BVB wirft Spendensammlern am Stadion Betrug vor

Verein "Kinderwünsche"

Die Spendensammler des Vereins "Kinderwünsche" gehören zum festen Bild am Stadion vor den Heimspielen des BVB. Doch wohin fließt das Geld, das viele Fans in die Spendendosen stecken? Zu großen Teilen nicht an kranke Kinder, glaubt die Fanabteilung von Borussia Dortmund - und hat rechtliche Schritte gegen "Kinderwünsche" eingeleitet.

DORTMUND

, 02.09.2017 / Lesedauer: 3 min

Wenn der BVB im Signal Iduna Park spielt, sind sie auch da: die Spendensammler des Verein "Kinderwünsche e.V.". Seit Jahren stehen sie mit verplombten Sammelbüchsen vor dem Tennisclub Flora und dem Freibad Volkspark, vor dem Strobels und dem Stadion Rote Erde und sprechen vor dem Spiel die Fans an. Ob man denn etwas Geld für kranke Kinder übrig hätte, fragen sie dann, oft in gelben Poloshirts mit der Aufschrift "Dortmunder Fans schenken Kindern ein Lächeln!" Viele Fußball-Fans machen da gerne mit.

Doch kommt das gespendete Geld tatsächlich kranken Kindern zugute? Die Fanabteilung des BVB hat da erhebliche Zweifel. Die Fan-Vertreter haben nun rechtliche Schritte gegen den Gelsenkirchener Verein eingeleitet, wegen Betrugsverdachts. Eine Anwaltskanzlei habe der Staatsanwaltschaft ihre "gesammelten Erkenntnisse" über "Kinderwünsche" übergeben, heißt es in einer am Freitagabend veröffentlichten Mitteilung auf der Internetseite der Fanabteilung.

Bis auf Weiteres rät sie allen Fans, "mindestens für die Dauer des laufenden Verfahrens dringend davon ab, an 'Kinderwünsche e.V.' zu spenden." Dieser Warnung ging nach Angaben der Fanabteilung eine gründliche Prüfung des Rechenschaftsberichts des Vereins voraus. Diesen habe "Kinderwünsche" erst nach mehrmaligem Nachfragen und anfänglicher Absage vorgelegt.

Vorwurf: Nicht alle Spenden werden an Einrichtungen weitergeleitet

Die Vorwürfe der Fanabteilung wiegen schwer: Ihr zufolge hätten "gründliche Nachforschungen und Beobachtungen" ergeben, dass die vom Verein angegebenen Kooperationspartner in Wahrheit gar nicht mit "Kinderwünsche" zusammenarbeiten würden. Außerdem würden die dokumentierten Spendeneinnahmen des Vereins nicht mit den "Beobachtungen" der Fan-Vertreter vor Ort übereinstimmen.

Übersetzt heißt das: Die Fanabteilung glaubt, dass rund um das Stadion mehr Geld gesammelt wurde, als tatsächlich den angeblichen Kooperationspartnern überwiesen wurde. In die gleiche Richtung gehen aktuelle Recherchen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und der "Rheinischen Post".

Nur 47 Euro pro Spieltag gesammelt?

Dem "Spiegel" zufolge' type='' href='http://www.spiegel.de/spiegel/fans-werden-vor-den-stadien-abgezockt-a-1165693.html wurden auf das Konto des Vereins im September und Oktober 2015 lediglich 626,66 Euro an Barspenden eingezahlt - obwohl es in diesem Zeitraum 13 Heimspiele von Borussia Dortmund und Schalke 04 gab, wo die "Kinderwünsche"-Sammler auch unterwegs seien. "Das wären rund 47 Euro pro Spieltag - ein Betrag, den ein Sammler in einer halben Stunde schaffen könnte." Das Magazin beruft sich dabei auf Konto-Aufstellungen, die der Redaktion vorlägen.

Die Rheinische Post zitiert das Vestische Krankenhaus in Datteln, dass zweimal Spenden in Höhe von 125 und 100 Euro von "Kinderwünsche" erhalten habe und auf der Internet-Seite als Kooperationspartner genannt werde, mit den Worten: "Dass der Verein unseren Namen für seine Zwecke benutzt, schadet unserer Klinik und unserem guten Ruf". Man werde rechtliche Schritte prüfen. 

"Kinderwünsche" will sich nicht äußern

"Kinderwünsche" selbst schweigt zu den schweren Vorwürfen. Auf Anfrage unserer Redaktion antwortete Kassenwärtin Cornelia Keisel, dass der Verein "keine Stellungnahme nehmen" wolle.

Lesen Sie jetzt