Dortmunder Firma ist der Wachstumsriese im Markt der E-Mobilität

rnLadesäulen-Hersteller

Ladesäulen von Compleo treten gerade von Brackel aus ihren Siegeszug nach Europa an. Die Firma hat für die Elektromobilität schon Maßstäbe gesetzt – und noch viel vor.

Dortmund

, 24.08.2020, 08:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

In jedem Raum atmet man an der Obersten-Wilms-Straße 15a die Überzeugung, dass der Elektromobilität die Zukunft gehört. Die Firma Compleo mag dort etwas versteckt am Ende des Gewerbegebiets Brackel liegen, aber wenn es um die Ladesäulen-Infrastruktur in Deutschland geht, mischt das Unternehmen ganz vorne mit.

„Die batterie-elektrifizierte Mobilität ist alternativlos - weil Wasserstoff keine Chance gegen Elektroautos hat. Um Wasserstoff herzustellen, wird sehr viel elektrische Energie benötigt. Die wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-Technik ist sehr ineffizient – und zwar sowohl hinsichtlich ihres Wirkungsgrads als auch ihrer Betriebskosten“, sagt Compleo-Chef Checrallah Kachouh.

Der zweite Compleo Co-Geschäftsführer Georg Griesemann setzt aus kaufmännischer Sicht noch eins drauf. Er sagt: „Wenn ich sehe, wie günstig und dezentral Strom hergestellt werden kann, dann glaube ich an die Kraft des Marktes. Etwa fünf Cent kostet eine Kilowattstunde aus der eigenen Photovoltaik-Anlage. Ein E-Auto verbraucht etwa 20 kW/h auf 100 Kilometer. Dann kosten mich 100 Kilometer einen Euro.“

Compleo hat die Zahl der Mitarbeiter gerade verdoppelt

Den Einwand, dass für die Batterien Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel unter großem Aufwand in Südamerika und Afrika abgebaut werden müssen und bei der Entsorgung extrem umweltschädlicher Elektroschrott übrig bleibt, lassen beide nicht gelten. „Es wächst eine Recycling-Industrie heran. Man geht von einer Zweitverwertung aus. Es ist gut, dass Forschungsinstitute da nach Lösungen suchen“, sagt Kachouh. „Der Verbrennungsmotor“, ergänzt Griesemann, „ist über 100 Jahre entwickelt worden. Elon Musk von Tesla hat vor 10 Jahren das erste moderne Elektroauto entwickelt. Also, da ist noch viel Potenzial.“

Compleo baut in Dortmund Ladesäulen

In Handarbeit werden die Ladesäulen für Elektroautos bei Compleo gefertigt. Über 6000 Ladesäulen werden wohl in diesem Jahr an der Obersten-Wilms-Straße in Brackel produziert und ausgeliefert. © Compleo

Trotz mancher Vorbehalte und der nur stotternd vorankommenden Produktion von Elektroautos bei den großen deutschen Herstellern: die Compleo-Chefs müssen nur auf die Absatzzahlen ihrer Ladesäulen schauen, um zu erkennen, dass sie in einer absoluten Wachstumsbranche unterwegs sind.

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„Die Nachfrage nach Ladesäulen ist groß. Wir verdoppeln uns. Ende 2019 haben wir knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt, jetzt sind es 180 - und zum Ende des Jahres werden es 200 sein“, sagt Checrallah Kachouh.

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Wohin kommen all die Ladestationen, von denen Compleo in diesem Jahr ungefähr 6000 bauen und ausliefern will? Europaweit werden die Stationen installiert: Im niederländischen Arnheim, in Belgien oder auch in Dänemark. In Deutschland sind sie Teil der Infrastruktur in Berlin, Essen, Frankfurt oder München.

Checrallah Kachouh und Georg Griesemann von Compleo in Dortmund

Sie setzen Autos gerne unter Strom: die Firmenlenker Checrallah Kachouh (r.) und Georg Griesemann erwarten eine weiterhin steigende Nachfrage nach Ladesäulen und suchen bereits einen neuen Standort für eine Erweiterung. „Wir wollen in Dortmund bleiben. Wir denken, die Stadt hat ein gutes Image für ein Unternehmen, das international wachsen will“, sagen sie. © Peter Wulle

Auch in Dortmund stehen Compleo-Ladsäulen: beispielsweise ganz prominent am BVB-Trainingsgelände, am Flughafen oder am Hauptgebäude der DEW21. Aber fehlt es nicht in der Stadt noch an vielen Ladestationen, um das E-Auto für Nutzer wirklich attraktiv werden zu lassen. „Das mag sein“, sagt Georg Griesemann, „aber in Deutschland und bestimmt auch in Dortmund wird sich künftig die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte für Elektrofahrzeuge deutlich erhöhen.“ Die Stadt Dortmund ist nach Angaben auf ihrer eigenen Webseite weit vorne, was die Zahl der Ladesäulen angeht. 85 öffentliche Ladesäulen gibt es in Dortmund mit 185 Steckern (Ladepunkten). Zugelassen sind in Dortmund derzeit 4500 E-Autos.

Compleo will Ladestationen für ganz Europa bauen

Förderprogramme der Bundesregierung für die öffentliche und die private Installation von Ladesäulen sowie die Gesetzesinitiative für den Rechtsanspruch eines Mieters auf eine Ladesäule für einen gemieteten Stellplatz begründen bei Compleo den Optimismus. „Auf dieser Grundlage können wir unser Wachstum planen“, sagt Firmenchef Kachouh. „Wenn, wie politisch gewollt, bis 2030 insgesamt 10 Millionen Stromer auf deutsche Straßen kämen, bedeute dies einen enormen Bedarf an Ladepunkten. Wenn auf jedes zehnte E-Auto ein öffentlicher Ladepunkt kommen soll, müssen noch 970.000 geschaffen werden.“

Nicht nur die Technik, auch das Design der Ladesäulen hat Compleo in den vergangenen Jahren weiterentwickelt.

Nicht nur die Technik, auch das Design der Ladesäulen hat Compleo in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. © Compleo

„Und wir sehen nicht nur den deutschen Markt. Wir wachsen weiter. Wir möchten Ladestationen in Dortmund auch für den europäischen Markt bauen, weil die Infrastruktur in ganz Europa gefördert wird“, sagt Checrallah Kachouh. „Dafür“, so ergänzt er, „suchen wir auch neue Mitarbeiter sowie einen neuen und größeren Standort.“

Schon jetzt muss die Firma Compleo, die seit 2016 nur Wachstum kennt, ihre Kapazitäten ausbauen. Hervorgegangen sie aus dem Lüner Traditionsunternehmen EBG, wo 2009 mit der Produktion der ersten Ladesäule begonnen wurde. 2013 ist Compleo mit zunächst 17 Mitarbeitern eigenständig geworden.

„Wir gehören“, sagt Kachouh selbstbewusst, „zu den innovativsten Anbietern und haben auch die ersten eichrechtskonformen AC-Ladesäulen ausgeliefert.“ An allen Ladestationen in Deutschland ist das verbraucherbasierte und eichrechtskonforme Abrechnen der Ladevorgänge verpflichtend.

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Zu den Kunden von Compleo zählen unter anderem Allego, E.ON, EWE Go, Deutsche Post DHL Group, Deutsche Telekom, Siemens, Volkswagen sowie über 150 Energieversorger und Stadtwerke – hierzu zählen beispielsweise DEW21 und die Stadtwerke Bochum.

Die eigenen Firmenautos bei Compleo fahren natürlich alle elektrisch. Es gibt vor dem Firmengebäude keinen Parkplatz ohne Ladesäule. Wer hier mit einem Verbrennermotor vorfährt, fühlt sich sofort als Exot - und spürt, was ihn drinnen erwartet: Begeisterung für Elektromobilität.

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