Chronisch unterbezahlt

03.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Während Spekulationen um eine drohende Insolvenz des Klinikums hartnäckig das politische Sommerloch füllen, sich viele Fraktionsmitglieder an fremden Stränden aalen und die Klinikum-Geschäftsführung eisern schweigt, sind daheimgebliebene Kommunalpolitiker eifrig dabei, hinter die Kulissen zu blicken. Am Montag tat dies die Grüne Ratsfraktion, nächsten Dienstag (10. 7.) folgt ihr die CDU-Ortsunion-Mitte.

Den Grünen offenbarte sich beim Besuch der neu konzipierten Hautklinik das ganze Dilemma des Gesundheitswesens: Die völlig unzureichende Bezahlung von Leistungen. Einerseits hat die Hautklinik den politisch gewünschten Bettenabbau bei Ausweitung ihres Ambulanzbereichs deutlich von 110 auf 36 Betten realisiert, andererseits vorbildlich die Bereiche der Diagnostik, der Behandlung einschließlich notwendiger Operationen und Ambulanz in räumlicher Nähe verknüpft. Die Krankenkassen aber finanzieren lediglich eine Pauschale von 22 Euro je Patient in der Notfallambulanz der Hautklinik.

Für Fraktionssprecher Mario Krüger ist klar: «Unter rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten müsste das in Dortmund nur vom Klinikum vorgehaltene defizitäre Angebot aufgegeben werden.» Das wollen die Grünen nicht. Damit erteilen sie dem seit Jahren diskutierten Verkauf an einen privaten Betreiber eine klare Absage. Zu erwarten wäre eine Schließung unrentabler Abteilungen mit Versorgungs-Folgen für die Patienten und eine deutliche Verschlechterung der Situation der Beschäftigten.

Der Druck wächst aber: Schrumpft das Eigenkapital des Klinikums weiter so rasant, muss die Geschäftsführung Insolvenzwarnung abgeben. Verdi-Geschäftsführer Uli Dettmann warnt dennoch vor Hektik, unterstreicht, Notlagenvereinbarungen gebe es nur bei dauerhafter Perspektive für die Beschäftigten und appelliert in Richtung Stadt als Gesellschafter, das Stammkapital zu erhöhen.

Mario Krüger entgegnet, durch einen Notlagentarifvertrag für einen gewissen Zeitraum (drei bis fünf Jahre) die Kosten drücken zu können, bis die nötigen Strukturveränderungen am Klinikum endlich griffen, darunter der geplante neue Zentral-OP. Krüger: «Wenn diese Hausaufgaben gemacht sind, wird über eine Kapitalaufstockung zu reden sein.» bö

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