BVB-Hooligans "0231 Riot" geben Auflösung bekannt

Offener Brief

Extrem gewaltbereit, gefährlich und in einigen Fällen auch rechtsradikal - "0231 Riot" ist die berüchtigste Hooligangruppe im Umfeld des BVB. Doch am Dienstag gab die Gruppe in einem Brief überraschend ihre Auflösung bekannt. Zu den Beweggründen wollte sich die Gruppe nicht äußern.

DORTMUND

, 25.07.2017, 15:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Südtribüne.

Die Südtribüne.

Die Hooligans schickten den Brief nach Informationen unserer Redaktion am Dienstag unter anderem an den BVB. Identische Schreiben gingen unter anderem an die Polizei, das Landeskriminalamt und an die Faszination Fankurve, die zuerst berichteten.

Die Gruppe, die oft auch nur "Riots" genannt wird, gibt es seit 2015. Sie tritt kampferprobt, bedrohlich und einschüchternd auf. Die Gruppe wurde von Szenekennern bereits früh als eine Art „Bad Bank“ der Dortmunder Ultraszene bezeichnet. Die "0231 Riot"-Mitglieder spalteten sich aus verschiedenen anderen Ultra-Gruppierungen ab. Dem Vernehmen nach, da ihnen die anderen Gruppen „zu lasch“ geworden waren.

Antisemitische Lieder und Stadionverbote

Auf der Südtribüne besetzte die Gruppe mit ihrem dominanten Auftreten einen Teil des Blocks 13. Ein Dauerkarteninhaber beschrieb damals den Auftritt der Hooligans wie folgt: „Die besetzten einfach diesen Teil der Tribüne, diskutieren konnte man mit denen nicht.“ Der Auftritt der Gruppe war martialisch, ihr Ruf dementsprechend, zumal Verbindungen sowohl in die rechte als auch in die Kampfsportszene fließend waren. So fiel die Gruppe im Mai 2016 auf, als Mitglieder auf dem Weg zum DFB-Pokalfinale in Berlin antisemitische Lieder in einem Zug sangen. 

Aus dem Signal Iduna Park verschwand die Gruppe dann nach einem Auswärtsspiel des BVB in Darmstadt im Februar 2017. Auf dem Weg zum Spiel war ein Bus, in dem auch Mitglieder der Gruppe unterwegs waren, von der Polizei überprüft worden. Bengalos, Sturmhauben, Schmerzmittel wurden gefunden. 88 Menschen bekamen Stadionverbote vom DFB, gleichzeitig begannen die Ermittlungen gegen die Gruppe, um ein Vereinsverbot zu erwirken.

Hausdurchsuchungen bei Riot-Mitgliedern

Dann, am 9. Mai, durchsuchte die Polizei die Wohnungen von vier Mitgliedern der Gruppe. Der damalige NRW-Innenminister Ralf Jäger äußerte sich seinerzeit wie folgt: „Für Gewaltjunkies, die andere einschüchtern, bedrohen und schlagen, ist in unserer Gesellschaft kein Platz. Der Staat zieht alle Register, damit der Fußball nicht von Schlägern tyrannisiert wird.“ Über 50 Menschen, so das Innenministerium damals, seien Teil der Gruppe. Ob die Hooligangruppierung tatsächlich so groß war, ist unklar. Die Übergänge waren fließend, eine Mitgliederliste existierte selbstverständlich auch nicht.  

Sichergestellt wurden bei den Durchsuchungen damals eine Schreckschusspistole, Sturmhauben, Baseballschläger, Zahnschutz und Quarzsandhandschuhe sowie Laptops und Smartphones. „Laptops und Smartphones waren für das noch laufende Verfahren entscheidend“, so ein Innenministeriumssprecher am Dienstag auf Anfrage.

BVB und Behörden wollen Echtheit des Schreibens überprüfen

Jetzt müsse man einerseits die Echtheit des Schreibens prüfen. Und andererseits eruieren, ob es sich dabei um ein Lippenbekenntnis handelt. „Wem wäre geholfen, wenn sich die Mitglieder oder ein Teil von ihnen jetzt einfach weitertreffen?“, fragt sich der Ministeriumssprecher. Und sagt aber auch: Sollten sich tatsächlich keine Hinweise auf ein Weiterbestehen des Vereins oder von Teilen von ihm finden, hätte sich ein Vereinsverbotsverfahren damit erledigt.

Auch Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange reagierte abwartend auf die Auflösungs-Ankündigung, deren Echtheit man prüfen müsse: "Was wir jetzt vorliegen haben, sind Worte. Was wir jedoch brauchen, sind Fakten. Deshalb werden wir sehr genau beobachten, was in der kommenden Bundesliga-Saison tatsächlich in den Stadien und im Umfeld geschieht. Daran werden wir unsere weiteren Maßnahmen ausrichten." Man habe in den vergangenen Monaten "großen Druck auf diese Gruppierung aufgebaut" und beispielsweise durch harte Meldeauflagen verhindert, dass Riots-Mitglieder erneut zum Pokalfinale nach Berlin fahren.

Der BVB wollte sich zu dem Thema noch nicht äußern, bestätigte aber den Eingang eines entsprechenden Schreibens am Dienstag. Man müsse, hieß es von Seiten des Vereins, das Schreiben prüfen und die kommenden Monate abwarten.

Über die Gründe soll sich Presse "das Maul zerreißen"

Keine schlechte Entscheidung, denn: Ob sich die Gruppe jetzt aufgelöst hat, um einem drohenden Vereinsverbot zu entgehen, ob es Streit in der Gruppe gab, all das ist im Moment unbekannt. In ihrem Auflösungsschreiben steht: „‎Über die genauen Gründe, über die wir uns hier nicht äußern werden, möge sich wie üblich die werte Presselandschaft und die Experten der verschiedenen Fanmagazine das Maul zerreißen.“

Polizeipräsident Lange bleibt in seinem Schlusswort eher sachlich: "Wir werden alle Strafverfahren konsequent weiterführen und die Szene weiterhin sehr aufmerksam beobachten. "

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