Künstler Yoshinori Niwa (38) vor dem schwarzen Container am Brüderweg. © Bastian Pietsch
Brüderweg

Container für Nazi-Relikte steht vor ehemaligem Thor-Steinar-Laden

Ein großer schwarzer Altkleider-Container am Brüderweg fordert die Dortmunder auf, dort ihre Nazi-Relikte zu entsorgen. Was steckt dahinter? Und was befindet sich im Inneren des Containers?

Ein auffälliger schwarzer Metallkasten am Brüderweg stellt Passanten aktuell eine ungewöhnliche Frage: „Sie sind gequält von der Uniform Ihres Nazi-Onkels?“ Weiter heißt es: „Dann habe ich die Lösung für Sie!“ Was steckt hinter dem merkwürdigen Altkleider-Container?

Aufstellen lassen hat den Container der japanische Performance-Künstler Yoshinori Niwa (38), der aktuell in Wien lebt. Die Installation mit dem Titel „Withdrawing Adolf Hitler from a Private Space“ (etwa: Adolf Hitler aus einem privaten Raum zurückdrängen) soll, so der Künstler, ein Anlass zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus sein.

„Das Ziel des Projekt ist, die Vorstellungskraft der Menschen im privaten Raum zu aktivieren, nicht im öffentlichen Raum. Weil man im öffentlichen Raum nicht alles diskutieren kann, wollte ich mich auf den privaten Raum konzentrieren, um darüber zu reden.“

Erinnerung an rechte Bewegungen in Dortmund

Der Ort am Brüderweg ist nicht zufällig gewählt. Der Container steht direkt vor dem Durchgang, wo sich 2019 für einige Monate ein Laden der bei Rechtsextremen beliebten Marke Thor Steinar befand.

„Ich wollte die Installation also auch als eine Art Mahnmal an diesen Ort stellen“, sagt Yoshinori Niwa. „Auch um die Menschen an die Geschichte Dortmunds und die rechten Bewegungen in Dortmund zu erinnern.“

Vor Dortmund war die Installation auch in Köln und Düsseldorf aufgestellt gewesen, sowie in Österreich, wo sie zuerst in Graz zu sehen war. Dort seien zum Beispiel häufig Ausgaben von „Mein Kampf“ eingeworfen worden, die man im NS-Faschismus zur Hochzeit geschenkt bekommen habe.

Zerstörung wäre ein Erfolg

In Dortmund finden sich am Montag (15.3.) keine NS-Relikte in dem Container. Für Yoshinori Niwa ist das aber gar nicht so wichtig. Ihm gehe es um die Reaktion. „Ein Erfolg für die Installation wäre, wenn Leute sie komplett zerstören würden. Das wäre ja eine sehr starke Reaktion.“

Ganz so stark waren die Reaktionen bisher nicht. Einige Aufkleber und ein Graffito auf dem Container lassen jedoch darauf schließen, dass die Installation bisher nicht an allen Orten gut ankam.

Mehrere Installationen in der City

Der Container am Brüderweg ist Teil einer größeren Aktion des Dortmunder Kunstvereins, wie Kuratorin Linda Schröer erklärt. Entlang der Kampstraße und des Brüderwegs seien Werke von elf Künstlern und Künstlerinnen zu sehen.

Das Projekt „Taking my Thoughts for a Walk“ (etwa: mit meinen Gedanken spazieren gehen) sei zusammen mit Urbane Künste Ruhr entstanden und soll eine „pandemiesichere Ausstellung“ sein.

Auf einer Karte, die Interessierte an Kiosken an der Reinoldikirche und in der Stadtbahn-Station Kampstraße bekommen können und die auch in der City aushängen, sind die elf Stationen vermerkt.

Übersetzungshinweis

Das Interview mit Yoshinori Niwa wurde in englischer Sprache geführt und nachträglich ins Deutsche übersetzt.

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Redaktion Dortmund
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Bastian Pietsch

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