Bund pumpt über 100 Millionen Euro in Dortmunds Straßen

Bundesverkehrswegeplan

Auf den B1-Tunnel müssen die Dortmunder wahrscheinlich noch lange warten, dafür winken der Stadt an anderen Stellen Investitionen von über 100 Millionen Euro: Was hat Dortmund vom Entwurf des Bundesverkehrswegeplans und was nicht? Wir sind den wichtigsten Fragen nachgegangen.

DORTMUND

, 18.03.2016, 03:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Tunnel Berghofen an der B236.

Der Tunnel Berghofen an der B236.

Welche Folgen hat die Abstufung des B1-Tunnels vom vordringlichen in den weiteren Bedarf? Werden die Vorbereitungen für die neue Planfeststellung nun zu den Akten gelegt?

Das ist zu befürchten. „Grundsätzlich gilt, dass für Projekte des ‚weiteren Bedarfs‘ kein Planungsauftrag des Bundes vorliegt“, erklärte am Donnerstag ein Sprecher des NRW-Verkehrsministeriums auf Anfrage. Er verweist aber auch darauf, dass der Plan erst im Entwurf vorliegt. Es bleibe abzuwarten, ob die Einstufung nach weiteren Beratungen Bestand habe.

Wie zuvor die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann kündigen auch die CDU-Bundestagsabgeordneten Steffen Kanitz und Thorsten Hoffmann an, in Berlin weiter für den B1-Tunnel zu kämpfen. „Im parlamentarischen Beratungsverfahren setzen wir uns für eine Höherstufung der B 1 in den weiteren Bedarf mit Planungsrecht ein“, erklärten sie am Donnerstag.

Wie ist der Planungsstand in Sachen B1-Tunnel?

Es wird noch immer an einem Verkehrsgutachten gearbeitet, das Grundlage für weitere Planungen und andere Gutachten etwa zum Thema Lärm ist. Eigentlich sollten die Ergebnisse schon 2013 vorlegen. Grund für die Verzögerung sei die „Komplexität des Gutachtens“, heißt es auf Nachfrage.

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Welche Dortmunder Projekte stehen noch als vordringlich auf der Liste des Bundes?

Fest eingeplant ist der vierspurige Weiterbau der B 236 vom Tunnel Berghofen bis zum Anschluss an die Autobahn 1. Die zwei Kilometer lange Strecke auf Schwerter Stadtgebiet kostet rund 16 Millionen Euro.

Ebenfalls weit gediehen ist die Planung für den sechsspurigen Ausbau der A 1 zur A 40 von der B 236 bis zum Kreuz Dortmund/Unna. Nachdem es zuletzt noch ein Verfahren zum Thema Lärmschutz gegeben hatte, ist mit der Plangenehmigung in den nächsten Monaten zu rechnen. Die 9,5 Kilometer lange Strecke kostet rund 96,6 Millionen Euro.

Warum tauchen plötzlich der Ausbau der A 40 im Westen von Dortmund und der A 45 im Nordwesten als vordringlicher Bedarf im Plan des Bundes auf?

Das Bundesverkehrsministerium hat sich vorgenommen, vor allem Engstellen im Autobahnnetz zu beseitigen. Dazu gehören diese Strecken – wie man aus den Staumeldungen weiß. Das Land hatte die Strecken bislang nur im weiteren Bedarf. Das heißt, dass hier jetzt die Ausbauplanung beschleunigt werden muss. Bislang liegen dazu noch keine Planungen vor, erklärte das NRW-Verkehrsministerium auf Nachfrage.

Dass die Strecken ausgebaut werden soll, begrüßt die Dortmunder Industrie- und Handelskammer (IHK) ausdrücklich. Umso schärfer fällt die Kritik an der Herabstufung des B1-Tunnels aus. Denn damit könnten sich die Verkehrsprobleme in Dortmund noch verschärfen, befürchtet IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber. 

„Wenn im Osten und Westen die Autobahn A40 zwar sechsspurig ausgebaut, der B1-Tunnel aber nicht wie geplant gebaut wird, werden die Autofahrer auf dem Dortmunder Teilstück im Stadtgebiet ausgebremst. Ohne den B1-Tunnel führt der Bund seine eigenen Ziele, Engpässe vordringlich zu beseitigen, ad absurdum", sagte Schreiber am Donnerstag.

Welche Dortmunder Projekte gibt es im weiteren Bedarf?

Neben dem B1-Tunnel taucht dort auch der Ausbau der A 45 zwischen Dortmund-Süd und Dortmund-West auf. Die Kosten für die 9,4 Kilometer lange Strecke werden mit 118,4 Millionen Euro beziffert.

Ist der Plan schon endgültig? 

Nein. Zum ersten Mal gibt es sogar eine Bürgerbeteiligung. Ab Montag kann man den Entwurf sechs Wochen lang einsehen (per Internet unter www.bvwp2030.de) und Bedenken und Anregungen geltend machen. Dazu rufen ausdrücklich auch die Dortmunder Bundestagsabgeordneten, die IHK und die Bürgerinitiative der B1-Anlieger auf. 

Danach soll das überarbeitete Konzept bis Ende des Jahres politisch beraten und vom Bundeskabinett beschlossen werden. 

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