Das Laden klappt nicht, und der Kundendienst kann nicht wirklich helfen: So ging es E-Autofahrer Mario Krüger häufig. © RN
E-Mobilität

Bürger sauer: Ladelaternen fallen aus – oder Parkplätze sind besetzt

Funktioniert sie oder funktioniert sie nicht? Für Mario Krüger aus Hörde ist der Ladevorgang an einer E-Laterne längst zum Glücksspiel geworden. Nicht das einzige, das den Tesla-Fahrer ärgert.

Seit rund zwei Jahren fährt Mario Krüger einen Tesla mit Stromantrieb. Mangels einer eigenen Ladestation in der Garage ist er überwiegend auf öffentliche Ladesäulen angewiesen. Eigentlich kein Problem, sollte man meinen: In seinem unmittelbaren Wohnumfeld rund um die Seydlitzstraße in Hörde sind inzwischen sechs Laternen zu E-Ladelaternen für Stromfahrer ausgebaut worden. Das Problem: „Mal funktionieren sie, mal wieder nicht“, ärgert sich Krüger.

Er habe in den zurückliegenden Wochen „zehn bis 15 Versuche gestartet“. Und am Ende entnervt aufgegeben. „Entweder bekommt man keine Verbindung oder der Ladevorgang klappt nicht“, sagt Krüger. Auch Anrufe beim Service-Dienst von Dortmunder Energie und Wasser (DEW21) würden nicht weiterhelfen. „So geht das seit ungefähr Anfang Oktober.“

Eigenen Angaben zufolge betreibt DEW in Dortmund aktuell 20 herkömmliche Ladesäulen für Elektro-Autos. Darüber hinaus sind inzwischen auch 144 Straßenlaternen mit Ladegeräten für Stromer ausgerüstet. Es handelt sich also um zwei verschiedene Systeme. Die E-Laternen sind Teil des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „NOX-Block“.

DEW kennt das Problem auch aus anderen Stadtteilen

Mit dem wollen Dortmund und weitere Städte im Verbund mit ihren lokalen Energieversorgern die E-Mobilität fördern und die Belastung der Luft mit Stickoxiden verringern. So weit, so gut. Doch offenbar macht die Technik mehr Mucken als geplant. Und das nicht nur in Hörde. Wie viel Kunden über ähnliche Erfahrungen berichtet haben, lässt DEW zwar offen. Es sei aber bekannt, dass es „teilweise zu Ladeschwierigkeiten kommt – unter anderem in Hörde“, heißt es bei DEW auf Anfrage.

Obschon das Kabel eingesteckt ist, leuchtet die Diode grün und zeigt „frei“ an. © RN © RN

Es komme vor, dass sich keine Verbindung zur Ladestation herstellen lasse, lautet die Diagnose zum Fall in Hörde. Die Ursache sei ein technisches Verbindungsproblem zwischen den Wallboxen und dem Hintergrundsystem („Backendsystem“). „Wir arbeiten auf Hochtouren an einer Lösung“, sagt DEW.

Zwischendurch habe man die Ladepunkte in den Schnittstellen der betroffenen Ladesäulen ausgeschaltet. Da die Ladesäulen aber mit einem Signalempfänger (dem Direct Payment-Aufkleber) versehen seien, sei dort zwar weiterhin ein Startversuch möglich – „der allerdings in jedem Fall zu einem Abbruch führt“, wie DEW sagt. Was E-Fahrer Krüger bislang bestätigen konnte.

„Technik steckt teilweise noch in den Kinderschuhen“

Zu seiner großen Überraschung hat es aber am Montag (29.11.), Tage nach seiner Reklamation, plötzlich wieder funktioniert. Zumindest in Hörde. DEW hat reagiert. Eine Gewähr, dass es auf Dauer so bleibt, mag der Energieversorger freilich nicht geben. Der „NOX-Block“ sei ein Forschungs- und Pilotprojekt, sagt DEW. „Da die Technik teilweise noch in den Kinderschuhen steckt, kann es mitunter zu Problemen kommen.“ Bis Ende 2022 will DEW in Dortmund insgesamt 320 Laternen mit E-Ladegeräten versehen.

Neben dem Ausfall der Geräte hat Krüger einen weiteren Knackpunkt ausgemacht. Und über den schimpfen auch andere Bürger: Sind die Ladepunkte mal betriebsbereit, kommt Krüger mit seinem Tesla kaum dran – weil die Laternen von Autos mit herkömmlichen Antrieben stets zugeparkt seien. „Oft reicht dann nicht mal ein Fünf-Meter-Kabel“, ärgert sich Krüger.

Die Plätze an den Ladelaternen sind zwar gekennzeichnet. Dennoch darf jeder dort seinen Wagen abstellen. © RN © RN

Problem aus Sicht eines E-Autofahrers: Parken an Ladelaternen ist auch Benzinern oder Dieselautos erlaubt. Ganz im Gegensatz zu Stellplätzen an den herkömmlichen Ladesäulen: Die sind beschildert und ausdrücklich E- bzw. Hybridautos vorbehalten. Dort greift auch das Ordnungsamt ein.

Parkplatz-Reservierung an E-Laternen: Stadt denkt jetzt um

Bei den E-Laternen ist das anders. Zuständig dafür ist die Stadt Dortmund – sie ist Eigentümerin der Laternen und auch für die Gestaltung der Parkplatzlage verantwortlich. Sie hatte bereits in der Vergangenheit bei gleichen Beschwerden weiterer Bürger deutlich gemacht: Während der Projektlaufzeit sei vorerst keine Parkplatz-Reservierung vorgesehen.

Fast überall das gleiche Bild: Die Ladepunkte an den Laternen sind zugeparkt. © RN © RN

Man werde „die Auslastung der Ladeinfrastruktur und die Nutzung der Parkplätze beobachten“, hieß es im August. Inzwischen aber scheint die Stadt umzudenken: Wie die Verwaltung auf Anfrage mitteilt, sollen bald „bis zu 20 Prozent“ der Parkplätze an Ladelaternen eben doch als E-Ladestationen markiert werden können. Ein entsprechender Vorschlag für die politischen Gremien sei in Arbeit.

Tesla-Fahrer Krüger ist gespannt. Er vergleiche die Situation mit einem Autofahrer, „der an der Tankstelle sieht, dass alle Zapfsäulen zugeparkt sind, zur nächsten Tankstelle fährt und dort feststellt, dass das Bezahlsystem nicht funktioniert.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
Zur Autorenseite
Avatar

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.