BVB-Fans berichten von brutaler Gewalt durch spanische Polizei

Spiel in Sevilla

Eine Woche nach dem Spiel von Borussia Dortmund gegen den FC Sevilla melden sich immer mehr BVB-Fans, die das Vorgehen der spanischen Polizei kritisieren. Diese sie äußerst brutal vorgegangen und habe wahllos zugeschlagen.

DORTMUND/SEVILLA

von Von Tobias Großekemper

, 21.12.2010, 22:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nuri Sahin (l.) und Marcel Schmelzer beim  Spiel gegen den FC Sevilla.

Nuri Sahin (l.) und Marcel Schmelzer beim Spiel gegen den FC Sevilla.

Doch die Stimmen, die etwas anderes bezeugten, wurden mehr, wurden lauter in E-Mails und Foren. Wie Puzzleteile fügten sich die Stimmen zusammen und das Bild, das sie ergeben, zeigt Brutalität und Machtmissbrauch durch die spanische Polizei. Das Bild sieht folgendermaßen aus: Tagsüber herrschte in Sevilla eitel Sonnenschein. Es war eine gelöste Stimmung, heißt es, die umschlug, als die Fans zum Stadion marschierten. Auf ihrem Weg wurden sie von der spanischen Polizei begleitet. Auch der Mann, der sich später in der Zelle wiederfand, war in dem Zug der 3000, auch er berichtet, was alle sagen: Die Polizei habe erst gedrängelt, dann gedroht und schließlich am Stadion zugeschlagen. Mit Schlagstöcken und voller Härte, auf den Kopf und auf den Rumpf der Körper. Es gibt Berichte von Platzwunden, von Brüchen, von Blut, Angst und schließlich Zorn. Er habe es noch ins Stadion geschafft, sagt der Mann, dort einen Schlag ins Gesicht bekommen, dann sei er bewusstlos geworden. Als er wach wurde, blutete er, Polizisten hielten ihn auf den Knien fest, er habe, so sagte man ihm, eine Dose geworfen. „Ich hatte gar keine Dose dabei.“ Er kam auf eine Wache und von dort in die Zelle. „Ich habe mich gefragt“, sagt er heute, „wo ich eigentlich bin. In einem Kellerloch gefangen irgendwo in Südamerika, irgendwo in einer anderen Welt.“

Wie viele Menschen misshandelt wurden, ist unklar. Der BVB hat seine Fans aufgefordert, dem Verein zu schreiben. Über 100 haben sich gemeldet und sie schildern die gleiche Geschichte von einer Gewaltorgie ohne Sinn und Verstand. 16 Fans kamen in Haft, unter ihnen ein 62-Jähriger, und auch ihre Berichte stimmen überein: In Gewahrsam waren sie nicht in Sicherheit, auch hier habe es vereinzelt Schläge gegeben, Drohungen und irgendwann ein Angebot: Hier und jetzt die Unterschrift unter ein Schuldeingeständnis, die Polizei angegriffen zu haben, dafür gebe es 12 Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe. Oder aber 18 Monate Haft und eine höhere Geldstrafe, da müsse aber noch ein Untersuchungsrichter dazu kommen, wann der Zeit habe, könne man nicht sagen, es könne bis nächste Woche dauern. Alle unterschrieben das erste Angebot. Auch der Mann, der sich irgendwo in einem schlechten Film in Südamerika wähnte und doch nur in Spanien war. Die Verstörung in seiner Stimme war auch am Dienstag noch zu hören. Er ist, das ist eine Woche später klar, einer von vielen, die auszogen zu einem schwarz-gelben Fußballfest und grün und blau geschlagen zurückkehrten.

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