Abschiebung nach Albanien: Wie ein Dortmunder um seine neue Familie kämpft

rnDeutsch-Albanische Familie

Der Aufenthalt von Elisa und ihren Kindern in Dortmund schien gesichert, die Hochzeit mit ihrem Freund war fest geplant. Doch dann kam die Abschiebung. Ihr Partner gibt nicht auf.

Dortmund

, 12.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Als Nico Engelkamp und Elisa Dollapaj (Name geändert) endlich heiraten können, sind sie in einer kleinen Stadt in Albanien. Die Hochzeit ist ein kurzer Termin im Rathaus. Eine Angestellte fragt die zwei, ob sie heiraten möchten. Dann die Unterschriften, Nico und Elisa tauschen Ringe aus. Dabei sind nur Elisas drei Kinder und Elisas Mutter. „Eine richtige Hochzeit mit feierlicher Trauung war das nicht“, erzählt Nico.

Aber das ist Nico und Elisa in diesem Moment egal. Die Heirat ist der nächste Schritt im Versuch des Paares, sich eine gemeinsame Zukunft in Dortmund aufzubauen.

Eigentlich wollten die zwei schon vor Wochen in Dortmund heiraten. Doch bevor die Pläne konkret werden konnten, bevor das Standesamt die Erlaubnis zur Heirat gab, waren Elisa und ihre Kinder abgeschoben worden. Am Morgen des 11. Juli wurden die vier von der Polizei abgeholt und zum Flughafen Düsseldorf gebracht, von da aus ging es nach Albanien. Ein Vermerk in ihren Pässen besagt seitdem, dass die Familie erst in zweieinhalb Jahren wieder nach Deutschland einreisen darf.

Die Familie flieht vor dem gewalttätigen Vater

Elisa und ihre Kinder kamen 2014 nach Deutschland. Die vier flohen wohl vor Elisas Ex-Freund, dem Vater der Kinder, vor seinen Schlägen und vor den Schlägen jener, denen der Vater Geld schuldete. Der Asylantrag der Familie wurde 2016 abgelehnt. Die Familie reiste damals freiwillig aus.

Aus Angst vor dem gewalttätigen Ex-Freund und Vater kamen die Dollapajs jedoch wieder – und stellten einen erneuten Antrag auf Asyl, einen sogenannten Folgeantrag. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lehnte ihn erneut ab.

Engelkamp war bereit, finanziell für seine Familie zu sorgen

Monate vor der zweiten Ablehnung lernt Elisa Nico Engelkamp kennen. Der 30-jährige DHL-Mitarbeiter aus Asseln engagiert sich in der Flüchtlingshilfe, im Sommer 2018 organisierte er in der Flüchtlingsunterkunft Am Ostpark Fußballspiele für die Kinder. Einer von Elisas Söhnen spielte mit ihm Fußball, über ihn lernte Engelkamp Elisa kennen, berichtet er.

Elisa und Nico verliebten sich, seit Herbst 2018 sind sie ein Paar. Die junge Frau und die Kinder zogen aus ihrer inzwischen bezogenen Sozialwohnung in Lanstrop zu Nico nach Asseln.

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Nico Engelkamp und Elisa Dollapaj (Name geändert) sind seit Herbst 2018 ein Paar. © privat

Als sie im Februar den Bescheid erhielten, dass der erneute Asylantrag der Familie abgelehnt wurde, entschieden die zwei, zu heiraten. „Bevor meine große Liebe dann weg ist, gehe ich den Schritt zur Hochzeit“, habe er sich damals gedacht, sagt Nico. Die Kinder wollte er adoptieren, er sei bereit und in der Lage, finanziell für die Familie zu sorgen.

Bevor alle Dokumente geprüft waren, kam die Abschiebung

Doch eine internationale Eheschließung ist keine einfache Angelegenheit: Der bürokratische Aufwand ist groß. Unter anderem müssen beide Partner nachweisen, dass sie noch nicht verheiratet sind. Nach eigenen Angaben war Elisa nie mit ihrem Ex-Freund verheiratet - doch das Dortmunder Standesamt bezweifelte das. Noch bevor die Prüfung der entsprechenden Dokumente abgeschlossen war, kam der Abschiebe-Bescheid. Elisa und ihre Kinder mussten das Land verlassen.

Also reiste Nico Engelkamp vor etwas mehr als zwei Wochen nach Albanien. Hier war die Heirat kein Problem. Daran, dass Elisa ledig ist, zweifelten die albanischen Behörden nicht. Wegen der Einreisesperre reiste Nico dennoch ohne seine Ehefrau nach Hause zurück.

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Nico Engelkamp mit Elisas Söhnen. © privat

Nico Engelkamp und Elisa Dollapaj haben den Anwalt Klaus Pampus hinzugeogen. Der ist spezialisiert auf Asylrechtsfragen und sagt, es gebe eine Möglichkeit, die Dauer des Einreisevebots zu verkürzen. Dabei sei die Familie jedoch auf das Wohlwollen der Stadt angewiesen, erklärt er: „Die Stadt könnte aus humanitären Gründen entscheiden, die Einreisesperre aufzuheben.“ Dafür möchte Pampus nun das Gespräch mit der Ausländerbehörde suchen.

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