Bernd Schmidt ist Cannabis-Enthusiast. Aus mehreren Gründen. © Privat
Diskussion um Legalisierung

Cannabis-Legalisierung? Für einen Dortmunder die große Hoffnung

Mit der Ampel-Koalition könnte auch Cannabis legal werden. Für einen 52-jährigen Dortmunder ist das grüne Zeug mehr als nur Rauschmittel – jetzt sieht er „Licht am Ende des Tunnels“.

Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele sorgte mit seinem Ausspruch „Gebt das Hanf frei – und zwar sofort!“ auf der Hanfparade in Berlin im Jahr 2002 für Lacher. Stefan Raab nutzte es zusammen mit Reggae-Sänger als Sample und landete einen Hit.

Jetzt, 19 Jahre später, könnte daraus mehr werden: Denn derzeit verhandelt Ströbeles Partei Die Grünen mit der SPD und der FDP um eine mögliche Koalition für die nächste Bundesregierung. Ein großes Thema ist bei der möglichen „Ampel-Koalition“ die Legalisierung von Cannabis.

„Engagement trägt Früchte“

Wie diese konkret aussehen könnte, steht noch nicht fest. Allerdings gibt es einen Dortmunder, der jetzt schon richtig euphorisch ist. „Wir sind so nah an der Legalisierung wie noch nie“, freut sich Bernd Schmidt. Der 52-Jährige setzt sich schon seit mehreren Jahren für legales Cannabis ein. Er ist Teil der „Hanffreunde Dortmund“ – ein nicht eingetragener, gemeinnütziger Verein.

Schmidt und sein Verein haben das Ziel, die Bevölkerung für die Legalisierung und besonders den medizinischen Nutzen von Cannabis zu sensibilisieren. Durch Info-Tische in der Dortmunder Fußgängerzone oder Veranstaltungen zum Beispiel.

„Unser Engagement trägt Früchte“, erzählt der 52-Jährige Schmidt, „nach jahrelanger Arbeit ist jetzt Licht am Ende des Tunnels“.

Schmidt wurde ein Bein amputiert. Seitdem hat er starke, chronische Schmerzen.
Schmidt wurde ein Bein amputiert. Seitdem hat er starke, chronische Schmerzen. © Privat © Privat

Der Dortmunder ist Konsument aus zwei Gründen: Schmidt „kifft“ auch zum Genuss, das gibt er zu. Joints, mit der Bong oder per Vaporizer, wenn er unterwegs ist. Er fährt auch gerne nach Holland, um dort seine Lieblings-Cannabis-Sorte „Strawberry Haze“ zu rauchen.

Aber er ist auch auf die medizinischen Eigenschaften der Pflanze angewiesen, er bekommt es sogar vom Arzt auf Rezept. Ein Bein des gelernten IT-Systemelektronikers wurde amputiert, seitdem hat er mit starken Schmerzen zu tun, die auch mal plötzlich auftreten würden.

Dagegen habe er Tilidin genommen, ein schweres Medikament gegen chronische Schmerzen. Aber: „Durch Cannabis konnte ich das von dreimal auf einmal täglich reduzieren“.

Mit der Bahn nach Wuppertal, um Geld zu sparen

Schmidt erhofft sich, dass durch die von der möglichen Ampel-Koalition angestrebte Cannabis-Legalisierung vor allem Menschen wie er profitieren. Denn oft werde das Cannabis nicht von der Krankenkasse übernommen, wie auch bei dem 52-Jährigen. Er muss alles selbst zahlen.

Sein Cannabis bekomme er in der Apotheke. 24 Euro koste es dort im Durchschnitt, die Apotheken bestimmen die Preise selbst. Um Geld zu sparen, fährt der Rollstuhlfahrer Schmidt mit der Bahn nach Wuppertal: „Ich hole es dort von einer Versandapotheke ab, da kostet das Gramm nur 12 Euro“, so Schmidt.

Aktivist ist Bernd Schmidt auch. Seit Jahren engagiert er sich für die Legalisierung von Cannabis, besonders für den medizinischen Nutzen.
Aktivist ist Bernd Schmidt auch. Seit Jahren engagiert er sich für die Legalisierung von Cannabis, besonders für den medizinischen Nutzen. © Privat © Privat

Trotzdem muss Bernd Schmidt viel Geld pro Monat für Cannabis lassen. Je nach dem wie stark seine Schmerzen sind, braucht er bis zu zwei Gramm pro Tag, sagt er. Im Monat sind das mehrere Hundert Euro, die er dafür ausgeben muss, um seine Schmerzen zu lindern.

Viele Cannabis-Patienten müssten wegen der hohen Kosten auf illegale Beschaffungswege zurückgreifen. Mit der Legalisierung hofft er, dass sich das ändert und vielleicht zukünftig die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

Blöde Sprüche wegen Cannabis

Generell hegt er große Hoffnung in die Legalisierung. „Ich fühle mich oft komisch, wenn ich mir einen anzünde, obwohl ich es halt darf“, gibt Schmidt zu. Trotz Rezept fühle er sich manchmal noch kriminalisiert.

Oft habe Schmidt schon „blöde Sprüche“ bekommen. Wenn er am Bahnhof ist, raucht er sein Cannabis deshalb ganz am äußersten Ende des Gleises, nicht im Raucherbereich. Um seine Ruhe zu haben.

Cannabis werde zwar medizinisch geduldet, so wirklich angekommen in der Gesellschaft sei das aber noch nicht. Aber vielleicht ändert sich das ja bald, wenn sich auch die Gesetzeslage ändert. Bernd Schmidt ist jedenfalls zuversichtlich.

Über den Autor
Reporter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers