Vor über 50 Jahren: So war das Leben am Hörder Clarenberg, bevor die Hochhäuser kamen

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Viele Hörder gibt es nicht mehr, die sich erinnern können, wie es am Clarenberg einmal ausgesehen hat. Es war eine Zeit mit blühenden Gärten - bis 1969 die ersten Hochhäuser kamen.

Hörde

, 03.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es war wie so oft in der Politik. Ein bisschen Vitamin B, ein bisschen Panik garniert mit ein bisschen Größenwahn. Ende der 1960er Jahre herrschte Wohnraumknappheit in Hörde. Also wurde kurzerhand der Wohnpark Clarenberg geplant. Zwischen der Benninghofer Straße, der Straße Am Oelpfad und der Straße Am Bruchheck wurde alles Alte plattgemacht. Das letzte Haus fiel Ende 1969. Da liefen die Bauarbeiten an dem Wohnpark schon seit einem Jahr.

Vor über 50 Jahren: So war das Leben am Hörder Clarenberg, bevor die Hochhäuser kamen

Ein altes Modell des Wohnparks Clarenberg aus den 1960er Jahren. © Archiv Willi Garth/Repro Jörg Bauerfeld

Einer, der am Clarenberg aufgewachsen ist und den Wandel mitbekommen hat, ist Willi Garth. Heute Vorsitzender des Hörder Geschichtsvereins und einer, der dem Leben am früheren Clarenberg immer noch eine Träne nachweint. „Wenn wir vom neuen Clarenberg sprechen, meinen alle heute die Hochhäuser. Aber die Unterscheidung alter und neuer Clarenberg gab es schon vor weit mehr als 50 Jahren“, sagt Willi Garth.

1968 ging es dem alten Clarenberg an den Kragen

Dass um 1968 der „alte Clarenberg“ der Abbruchbirne zum Opfer fiel, verwunderte wohl damals die wenigsten in Hörde. Um 1840 noch vom alten Piepenstock als eine der ersten Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet gebaut, war er einfach nicht mehr schön anzusehen. Die Häuser alt und viele zu klein. „Der alte Clarenberg begann am Oelpfad mit einigen Reihen, die waren ohne Baum und Strauch, nur Asphalt und Toilette draußen“, sagt Garth. „Ungefähr dort, wo heute die Einfahrt in die Tiefgarage zum Josefs-Hospital ist, endete der alte Clarenberg.“ Schöne, viergeschossige Häuser markierten die Grenze zum neuen Clarenberg, der dann um 1869 errichtet wurde.

Vor über 50 Jahren: So war das Leben am Hörder Clarenberg, bevor die Hochhäuser kamen

Der sogenannte alte Clarenberg. Die Siedlung abzureißen war nicht das Problem, um die neueren Häuser kämpften die Bewohner. © Archiv Willi Garth/Repro Jörg Bauerfeld

„Diese Häuser abzureißen war einer der größten Dortmunder Sündenfälle“, so Garth. Denn der „neue Clarenberg“ muss ein richtiges Paradies gewesen sein. Auch für den damals kleinen Willi, der zwischen großen Gärten und blühenden Obstbäumen aufwuchs. „Man hatte in den Gärten an jede Ecke einen Birnbaum und dazwischen vier Kirschbäume gepflanzt, sodass die Bäume die ganze Straße mit einem Blätterdach überspannten. Im Frühling war das ein einziges Blütenmeer“, erinnert sich Garth.

Vier Generationen hatten dort gewohnt

Vier Generationen seiner Familie lebten dort, wo heute die Hochhäuser stehen. Brieftauben gab es dort zu Hauf, Kaninchen auch. „Wir hatten dazu einen großen Hühnerstall, Gänse, Enten und einen Hund“, sagt Garth. Dann kam der „Siedlungswahn“ und Schluss war es mit der Idylle. Zunächst fielen die Häuser der Arbeitersiedlung am Alten Clarenberg. 1968 ging es dort los. 248 Wohnungen waren hier geplant, vorher ging’s ans Plattmachen.

Vor über 50 Jahren: So war das Leben am Hörder Clarenberg, bevor die Hochhäuser kamen

Im Vordergrund die Häuser des neuen Clarenbergs, die auch noch dem Abrissbagger zum Opfer fielen. Im Hintergrund schon eines der Hochhäuser. © Archiv Willi Garth/Repro Jörg Bauerfeld

Auch der neue Clarenberg mit seinen Obstbäumen kam an die Reihe. Da nutze auch der Widerstand seiner Bewohner nichts. „Wohin soll ich denn mit meinen Tauben?“, war nur eine der vielen unbeantworteten Fragen. „Die damaligen Planer interessierte das nicht“, sagt Garth. „Sie versuchten nur, die Menschen so schnell wie möglich aus ihren Häusern hinaus zu bekommen“. Viele verließen fluchtartig den Ort ihrer Kindheit, es soll auch Selbstmorde gegeben haben.

Den Krieg überlebt, dem Profit zum Opfer gefallen

„Den Krieg hatte die Siedlung bis auf ein paar Blessuren unbeschadet überstanden, der Gier nach Profit konnten sie nichts entgegensetzen“, sagt Garth. Die Westfälischen Wohnstätten, später VEBA, errichteten auf der Fläche des alten und neuen Clarenbergs, immerhin acht Hektar groß, 25 vier- bis 17-geschossige Gebäude mit insgesamt 1069 Wohnungen - den heutigen Clarenberg.

Clarenberg

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