Wie ausgestorben. So menschenleer, wie hier am ersten Tag des Winter-Lockdowns im Dezember, dürfte es auch ab Montag (19.4.) wieder auf dem Westenhellweg werden. Der Oberbürgermeister will die „Notbremse plus“ ziehen und unter anderem Click & Meet stoppen. © (A) Schaper
„Notbremse Plus“

Click & Meet -Shoppen in Dortmund wieder vorbei: „Ist ohnehin nichts los“

Während der Bund noch Zeit braucht, zieht Dortmund schon mal die Notbremse – und stoppt Click & Meet und schließt die Geschäfte. Die Meinungen aus dem Handel sind geteilt.

Erst sollte in Nordrhein-Westfalen die berühmte Notbremse bei einer Inzidenz ab 100 gezogen werden, dann wurde sie aber doch nicht gezogen. Mit Genehmigung der Landesregierung durften in Dortmund die Geschäfte für das Termin-Shoppen mit negativem Corona-Test geöffnet bleiben.

Unabhängig davon, ob das ein bisher in der Pandemie erfolgreiches Modell gewesen oder dieser Handel mit angezogener Handbremse ein Infektionstreiber gewesen ist: in Dortmund ist er mit Geschäftsschluss am Samstag erst einmal wieder vorbei.

In der Stadt liegt der Inzidenzwert inzwischen fast bei 200 und Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) wird jetzt die „Notbremse plus“, wie er sie nennt, ziehen. Die „Notbremse light“ des Landes NRW reiche nicht aus, um die Infektionswelle zu brechen und die Änderung des Bundesinfektionsschutz-Gesetz lasse noch auf sich warten.

Land NRW hat Aus für Click & Meet genehmigt

Am Freitagabend (16.4.) genehmigte Land NRW Westphals Ziehen an der „Notbremse plus“, die Einzelhandelsgeschäfte dürfen ab Montag nicht mehr für Kunden öffnen. Das heißt: Click & Meet plus Test gibt es nicht mehr. Am Freitagnachmittag, noch bevor die Genehmigung des Landes endgültig erteilt wurde, haben wir mit mehreren Händlern gesprochen.

„Es ist ohnehin nichts los. Für mich macht das keinen sonderlichen Unterschied“, sagte Paul Spielhoff, Inhaber des Einrichtungshauses Wim Gelhard. „Bisher halte ich für ein bis zwei Kunden am Tag Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor. Und wir müssen mit Kunden diskutieren, die als Geimpfte meinen, sie dürften ohne negatives Corona-Testergebnis ins Geschäft. Das ist ja nicht so, sie lassen aber ihren Unmut an uns aus. Insofern bin ich nicht so unglücklich“, sagte der Geschäftsmann.

Paul Spielhoff führt seit 2016 das Einrichtungsgeschäft Wim Gelhard an der Schliepstraße in Dortmund. Die Zwangsschließung im ersten Lockdown machte ihm große Sorge: „Das war doch eigentlich unvorstellbar.“
Paul Spielhoff führt seit 2016 das Einrichtungsgeschäft Wim Gelhard an der Schliepstraße in der City. Die Zwangsschließung im ersten Lockdown machte ihm große Sorge: „Das war doch eigentlich unvorstellbar.“ © Schaper © Schaper

Böse über den Stopp von Click & Meet ist auch der Vorsitzende des Cityrings, Tobias Heitmann, der die Interessen der Innenstadt-Kaufleute vertritt, nicht. „Das war eh kein Erfolgsmodell“, sagte er. Für die Händler mache es keinen großen Unterschied, wenn sie nun wieder ganz schließen müssten.

„Ohne Gastronomie ist die City sowieso leer. Da ist Click & Meet – und das noch mit der zusätzlichen Hürde des Testens – nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Tobias Heitmann.

Auf dem Westenhellweg ist es ohnehin ziemlich leer

Auch Weinhändler Matthias Hilgering, der sein Geschäft am Westenhellweg wohl auch weiterhin öffnen darf, weil er offiziell Lebensmittel verkauft, reagierte gelassen. „Die Passantenfrequenz ist hier mittlerweile so gering geworden, dass ich nicht weiß, ob das nun für uns ab Montag einen Unterschied macht. Schon mit dem notwendigen Test für ein Termin-Shoppen ist es auf dem Westenhellweg wieder deutlich leerer geworden“, sagte Matthias Hilgering.

Ganz anders äußerten sich hingegen die Interessenverbände des Handels. Die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund bedauerte die Entscheidung der Stadtspitze.

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber sagte: „Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass der Einzelhandel kein Infektionstreiber ist. Es ist die nächste schlechte Nachricht für den stationären Einzelhandel in Dortmund.“

„Click & Meet-Kunden lassen Geld in den Geschäften“

Das Konzept Click & Meet mit vorherigem Negativ-Test sei sicher nicht ideal, so Stefan Schreiber, aber immerhin könnten die Händler damit einige Umsätze erzielen. „Wir hätten uns gewünscht“, sagte er, „dass Dortmund es so macht wie der Kreis Unna. Dort ist Click & Meet mit Nachweis eines negativen Tests weiterhin möglich, obwohl die Inzidenz dort über 200 liegt.“

Dass wieder am Einzelhandel herumgedoktert werde, obwohl selbst das Robert-Koch-Institut (RKI) im Handel keinen Infektionstreiber sehe, kritisierte auch Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Westfalen-Münsterland.

Auch, wenn viele Händler nicht zufrieden seien mit dem Click & Meet-Modell, weil nicht so viele Kunden kämen wie erwartet, sei dieser Öffnungsschritt im Lockdown trotzdem hilfreich. „So etwas muss sich natürlich einspielen. Aber wer unter den Gegebenheiten einkaufen geht, der lässt in den Geschäften auch Geld“, so Thomas Schäfer.

Eine erste Version dieses Textes ist erschienen, bevor das Land dem Aus für Click&Meet zustimmte. Die Aussagen der Händler sind allesamt vor der Genehmigung der Stadt-Pläne gefallen. Am Freitagabend (16.4.) haben wir den Text leicht angepasst.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle