Dortmunds Hotels droht Nach-Corona-Krise: „Viele werden wohl entlassen“

rnBranche vor radikalem Wandel

Keine Messen, keine BVB-Spiele, keine Geschäftsreisen: Die Hotels in Dortmund trifft die Corona-Krise hart. Der Leiter der Wihoga-Fachschule sieht die Branche vor einem radikalen Wandel.

Dortmund

, 25.08.2020, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise wäre Dr. Elmar Grabert, Prokurist der Tintometer GmbH in Aplerbeck, in diesem Jahr mehrere Wochen auf Dienstreisen in Asien gewesen. „Daraus wurde nichts - und auch die Geschäftspartner und Mitarbeiter von anderen Standorten, die eigentlich jetzt nach Dortmund kommen sollten, kommen nicht. Wir besprechen uns in Videokonferenzen“, sagt Elmar Grabert.

Und so handhabt es nicht nur Tintometer, das ein weltweit tätiges Unternehmen für Wasseranalytik ist, sondern so handhaben es viele andere Firmen auch.

„Ich weiß nicht, ob wir nächstes Jahr noch am Markt sind“

Die Folgen spürt zum Beispiel Katja Kortmann, die junge Direktorin des Familienhotels Esplanade am Burgwall 3. Die meisten Zimmer bleiben leer, die dienstreisenden Geschäftsleute gibt es nicht. „Ich weiß nicht“, sagt sie, „ob wir nächstes Jahr noch am Markt sind.“

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Wie viele in der Branche kämpft Katja Kortmann mit ihren Beschäftigten ums Überleben. Als Leiter der Privaten Wirtschaftsschule für Hotellerie und Gastronomie (Wihoga) in Dortmund glaubt Harald Becker, dass dieser Kampf auch mit der Überwindung der Corona-Pandemie nicht beendet sein wird.

Hotellerie steht vor tiefgreifenden Veränderungen

„Hotellerie, Gastronomie sowie das Messe-, Kongress- und Eventbusiness werden auf absehbare Zeit nicht mehr zu altem Gäste- und Umsatzvolumen kommen“, sagt er. Insbesondere Geschäftsreisen und daran gekoppelte Übernachtungen würden auf Dauer stark rückgängig sein.

„Die Unternehmen leiden ja nicht darunter, sondern haben ihre Digitalisierung beschleunigt und das finanzielle und zeitliche Sparpotential von Videokonferenzen für sich entdeckt“, so Harald Becker.

Harald Becker leitet die Wihoga in Dortmund.

Harald Becker leitet die Wihoga in Dortmund. © Wihoga/Rene Golz

„Viele Fachkräfte werden wohl entlassen“

Der Leiter der staatlich anerkannten Wirtschaftsschule am Rombergpark, an der rund 300 Schüler unterrichtet werden, ist überzeugt, dass es zu tiefgreifenden Veränderungen im Beherbergungsgewerbe kommen wird - zu weniger Betten, zu schlanken und digitalisierten Hotelkonzepten ohne Restaurant-, Bar- und Tagungs-Betrieb.

„Es muss so deutlich ausgesprochen werden: Viele Fachkräfte werden jetzt und in Zukunft wohl entlassen, Ausbildungsplätze nur noch in deutlich geringerer Zahl angeboten werden“, sagt Becker.

Hotelfachschule muss sich radikal modernisieren

Die Wihoga hat daraus bereits Konsequenzen gezogen und die Lerninhalte und Lernmethoden verändert. „Wir müssen uns radikal modernisieren. Gerade jetzt kommt es darauf an, dass Hotelfachschulen zu echten Wirtschaftsfachschulen bzw. Business-Schools werden“, sagt Harald Becker.

Mehr als die Wissensvermittlung soll das systematische und kreative Lösen von Herausforderungen in Fallstudien betrieben werden.

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„Die neuen gastronomischen Konzepte“, sagt Harald Becker, „werden überwiegend durch kreative Quereinsteiger mit fundiertem Business-Know-how und Kenntnis der veränderten Marktbedürfnisse erfunden und umgesetzt und - dank Digitalisierung - überwiegend mit engagierten und gastfreundlichen jungen Aushilfskräften umgesetzt.“

Schüler für die gesamte Business-Welt fit machen

Es gelte also, die Schülerinnen und Schüler für die gesamte Business-Welt fit zu machen. „Wir sind ohnehin nicht nur eine klassische Hotelfachschule“, sagt Harald Becker.

Und: „Schon immer waren die Absolventinnen und Absolventen von Hotelfachschulen in allen Branchen stark nachgefragt, gerade auch in der Dienstleistung und im Handel oder den unzähligen und vielfältigen Kombinationen.“

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