Meinung

Corona an Schulen stoppen? Darum geht es doch gar nicht mehr!

Jedem Corona-Fall an Schulen nachgehen? Infektionsketten unterbrechen? Darum geht es doch gar nicht mehr, findet unser Autor. Und hält genau das für einen großen Fehler.

Wann steckt ein Kind das andere an? Wenn beide nebeneinander sitzen – sagen wir: fünf Schulstunden lang? Und wenn gleichzeitig das Fenster offen steht – in schätzungsweise 2,75 Meter Entfernung?

Übrigens: Es war ein recht windstiller Tag, an dem Innen- und Außentemperatur relativ identisch waren. An dem es also nicht so viel Luftaustausch gab wie bei 5 Grad an einem üsseligen Herbsttag. Was dann?

Gewissenhafte Nachverfolgung? Unerwünscht?

Und was war mit denen, die ein bisschen über Eck saßen, auch beim Frühstück, also ohne Maske, circa 15 Minuten lang. Ohnehin: Stehen die Tische nun eher 90 Zentimeter auseinander oder 1,50 Meter? Stimmen also alle Aufzeichnungen der Lehrer für das Gesundheitsamt? Und was schlussfolgern wir aus alledem für das Corona-Infektionsrisiko?

Wenn man die Nachverfolgung ganz gewissenhaft betreibt, spielen viele Faktoren hinein. Aber: Geht es darum überhaupt noch? Sollen Gesundheitsamt und Schule überhaupt noch Daten, Fakten, Hinweise austauschen, um weitere Ansteckungen zu vermeiden?

Gegen negative Schlagzeilen oder gegen Infektionsketten?

Schwer zu glauben, wenn man die Landesregierung hört. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer wünschte sich ja schon am Mittwoch: ab sofort keine Quarantäne mehr für Sitznachbarn, nur noch für alle Schüler, die positiv getestet wurden. Am Donnerstag war genau das dann Tenor im Landtag.

Klar: So verschwinden negative Schlagzeilen. Die über Gesundheitsämter, die überfordert sind und personell zu schwach, um alle Fälle der vierten Welle aufzuspüren. Die über unzufriedene Lehrer, die mehr und mehr Zeit aufwenden müssen – zur Dokumentation und zum Austausch weiterer Infos nach einem Coronafall in der Klasse.

Quarantäne fürs Kind gleich Job-Stress für Eltern

Und auch die negativen Schlagzeilen über unzufriedene Eltern sind weg. Denn: Ist ein Kind in Quarantäne, müssen in der Regel auch Mama oder Papa freinehmen. Oder ins Homeoffice mit der altbekannten Doppelbelastung. Ganz egal, ob der Arbeitgeber so langsam genervt ist und Druck macht.

Das trifft dann nur noch auf die Eltern mit corona-positivem Kind zu. Nicht aber auf die der Sitznachbarn. Nur: Vermeidet man so auch effektiv eine Virus-Ausbreitung unter den Schülern?

Kinder stecken andere an – nicht so schlimm?

Nein, dafür sind die Tests zu ungenau. Stattdessen nimmt man leichtsinnigerweise Ansteckungen in Kauf. Nicht so schlimm, sagen sie? Schwere Verläufe seien bei Kindern ja extrem selten?

Kinder tragen das Virus aber weiter zu Erwachsenen, für die Covid-19 sehr wohl schlimme Folgen haben kann. Es sind Ansteckungen, die man vermeiden könnte. Mit Anstrengungen und Kosten zwar. Die aber darf man nicht scheuen, denn es geht immer noch um Menschenleben.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff