Beim Trauern gibt es immer noch keine Normalität

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Die Kontakt-Beschränkungen in der Corona-Krise werden immer weiter gelockert. Trauernde in Lütgendortmund müssen bei der Bestattung aber immer noch auf viel verzichten.

Lütgendortmund

, 26.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Anfang waren die Corona-Beschränkungen für Bestattungsfeiern nur ein wenig lästig. „Die meisten Trauernden haben die Einschränkungen geduldig hingenommen“, berichtet Lennart Hibbeln von Adami-Bestattungen in Lütgendortmund.

Doch mit zunehmender Dauer musste Hibbeln seinen Kunden bei der Verarbeitung schwer erträglicher Situationen zur Seite stehen.

Viele Menschen sterben im Krankenhaus oder in Seniorenheimen. Während der Zeit Corona-Beschränkungen bedeutete das, dass die Menschen ihren Angehörigen vor dessen Tod nicht mehr sehen konnten. „Das Abschiednehmen war vielen Menschen nicht möglich“, berichtet Lennart Hibbeln.

Abschied nehmen ist nicht möglich

Das hat sich bis heute kaum verbessert, ist seine Erfahrung. Auch momentan können Angehörige ein Familienmitglied, das im Sterben liegt, nur mit Einschränkungen besuchen.

Die Trauerfeiern dagegen sind mittlerweile wieder in Trauerhallen möglich. Zu Beginn der Einschränkungen durften maximal zehn Trauernde nur am Grab, im Freien, beieinander stehen.

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Die Zahl der erlaubten Besucher einer Trauerfeier hängt jetzt von der Größe der Trauerhalle ab. In den Dortmunder Trauerhallen sind 10 bis 40 Gäste möglich, in der Trauerhalle des Lütgendortmunder Friedhofs sind es 18.

Was ihre Arbeitsbelastungen angeht, haben die Bestatter in Lütgendortmund unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Sebastian Welschoff aus dem Welschoff Bestattungshaus berichtet, das seine Arbeit durch Corona durchaus erleichtert wurde. Behördengänge und die Deko der Trauerfeiern direkt am Grab seien viel einfacher gewesen als üblicherweise.

Videoaufzeichnung nicht nachgefragt

Lennart Hibbeln dagegen berichtet, dass viele Probleme gelöst werden mussten. Zum Beispiel die Sargträger. „Das sind alles Männer im Risiko-Alter, die beim Tragen auch nicht den Mindestabstand einhalten können.“ Maskenpflicht war die einzige mögliche Lösung.

Die Bestatter hatten sich zu Beginn der Einschränkungen verschiedene Alternativen für kontaktlose Trauerfeiern einfallen lassen, zum Beispiel Videoaufzeichnungen, die entweder live übertragen oder auf einem Datenträger gespeichert wurden.

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Das hätten die Trauernden in Lütgendortmund praktisch gar nicht angenommen, sagt Hibbeln. Nur ein Angebot haben einzelne Familien genutzt: das Verschieben der Trauerfeier für Urnen-Bestattungen auf die Zeit nach den Corona-Einschränkungen. Doch: „Die Mehrheit der Familien hat lieber auf eine größere Zahl an Gästen verzichtet und die Trauerfeier zeitnah abgehalten“, berichtet Sebastian Welschoff.

Spürbar war und ist die Corona-Zeit bei den Friedhofsgärtnereien. „Weniger Trauergäste bedeuten auch weniger verkaufte Blumen für den Grabschmuck“, sagt eine Mitarbeiterin bei Blumen Herzog.

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