Corona-Fall im Umfeld: Schulen und Sportverein erhalten Betrieb aufrecht

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Im Umfeld eines Fußballvereins gibt es einen positiven Coronatest. Von dort aus gibt es Verbindungen zu zwei Grundschulen, die den Regelbetrieb wieder aufgenommen haben. Das Risiko scheint gering.

Dortmund, Wickede

, 15.06.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Montag (15. Juni) haben die Dortmunder Grundschulen den regulären Betrieb wieder aufgenommen. Am Samstag zuvor (13. Juni) war der Mann einer Jugendtrainerin des Fußballvereins Westfalia Wickede positiv auf das Coronavirus getestet worden. Laut Vereinsvorstand Horst Linke liegt das Testergebnis seit Sonntag vor.

Die Trainerin hatte zuletzt am vergangenen Dienstag (9. Juni) zehn Kinder auf dem Sportplatz trainiert. Und: Es gibt auch Verbindungen zu zwei Wickeder Grundschulen.

Wickeder Grundschulen nehmen Regelbetrieb auf

Horst Linke ist auch der Hygienebeauftragte des Vereins. Und in dieser Funktion und als Vorstand dafür verantwortlich, andere Vereinsmitglieder über einen solchen Fall zu informieren. Er informierte auch die Eltern der Kinder in der zuletzt trainierten Fußballmannschaft: „So können die Familien selbst entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen.“

Was er nicht gewollt - aber bereits befürchtet - habe, sei der Schneeball aus Gerüchten, der nun durch Wickede rolle. Denn Halbwahrheiten in Bezug auf das Thema hätten sich schnell wie ein Lauffeuer unter den Eltern im Bezirk verbreitet.

In zwei Grundschulen im Bezirk, der Bachgrundschule und der Steinbrink-Grundschule, in denen es einige Schüler gibt, die bei Westfalia Wickede Fußball spielen, standen darum am Montagmorgen (15. Juni) die Telefone kaum still. Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem der reguläre Schulbetrieb wieder aufgenommen wurde.

Die Bachgrundschule informierte die Eltern ihrer Schüler schon am Sonntag auf ihrer Internetseite über das positive Testergebnis:

„Im Umfeld unserer Schule ist eine Person an Corona erkrankt. Es handelt sich weder um eine Schülerin oder einen Schüler, noch um eine Lehrkraft oder eine Mitarbeiterin/ einen Mitarbeiter aus dem OGT (offenen Ganztag)“, steht dort zu lesen. Und dass man den Schulbetrieb nach Absprache mit dem Dortmunder Gesundheitsamt trotzdem wie geplant anlaufen lassen könne. Auch das Krisenmanagement der Bezirksregierung Arnsberg trage diese Entscheidung mit.

„Nullrisiko gibt es nicht“

„Wir können die Schulen nicht geschlossen lassen“, sagt auch Anke Saar, Vorsitzende der Landeselternkonferenz NRW (LEK). „Aber wir alle müssen uns eben auch darüber im Klaren sein, dass Infektionen wahrscheinlich nicht immer verhindert werden können.“ Ob beim Sport oder beim Einkaufen im Supermarkt: Ein Nullrisiko gebe es nicht.

Auch bei der LEK sind am Montag viele Nachrichten besorgter Eltern eingegangen, aber auch von solchen, die auf Schulen und Betreuungsangebote angewiesen sind, weil sie wieder arbeiten müssen. Die wirtschaftlichen Sorgen vieler Familien scheinen momentan fast größer zu sein als die Angst vor einer Infektion.

„In diesen ganz unterschiedlichen Meinungen und Ängsten spiegelt sich eine Spaltung der Gesellschaft wider, die wir in einer Krisensituation wie dieser nicht gebrauchen können“, sagt Anke Staar und bittet Eltern gleichzeitig, ihre Wut und Ängste nicht an den einzelnen Schulen auszulassen. „Die Schulen können nichts dafür“, sagt sie. Denn auch sie versuchten nur, umzusetzen, was auf höherer Ebene beschlossen wurde.

Den Grund für die Unsicherheit vieler Eltern sieht Staar vor allem darin, dass für den Fall, dass die Schulöffnungen als Plan A nicht funktionieren und es zu erhöhten Infektionszahlen komme, ein Plan B und oder gar Plan C fehlten. Die Sorge, die Betreuung könnte dann in vielen Fällen wieder wegbrechen, sei groß.

Kein Corona-Ausbruch in Wickede

Auch beim Verein Westfalia Wickede äußern einige Eltern Angst. Vereinsvorstand Linke bittet aber darum, nicht von einem „Corona-Ausbruch in Wickede“ zu sprechen. Denn um einen solchen handele es sich bislang nicht.

„Ich habe noch gestern mit dem Gesundheitsamt gesprochen“, sagte Linke am Montag. Dabei habe man ihm von offizieller Seite vorerst Entwarnung gegeben. „In dem Gespräch hat man mir gesagt, für die Kinder beim Training sei die Frau keine Gefährdung gewesen“, sagt er.

Denn der Sport habe im Freien stattgefunden, außerdem unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Der erkrankte Mann selbst habe keinen Kontakt zu den Kindern gehabt, die Trainerin zeige bislang keine Symptome. Und zwischen dem Training und dem positiven Testergebnis lagen mehrere Tage. Ob am Dienstag überhaupt schon eine Infektion bestand, sei also nicht sicher. Der Vereinssport kann also vorerst weiterhin stattfinden.

Das Gesundheitsamt bestätigte die Einschätzung. Der Mann habe leichte Krankheitssymptome, der Rest der Familie sei bisher beschwerdefrei und lediglich in häuslicher Quarantäne. „Weitere Maßnahmen im Verein und in der Schule sind nach Beurteilung des Gesundheitsamtes nicht notwendig“, so Stadtsprecherin Anke Widow.

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Die Grundschulen äußerten sich am Montag auf Anfrage unserer Redaktion nicht näher zu dem Fall. Iris Hellebrandt, Leiterin der Bachgrundschule, sah die regulären Schulöffnungen kurz nach Einführung des rollierenden Systems aber grundsätzlich kritisch.

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