Café Blickpunkt-Aus wegen Corona: „Niemand ist trauriger als wir“

rnCafé Blickpunkt

Seit Donnerstag (7.5.) steht fest: Trotz der am Vortag angekündigten Lockerungen bleiben im Café Blickpunkt die Lichter aus. Pächter Kai Schmitt erklärt, warum jede Rettung zu spät kam.

Lütgendortmund

, 11.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Joanna Smolka und Kai Schmitt wollten den zentralen Treffpunkt der Lütgendortmunder wiederbeleben: das Café Blickpunkt. Nachdem Gründer und Wirt Wilhelm Mohrenstecher sein Café an der Limbecker Straße 17 im Dezember 2018 nach 30 Jahren geschlossen hatte, eröffneten sie es Anfang August 2019 mit dem Beinamen „bei Joanna“ wieder.

Gut neun Monate später stirbt der Traum von der Selbstständigkeit an Corona. Trotz der Lockerungen, die am Mittwoch (6.5.) verkündet wurden, kann das Café Blickpunkt sich nicht mehr halten.

Gerade einmal 20 von mehr als 80 Innen- und Außensitzplätzen hätte es bei Einhaltung der Abstandsregeln aufgrund der verwinkelten Architektur des Gastraums und des begrenzten Platzes im Außenbereich nutzen dürfen.

Fixkosten liegen bei knapp 4000 Euro im Monat

„Das ist ein unschönes Ende“, sagt Kai Schmitt. „Niemand ist trauriger als wir, dass es vorbei ist.“ Die finanziellen Probleme des Cafés begannen allerdings bereits im Januar, als die Wiedereröffnungs-Euphorie und damit auch die Gäste-Welle abflachte.

Anfangs konnte das Café Blickpunkt bei Joanna nicht nur davon, sondern auch von Laufkundschaft der Bartholomäus-Kirmes und anderer Veranstaltungen zehren, so Kai Schmitt. Dass die Einnahmen im Januar weniger geworden seien, sei mit Blick auf kommende Feste zunächst nicht so gravierend erschienen.

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Doch der Ausbruch des Coronavirus, die damit verbundenen Einschränkungen und Veranstaltungsverbote machten alle Hoffnungen zunichte. „Herr Mohrenstecher hat als unser Verpächter zwar unsere Pacht halbiert und sogar fünf Monate Pachtfreiheit angeboten, doch das reicht leider nicht.“

Die Betriebs- und Nebenkosten seien einfach zu hoch gewesen, um sie bei fehlenden Einnahmen zu stemmen. Trotz allen Entgegenkommens seien immer noch knapp 4000 Euro im Monat nötig, da habe auch die Soforthilfe nichts mehr retten können.

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Pächter haben keine Rücklagen

„Man muss einfach bedenken, dass wir viel investiert haben – wir müssen immer noch 50.000 Euro zurückzahlen“, sagt Kai Schmitt. „Dann musste sich das Café erst einmal einspielen, wir haben viele Sonderangebote gemacht. Deshalb hatten wir kein finanzielles Polster, als die Corona-Krise begann.“

Auch Spenden und Gutschein-Verkäufe seien bislang nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. „Natürlich würden wir gerne weitermachen, aber das Geld fehlt. Es müsste ein Wunder geschehen, es müsste großzügige Spender geben.“

Doch derzeit stehen alle Zeichen auf eine endgültigen Schließung des Cafés Blickpunkt bei Joanna. Kai Schmitt bleibt nichts anderes übrig, als alle in diesen Tagen einkommenden Tisch-Reservierungen abzuweisen.

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