Chefs kassieren bei Tariferhöhungen mit

Städtische Unternehmen

Wenn Verdi für die Mitarbeiter von Dortmunds städtischen Unternehmen über Tariferhöhungen verhandelt oder diese selbst gar dafür streiken, profitieren auch ihre Chefs. Sie erhalten zu ihrer außertariflichen Festvergütung die Prozente der tariflichen Gehaltserhöhung obendrauf. Mit dieser Praxis könnte allerdings bald Schluss sein.

DORTMUND

, 11.08.2015, 12:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eindrücke vom Verdi-Warnstreik in Dortmund.

Eindrücke vom Verdi-Warnstreik in Dortmund.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem Thema.

Wie viel kann die Tariferhöhung in Euro ausmachen?

Bei einer Tariferhöhung von zwei Prozent kann das bereits eine vierstellige Summe ausmachen. Das wären etwa bei einer Festvergütung von 375.000 Euro im Jahr bei Stadtwerke-Chef Guntram Pehlke 7500 Euro, bei DEW-Geschäftsführer Dr. Frank Brinkmann (335.600 Euro) 6712 Euro und bei EDG-Geschäftsführer Klaus Niesmann (258.000 Euro) 5160 Euro.

Wer hat so etwas eingeführt?

Diese Praxis stamme aus den 70er-, 80er-Jahren, als die Gehälter noch nicht so hoch gewesen seien, erläutert Stadtdirektor Jörg Stüdemann, der als Kämmerer auch Chef der Beteiligungsverwaltung ist.

Machen das andere Städte auch so?

Diesen Automatismus einer solchen dynamischen Gehaltsanpassung gibt es laut Stüdemann nicht mehr in vielen Städten in NRW. 

Warum gibt es diese Praxis denn immer noch in Dortmund?

Er habe bereits vor einigen Jahren den Vorschlag gemacht, das zu ändern, sagt Stüdemann, doch das sei damals nicht durchzusetzen gewesen. Nach der Sommerpause will er das Thema noch einmal angehen.

Hat er denn dieses Mal die Chance auf politische Rückendeckung?

Vermutlich ja. Bei der SPD wie auch bei der CDU könnte Stüdemann damit dieses Mal offene Türen einrennen. In der Partei habe man sich zwar darüber noch keine Gedanken gemacht, sagt dazu die SPD-Unterbezirksvorsitzende Nadja Lüders, aber auch sie meint: "Das ist überholt." Ulrich Monegel, Chef der CDU-Ratsfraktion, meint ebenfalls: "Ich halte den Automatismus nicht für gerechtfertigt." Thema sei es noch keines in der Partei gewesen, aber Tarif sei Tarif, und Geschäftsführer spielten in einer anderen Liga.

Was sagt die Gewerkschaft Verdi dazu?

Für Manfred Bürger, Geschäftsführer von Verdi in Dortmund, ist das "kein Thema". Die Festlegung außertariflicher Gehälter obliege den Gesellschaftern der städtischen Betriebe. Bei 100-prozentigen Beteiligungen ist das allein die Stadt. Als Aufsichtsratsmitglieder, so Bürger, schauten die Verdi-Vertreter zwar auf die Höhe der Gehälter, aber es gebe "keine Regelung, die unangemessen wäre." Außerdem gab Bürger zu bedenken, dass "nicht wenige Geschäftsführer bei uns Mitglied sind".

Wenn die Politik im zweiten Anlauf beschließt, den tariflichen Zuschlag für Ihre Führungskräfte zu streichen, ab wann würde das gelten?

Dann müssten frühestens neu berufene Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzende auf diese dynamische Anpassung verzichten. Die aktuellen Geschäftsführer oder Vorstandschefs würde es erst bei einer Vertragsverlängerung (in der Regel nach drei bis fünf Jahren) treffen.

Bei wie vielen städtischen Unternehmen nehmen die Spitzenkräfte an den Tariferhöhungen teil?

Fast alle. Es gibt 31 städtische Unternehmen (die Beteiligungen der Stadttöchter selbst nicht mitgezählt). Welche Chefs von welchen Unternehmen genau profitiert haben, hat die Stadt trotz Nachfrage bislang nicht mitgeteilt.

Jetzt lesen

Dortmund am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter Über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Lesen Sie jetzt