BVB-Anschlag: Sergej W. steht ab Dezember vor Gericht

Prozessbeginn steht fest

Über 18.000 Seiten Ermittlungsergebnisse wurden nach dem Anschlag auf den BVB-Bus im April 2017 zusammengetragen. Das Bild, das die Anklage von dem Tatverdächtigen zeichnet, ist das eines kaltblütigen Täters. Im Dezember muss sich Sergej W. jetzt vor dem Landgericht Dortmund verantworten.

von Michelle Goddemeier, Tobias Grossekemper

DORTMUND

, 10.11.2017, 14:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Anschlag: Sergej W. steht ab Dezember vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft hat wegen des Sprengstoff-Anschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am 11. April Anklage gegen den 28-Jährigen Sergej W. erhoben. © picture alliance/Marcel Kusch

Mit einem Beschluss vom 2. November hat das Schwurgericht des Landgerichts Dortmund die Anklage gegen den BVB-Bomber Sergej W. zur Hauptverhandlung zugelassen. Die Verhandlung beginnt am Donnerstag, 21.12.2017, um 12 Uhr.

Dem Angeklagten werden versuchter Mord in 28 Fällen und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen.

Für Fans und Mannschaft war es ein Schock: Am 11. April explodierten bei der Abfahrt vom Team-Hotel „L’Arivée“ in Dortmund Höchsten drei Sprengsätze direkt neben dem BVB-Bus. Die Vorwürfe gegen den Angeklagten haben es in sich: W. soll rund 25.000 Euro geliehenes Geld auf einen starken Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt haben.

Um diesen Kursverlust zu erreichen, hat W.nach Informationen der Ermittler drei Bomben ferngezündet – Spieler sollten verletzt oder getötet werden, die Aktie sollte abstürzen und W. zu einem bis zu 500.000 Euro reicheren Mann machen.

Anschlag auf BVB-Bus war für Sergej W. ein Misserfolg

Gegen 19.15 Uhr detonierten am 11. April die drei Sprengsätze, der Bus fuhr noch einige Meter weiter und kam dann zum Stehen. Ein Polizist und ein Fußballspieler waren verletzt, die Mannschaft stand unter Schock und doch hätte die Tat noch verheerender ausfallen können: Der in der Mitte platzierte Sprengsatz war in einem Meter Höhe angebracht, die in Epoxidharz eingegossenen Metallbolzen flogen über den Bus hinweg und bis zu 250 Meter weit. W. soll die Sprengsätze vom Badezimmerfenster seines Hotelzimmers aus gezündet haben.

So zynisch sich das auch anhört: Aus Sicht des Täters war der Anschlag ein Misserfolg, da nicht ausreichend Spieler verletzt worden waren, um den Aktienkurs des BVB abstürzen zu lassen. W. ging nach der Tat kurz aus dem Hotel, am nächsten Tag war er noch bei einem Massagetermin und wurde, wie die anderen Hotelgäste auch, noch vernommen. Einen unauffälligen Eindruck soll er dabei gemacht haben.

Ermittler: BVB-Bomber plante weitere Anschläge

Zehn Tage nach der Tat wurde W. verhaftet, die auffällig hohen Summen, die er auf einen Kurseinbruch gesetzt hatte, wurden ihm letztlich zum Verhängnis. Bereits am Tag nach der Tat gab es Zeugenhinweise auf sehr ungewöhnliche Transaktionen.

Und doch schien W. an dem Modell Gefallen gefunden zu haben: Im Internet recherchierte er wenige Tage nach der Tat etwa zu Seilbahnen, die als Aktiengesellschaften operieren. Die Ermittler glauben, dass W. bereits ein neues Ziel suchte, dessen Aktienkurs er durch einen Anschlag einbrechen lassen könnte.

Weitere Gerichtstermine Folgetermine sind zunächst für den 08.01.2018, 22.01.2018, 25.01.2018, 29.01.2018,02.02.2018, 05.02.20418, 22.02.20148, 28.02.2018, 12.03.2018, 13.03.2018,14.03.2018, 15.03.20418, 19.03.2018, 20.03.2018, 21.03.2018, 22.03.2018 und 28.03.2018 geplant.
Lesen Sie jetzt
Detaillierte Ermittlungsakten
Anschlag auf BVB-Bus: Bomben am Hotel gebaut

Über 18.000 Seiten Ermittlungsergebnisse wurden nach dem Anschlag auf den BVB-Bus im April 2017 zusammengetragen. Das Bild, das die Anklage von dem Tatverdächtigen zeichnet, ist das eines extrem kaltblütigen Täters. Von Tobias Grossekemper

Lesen Sie jetzt