Corona-Kontrollen bei Friseuren lassen viele schwarze Schafe auffliegen

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Die Hygieneschutzverordnung ist die Bibel der Corona-Pandemie, auch für Friseurbetriebe. Nicht alle halten sich daran. In Dortmund wurden Schwerpunktkontrollen durchgeführt - mit brisantem Ergebnis.

von Franka Doliner

Dortmund

, 30.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kunden stets die Haare waschen, immer wieder die Hände desinfizieren und den Mundnasenschutz alle 60 Minuten wechseln - die Hygienevorschriften für Friseurbetriebe sind in Pandemie-Zeiten streng. Doch einige Betriebe in Dortmund scheinen wenig Wert auf Desinfektion und Mindestabstand zu legen, wie sich bei einer Schwerpunktkontrolle des Ordnungsamtes jetzt herausstellte.

Kontrollen in 102 Dortmunder Betrieben

Kontrolliert wurden in der letzten Woche insgesamt 102 Friseurbetriebe im gesamten Stadtgebiet. Das Fazit des Ordnungsamtes: In 62 davon wurden Verstöße festgestellt.

Die Strafen reichten von bis zu vierstelligen Bußgeldern bis hin zu vorübergehenden Betriebsschließungen. In 37 Fällen verhängte das Ordnungsamt ein Bußgeld. 25 Betreiber wurden mündlich verwarnt.

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„Unverantwortlich“

Frank Kuhlig, Friseur-Obermeister der Friseur-Innung Dortmund und Lünen, fällt zu seinen Kollegen, die sich nicht an die Vorschriften halten, nur ein Wort ein: „Unverantwortlich“.

„Ja es ist anstrengend und aufwendig - aber es ist leistbar“, sagt er. Der Obermeister findet, die Kunden sollten in solchen Fällen „mit den Füßen abstimmen“ und betreffende Salons nicht mehr aufsuchen.

Sein Friseursalon in der Dortmunder Innenstadt gehört nicht zu den 102 kontrollierten. Kulig begrüßt die Kontrollen aber - und sagt, er würde sich sogar freuen, wenn das Ordnungsamt in seinem Betrieb vorbeikäme. Verbesserungsvorschläge würde er von den Kontrolleuren gern hören: „Wir können nicht alles wissen“, begründet er.

Offener Brief an Armin Laschet

Dennoch wünscht sich die Friseur-Innung Dortmund und Lünen eine Überarbeitung des Hygienekonzepts für Friseure. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wird darauf gedrängt, die Hygieneauflagen anzupassen.

„Wir wissen jetzt mehr als noch am Anfang der Pandemie“, begründet Kulig den Schritt der Innung. Daher solle man die Verhältnisse jetzt den Erkenntnissen anpassen. Kulig wünsche sich eine Erklärung, wieso die Hygienevorschriften für Friseure strenger sind als in anderen Bereichen.

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Ludgerus Niklas ist der Geschäftsführer der Friseur-Innung Dortmund und Lünen. Beim Blick aus dem Fenster stellt sich für ihn noch eine andere Frage: „Was ist mit Kunden, die draußen warten?“

Bisher dürfen Kunden nämlich nicht im Salon warten. Mit Blick auf die kommende kalte Jahreszeit hält Niklas das für schwierig: „Termine können nicht immer minutengenau eingehalten werden. Was machen wir dann mit der älteren Dame, die vielleicht zum Friseur gebracht wird?“ In dieser Hinsicht könne man sich Lockerungen vorstellen.

Beim Thema Maskenpflicht sind sich beide einig: Sie sei das geringste Übel. Schließlich gehe es auch darum, Mitarbeiter zu schützen.

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