Rücktritt: CDU-Chef fordert „weniger ich und mehr wir“ von seiner Partei

rnKanitz schreibt an die Partei

CDU-Chef Steffen Kanitz hat den Zeitpunkt seines Rücktritts angekündigt, skizziert, wie es an der Partei-Spitze weitergehen soll, und ist in Sorge über den Ton im innerparteilichen Streit.

Dortmund

, 03.10.2020, 13:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Dortmunder CDU brodelt und rumort es weiter nach der verlorenen Oberbürgermeister-Wahl. Klare Worte der Kritik und Selbstkritik kommen jetzt von CDU-Chef Steffen Kanitz.

Am Freitag hat er in einem Schreiben an die Mitglieder seiner Partei angekündigt, sein Amt als Kreisvorsitzender in der nächsten Kreisvorstandssitzung niederzulegen: „Dies tue ich in großer Demut vor dem Amt und in der Überzeugung, dass die CDU Dortmund in diesen Zeiten einen Kreisvorsitzenden braucht, der aus Dortmund heraus agieren kann, um die entstandenen Fliehkräfte zu bündeln.“

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Auch wenn er sein Möglichstes gegeben habe, an den Gremiensitzungen in Dortmund teilzunehmen und die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Wahlkampf zu schaffen, sei es ihm aufgrund seiner beruflichen Situation nicht länger möglich, den Aufgaben eines Vorsitzenden angemessen nachzukommen, so Kanitz. Und er räumt ein, dass die klare Arbeitsteilung mit seinen Stellvertretern nicht überall gut funktioniert habe.

Dortmunder CDU hat Nachbesserungsbedarf

Dann wird Kanitz deutlicher: „Unabhängig von einem schwierigen Start in den Kommunalwahlkampf bereitet mir der Ton der innerparteilichen Auseinandersetzung Sorge. Weniger ,ich‘ und mehr ,wir‘ ist die Voraussetzung für eine gute Parteiarbeit. Am Ende ist die Demokratie und auch unsere CDU größer als jeder Einzelne von uns.“

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Damit bestätigt Kanitz die schon von Ex-Oberbürgermeister-Kandidat Dr. Andreas Hollstein geübte Kritik an den Egoismen in der Dortmunder CDU. Der Noch-Vorsitzende: „Niemand von uns wird alleine aufgrund seiner Persönlichkeit gewählt, es ist immer das Wertefundament der CDU, das die Wählerinnen und Wähler im Kopf haben, wenn sie ihr Kreuz machen. Das sollte jedem von uns bewusst sein. Die CDU war in der Geschichte immer dann stark, wenn sie geschlossen agiert hat. Hier haben wir in Dortmund ganz offensichtlich Nachbesserungsbedarf.“

Mehr Selbstreflexion gefordert

Offenbar gab es auch innerparteiliche Kritik an der CDU-Kreisgeschäftsstelle; denn Kanitz bedankt sich ausdrücklich für ihre Arbeit und stellt klar: „Das Zusammenspiel zwischen Ehrenamt und Hauptamt wird in einer kleiner werdenden Partei nur dann funktionieren, wenn beide Seiten ihren Teil dazu beitragen. Nicht jeder Fehler, der gemacht wurde, kann auf das Hauptamt abgewälzt werden. Hier bitte ich um ein wenig mehr Selbstreflexion und Nachsicht.“

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Kanitz gibt auch den Weg vor, wie es an der Spitze der Dortmunder CDU weitergehen soll, vor allem, nachdem die Junge Union Strafanzeige gegen die beiden Vize-Vorsitzenden Claudia Middendorf und Thorsten Hoffmann wegen Verstoßes gegen den Datenschutz gestellt haben. So schlägt er vor, zügig zu einem Kreisparteitag einzuladen, auf der die neue Spitze und „möglicherweise auch weitere Ämter ordentlich gewählt werden“. Bis dahin sei es dringend erforderlich, „dass sämtliche Vorwürfe zur möglichen Beeinflussung von Wahlen von Parteigliederungen und damit verbundene Vorwürfe zudatenschutzrechtlichen Verstößen ausgeräumt werden“.

Sascha Mader als kommissarischer Vorsitzender

Nach dem Vorschlag von Kanitz soll der stellvertretende Vorsitzende Sascha Mader die Aufgaben des Kreisvorsitzenden kommissarisch übernehmen. „Er hat auch in den vergangenen Monaten bewiesen, dass er mit ruhiger Hand aber klarem Kompass für die Belange der CDU Dortmund eintritt.“

Er sei leidenschaftlich gerne Mitglied der CDU Dortmund und werde es bleiben, kündigt der 36-Jährige an: „Gerne bringe ich mich auch weiterhin dort ein, wo es unserer CDU hilft.“

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