Zu jedem BVB-Heimspiel bricht ein Parkchaos über mehrere Stadtviertel in Dortmund herein. So kann das nicht weitergehen, findet unser Autor in unserer Meinungskolumne „Klare Kante“.

Dortmund

, 30.11.2019, 05:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ich weiß jetzt, wozu man in einer Großstadt wie Dortmund einen SUV – ein „sporttaugliches Fahrzeug“ – gebrauchen kann. Denn es scheint die Suche nach einem Parkplatz bei BVB-Spielen rund ums Stadion sehr zu erleichtern.

Denn dann werden Gehwege, Grünstreifen, Wiesen, Rabatten, ja selbst begrünte Abhänge am Straßenrand rigoros zugeparkt – übrigens von Fahrzeugen aller Arten und Marken.

Fußgänger- oder Rettungswege spielen keine Rolle

Wer kurz vor Anpfiff durch die Straßen rund um die Bolmke in Barop und Brünninghausen, aber auch in Schönau und im Umfeld der Uni läuft oder fährt, sieht, dass kein Fleckchen vor den Park-Chaoten sicher ist. Und in den ohnehin zugeparkten Wohnstraßen etwa im Kreuzviertel geht gar nichts mehr. Fußgänger- oder Rettungswege spielen keine Rolle.

An Heimspiel-Tagen scheinen die Verkehrsregeln in Sachen Parken außer Kraft gesetzt zu sein. Und es wird immer schlimmer, klagen nicht nur Kreuzviertel-Anwohner.

Mit dem Auto ins Stadion

Die Gründe dafür sind vielfältig. Dass allgemein die Rücksichtslosigkeit zunimmt, könnte eine mögliche Erklärung für das Verhalten mancher Park-Chaoten sein, Man will keinen Meter zu viel laufen. Und mancher würden wohl am liebsten mit dem Auto ins Stadion fahren.

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Neu ist das Parkplatz-Problem rund ums Stadion nicht. Mit dem Ausbau des Stadions in den 1990er-Jahren und vor der WM 2006 wurde bereits über nötige Parkplätze heiß diskutiert. Der BVB wurde unter anderem verpflichtet, neue Parkplätze auf dem Luftbad-Gelände neben dem Stadion anzulegen, die jetzt für die VIP-Gäste genutzt werden. Neue Parkplätze entstanden auch auf dem Areal der Kleingarten-Anlage Ardeyblick, die arg geschrumpft ist.

Seit 2003 fahren außerdem Pendelbusse zwischen den Parkplätzen auf dem Uni-Campus-Nord und dem Stadion – auch das war eine Auflage für den BVB im Rahmen des Stadionausbaus.

Umsteigen auf Bus und Bahn

Nicht zuletzt ist jede Eintrittskarte für ein BVB-Spiel – Dauerkarten eingeschlossen – ein „Kombiticket“. Das heißt, man kann damit Bus und Bahn nutzen. Den Fahrpreis dafür hat man bereits mit dem Kauf der Karte über einen Anteil an den Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) bezahlt.

Und für BVB-Fans, die von außerhalb mit dem Auto anreisen, gibt es an den wichtigen Zufahrtsstraßen Park-and-Ride-Parkplätze zum Umsteigen in die Bahn. Mit der kommt man dann normalerweise in 15 bis 20 Minuten zum Stadion.

In der Formulierung „normalerweise“ liegt der Haken. Denn der Bahnverkehr vor und nach den Spielen ist alles andere als bequem und zuverlässig. Bequem schon deshalb nicht, weil die Bahnen oft überfüllt sind. In einer stickigen Sardinenbüchse zu fahren, ist alles andere als reizvoll.

Zu wenig Stadtbahnen

Das Problem ist bekannt: DSW21 hat schon seit Jahren zu wenig Fahrzeuge, um den Andrang besonders an BVB-Spieltagen oder bei anderen „Großlagen“ zu bewältigen. Besserung ist erst in ein paar Jahren in Sicht, wenn neu angeschaffte Fahrzeuge auf die Schiene kommen.

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Dazu kommt, dass die Bahnen, die jetzt unterwegs sind, bei BVB-Spielen alles andere als im Takt fahren und die Infos für Fahrgäste an den Bahnsteigen eher verwirren als weiterhelfen. So ist es schwer, notorische Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen. Absolut kontraproduktiv ist es auch, dass eigentlich angekündigte Sonderzüge an BVB-Spieltagen nicht fahren, weil es zu wenig Lokführer gibt.

Mehr Tempo bei neuem Park-and-Ride-Parkplatz

Muss man deshalb das Parkplatz-Chaos rund ums Stadion akzeptieren? Natürlich nicht. Neue reguläre Parkplätze im Umfeld des Signal Iduna Parks lassen sich wohl nicht schaffen. Seit Jahren wird aber schon über die Einrichtung eines neuen Park-and-Ride-Parkplatzes mit rund 500 Stellplätzen an der Semerteichstraße diskutiert.

Warum dauert es eigentlich so lange, die städtische Brachfläche direkt am U-Bahn-Halt Semerteichstraße herzurichten? Ich finde: Hier muss endlich Tempo gemacht werden.

Zu wenig Kontrollen

Nicht zuletzt muss gegen rücksichtslose Falschparker konsequenter vorgegangen werden. Beim Parken auf städtischen Grünflächen handelt es sich um einen Verstoß gegen die Ordnungsbehördliche Verordnung – Befahren von Grünflächen. Das werde mit 35 Euro sanktioniert, teilt die Stadt mit.

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Nur: Es muss natürlich auch kontrolliert und geahndet werden. Das findet allerdings viel zu selten statt.

Wie nötig das wäre, zeigt die Schwerpunkt-Kontrolle, die die Stadt Anfang November während des Champions-League-Spiels gegen Inter Mailand unternommen hat. 240 Verwarnungen hat das Ordnungsamt an diesem Abend im Kreuzviertel erteilt. 16 Fahrzeuge wurden abgeschleppt.

Laut der Stadt waren Autos auf Gehwegen, in Kurven und auf den geriffelten Leitflächen für Sehbehinderte abgestellt. Auch auf Schwerbehindertenparkplätzen und in Ladezonen für E-Fahrzeuge standen Wagen, die dort nicht hätten parken dürfen. Teilweise sei an Straßen kaum ein Durchkommen möglich gewesen.

Auch BVB in die Pflicht nehmen

Die Frage ist aber auch, ob die Stadt nicht auch den BVB stärker in die Pflicht nehmen sollte. Nicht im Kreuzviertel, aber an den Straßen rund ums Stadion wie der Wittekindstraße.

Wer etwa einen Trödelmarkt organisiert, wird dazu verpflichtet, die Grünstreifen entlang der umliegenden Straßen zu sichern - mit eigenen Ordnungskräften und langen Flatterbändern, die am Straßenrand gespannt werden. Warum gilt das eigentlich nicht bei BVB-Spielen rund ums Stadion?

Dann dürfen die Flatterbänder auch gern schwarzgelb sein.

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