Corona-Behandlungszentrum beim BVB: Schwere Fälle im Stadion

rnCoronavirus in Dortmund

Seit dem 4. April ist der Signal Iduna Park ein Corona-Behandlungszentrum. Der leitende Arzt spricht jetzt über die ersten Erfahrungen – und darüber, wann wieder Schluss sein könnte.

Dortmund

, 09.04.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Statt auf den Einlass zu einem Bundesliga-Spiel zu warten, stehen seit knapp einer Woche Menschen aus einem ganz anderen Grund vor der Nordtribüne des Signal Iduna Parks. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat im Stadion von Borussia Dortmund ein Corona-Behandlungszentrum eingerichtet.

Die Bilanz der ersten Tage: Das Behandlungszentrum wird pro Tag von rund 70 Menschen angesteuert, die den Verdacht haben, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sein könnten oder Symptome aufweisen. Es seien gemäß der statistischen Wahrscheinlichkeit 10 bis 15 Prozent der Patienten positiv getestet worden.

Damit ergänzt dieser Standort die beiden weiteren Behandlungszentren der KVWL in Dortmund am Klinikum Nord. Dies trägt dazu bei, dass mehr Infektionen rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

So schätzt der Ärztliche Leiter des BVB-Behandlungszentrums die Situation ein

Der Dortmunder Allgemeinmediziner Lars Rettstadt ist ärztlicher Leiter des Zentrums. Er schildert in einem Video-Interview am Mittwoch (8.4.) die ersten Erfahrungen und den täglichen Ablauf unter der Nordtribüne.

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„Die Ärzte untersuchen, jeder Patient wird angesehen. Es gibt mehr oder weniger schwere Verläufe. Es gibt auch Patienten, die schwer krank sind und ins Krankenhaus müssen.“ Darunter seien auch jüngere Patienten zwischen 20 und 40 Jahren mit schweren Krankheitssymptomen.

Die Patientenzahlen seien stabil. „Wir könnten auch mehr Menschen versorgen“, sagt Rettstadt.

Eigener Transportdienst kann Patienten schnell ins Krankenhaus bringen

Vor Ort arbeiten zehn Personen in wechselnden Teams. Dazu gehören Ärzte, medizinische Assistenten und eine Fachkraft für das Ressourcen-Management, die sich um Schutzkleidung und andere organisatorische Fragen kümmert. Es gibt außerdem einen eigenen Transportdienst vor Ort, um Patienten schnell ins Krankenhaus bringen zu können.

Leitender Arzt: „Der Großteil der Patienten kann wieder nach Hause geschickt werden.“

Im Signal Iduna Park werden auch Abstriche für Tests auf das Coronavirus vorgenommen. „Der Großteil der Patienten kann wieder nach Hause geschickt werden“, sagt Lars Rettstadt.

Die Bedingungen an der Strobelallee seien optimal, weil das Stadion viel Platz biete. „Wir können die Patientenströme gut steuern und die Abstände einhalten. Es ist trocken, sauber, und es gibt einen riesengroßen Wartebereich. Das ist für die Patienten und für die Teams besser als die Zelt- oder Containerlösungen in den anderen Zentren.“

„Desinfektion ist unser zweiter Vorname“, sagt der Mediziner über die Hygienevorkehrungen in den Räumen unter der Nordtribüne.

Ein großer Vorteil des Stadions sei zudem seine Sichtbarkeit und Bekanntheit. „Die Menschen wissen jetzt, dass sie einfach hinkommen können“, sagt Lars Rettstadt.

Die KVWL und die niedergelassenen Ärzte seien dem BVB dankbar, dass er die Räume auf Anfrage zur Verfügung gestellt habe. „Das hat mit Solidarität für das lokale Geschehen zu tun und ist eine Dortmunder Besonderheit“, sagt der ärztliche Leiter.

Das Behandlungszentrum bleibt so lange, bis der Fußball-Spielbetrieb wieder startet

Der Signal Iduna Park wird im April Teil der medizinischen Versorgung in Dortmund bleiben. Aber es gibt auch klare Regeln für ein Ende des Behandlungszentrums.

„Wir sind sicher draußen, wenn der Spielbetrieb in welcher Form auch immer wieder anläuft. Wir könnten dann innerhalb eines Tages ausziehen“, sagt Lars Rettstadt.

Es steht im Augenblick zur Debatte, ob die Fußball-Bundesliga im Mai die unterbrochene Saison mit „Geisterspielen“ ohne Publikum fortsetzen könnte. Die Entscheidung hängt von vielen Faktoren ab, etwa den allgemeinen Verordnungen zum Infektionsschutz nach dem 19.4. und Regeln für den Schutz der Sportler.

Das Behandlungszentrum im Signal Iduna Park ist täglich von 12 bis 16 Uhr geöffnet, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Zugang erfolgt über den Vorplatz des Stadions. Dort stehen auch Parkplätze zur Verfügung.
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