BVB-Partner und Chinesisch: Schulleiter geht stolz in Ruhestand

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Generationen von Schülern kennen an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Brackel nur einen Schulleiter: Klaus Zielonka. Zu seinem Abschied in den Ruhestand sprachen wir mit ihm.

Brackel

, 09.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach 28 Jahren an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule - davon 25 Jahre als Schulleiter - geht Klaus Zielonka (65) offiziell Ende November in den Ruhestand. Weil er derzeit krankgeschrieben ist, hat er jedoch schon jetzt seinen Dienst beendet. Lediglich bei der Eröffnung der beiden Dreifachsporthallen vor wenigen Tagen mit Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat er noch einmal die Schule besucht. Wir sprachen mit ihm.

Hallo Herr Zielonka, haben Sie bei dem Gedanken, dass Sie nun gehen, ein Tränchen im Auge?

Nein. Ich habe jede Menge Ideen und Pläne für die Zukunft und weiß, dass es um die Schule gut bestellt ist.

Werden Sie künftig noch als Berater fungieren?

Mit Sicherheit nicht. Ich werde nicht zu den älteren Herren gehören, die ihre Nachfolger nach ihrem Eintritt in den Ruhestand noch nerven, weil sie glauben, alles besser zu wissen. Das habe ich auch im Kollegium ganz klar gesagt.

Wenn Sie auf Ihre lange Zeit an der GSG zurückblicken - was würden Sie als Ihre größten Erfolge ansehen?

Die verschiedenen Profile, die wir eingerichtet haben. Das fing 1999 mit Englisch bilingual an. Damals bin ich dafür belächelt worden. „Dafür hast du gar nicht die Schüler“, hieß es. „Die werden schon kommen“, habe ich geantwortet und recht behalten. Auch die Kollegen hatten Spaß daran. Andere Profile kamen hinzu. „Neue Technologien und Computer“ zum Beispiel. Das fing ganz klein an, indem wir die beiden Computer meines Sohnes Peter und eines Freundes auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt haben. Das hat funktioniert. Hinzu kamen „Mathe Einstein“ und „Naturwissenschaftliches Experimentieren“. Der Höhepunkt war aber wohl, dass wir 2011 unter den letzten sieben oder acht Schulen waren, die für den Deutschen Schulpreis nominiert waren. Das hat uns allen noch mal einen richtigen Schub gegeben. Früher gab‘s doch das Vorurteil, an einer Gesamtschule herrsche sowieso nur Chaos. Dem haben wir entgegengewirkt, und wir haben es widerlegt.

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule an der Haferfeldstraße in Brackel hat einen hervorragenden Beruf. Es gibt Menschen, die behaupten, sie sei besser als manches Gymnasium

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule an der Haferfeldstraße in Brackel hat einen hervorragenden Beruf. Es gibt Menschen, die behaupten, sie sei besser als manches Gymnasium. © Oliver Schaper

Ihnen ist allerdings auch immer vorgehalten worden, Sie würden die Prinzipien der Gesamtschule missachten.

Es stimmt schon: Wir haben immer versucht, die besten Schüler zu uns zu locken. Aber dazu stehe ich. Gerade die Heterogenität, die selbstverständlich auch gute und sehr gute Schüler beinhaltet, ist Voraussetzung für erfolgreiches Lernen.
Damit haben wir im Stadtteil Brackel für alle Kinder ein adäquates Lernangebot geschaffen. Dieses Lernangebot hat im Laufe der Zeit zu einer erhöhten Nachfrage geführt. Diejenigen, die uns kritisiert haben, waren übrigens meist die, die bei uns keinen Platz mehr für ihr Kind bekommen haben.

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Und wie war das mit Chinesisch?

Die Idee ist 2004 bei einem Abendessen der Rotarier entstanden. Es ging darum, dass deutsche Geschäftsleute sich zunehmend in China engagieren. In diesem Kontext habe ich die Frage gestellt: Macht es nicht Sinn, Chinesisch als Fremdsprache an der Schule zu erlernen? Die Dinge nahmen ihren Lauf, obwohl es seitens der Behörden zunächst einige Skeptiker gab. Trotz der Bedenken haben wir Chinesisch in den Jahrgängen 6, 7 und 11 eingeführt und hatten in den Hochzeiten 400 Chinesischlerner. Zu unseren Frühlingsfesten hatten wir mal die chinesische Botschafterin zu Gast. Eine unserer Schülerinnen, die seit einem halben Jahr Chinesisch-Unterricht hatte, hat sich prima mit ihr unterhalten. Das hat mich bestätigt, ungewöhnliche Wege zu gehen. Kinder sind neugierig, unvoreingenommen und lernen schnell.

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen kann man China allerdings auch kritisch sehen.

Ich sehe das sogar extrem kritisch. Es schließt sich allerdings nicht aus, Sprache und interkulturelles Wissen zu vermitteln, um dadurch auch kritisches Bewusstsein zu entwickeln.

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Mir fällt gerade ein, dass ich mal bei Ihnen war, als Sie BVB-Partnerschule geworden sind.

Ja, das ist ein weiterer Punkt, der unser Profil stärkt. Ganz zu Anfang gab es ein paar kleine Probleme mit den BVB-Jungs, weil einige von denen etwas arrogant waren. Das hat sich aber komplett gelegt. Diejenigen, die heute da sind, sind äußert kooperativ und engagiert.

Ich habe Sie vorhin gefragt, was gut gelaufen ist. Was ist denn schlecht gelaufen?
Ich bin weitgehend zufrieden mit dem, wie alles gelaufen ist. Ich wurde ja mit dem Auftrag in die Funktion geschickt, den Riss zu kitten, den es damals im Kollegium gab. Das ist mir, glaube ich, gelungen.

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Sie hatten den Ruf, ein „harter Hund“ zu sein, wie man so sagt.

Ich würde es eher „durchsetzungsfähig“ nennen. Ich hatte Ideen und eine klare Linie, die ich umsetzen wollte. Und ich hatte tolle Kollegen und Schüler, die dabei mitgezogen haben. Wichtig war mir immer, dass das Klima stimmt. Und das ist mir auch gelungen, wenn ich sehe, welche Abschiedsbriefe mir nun die Eltern geschrieben haben. Das war sehr rührend für mich.

Was, denken Sie, ist für Ihre Nachfolger die größte Herausforderung? Die Digitalisierung?

Da sind wir eigentlich schon recht gut aufgestellt. Wir haben Boards in jedem Klassenraum, einen Glasfaseranschluss sowie viele i-Pads und Laptops. Gut wäre, wenn wir noch ein bis drei zusätzliche Stellen hätten, die sich nur darum kümmern. Damit meine ich die technische Wartung und die Schulung des Kollegiums. Momentan haben die Kolleginnen und Kollegen noch zu wenig Unterstützung für das sogenannte Lernen in Distanz. Damit ändern sich auch die Unterrichtsvorbereitung und die Methoden.

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