buslinie per Taxi bis zur Bayerischen Straße weiter. Wer bezahlt das eigentlich? Und wie lange?

Brücke wie Straße: Das jahrzehntelange Nichtstun mutiert mittlerweile zu einem Skandal. Nur ein Zufall, aber pikant: Die Sperrung ist genau zwischen den Kommunalwahl-Tagen unausweichlich. Eine Unzeit oder gerade zur richtigen Zeit?

Das Desaster um das Denkmal Schwieringhauser Brücke ist ein weithin sichtbares Symbol für die Arbeit von zwei Verwaltungen. Damit muss im Sinne der Menschen Schluss sein. Ein für alle Male. Hier geht es so nicht mehr weiter!

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