Atemschutzmaske für 40 Euro - Preis-Schock für Apotheken-Kundin

rnCorona-Krise in Dortmund

Die Preise für Schutzmasken und Handdesinfektionsmittel explodieren in der Corona-Krise. Manche Dortmunder sind schockiert, welche Preise einige Apotheken dafür aufrufen.

Dortmund

, 31.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie hat seit Mitte Februar eine Nagelbettinfektion mit multiresistenten Keimen, ist 67 und gehört zur Corona-Risikogruppe. Um ihren an Diabetes leidenden Mann nicht anzustecken, sucht die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, seit einigen Wochen nach Desinfektionsmitteln und Seifen. „Es wird immer schwieriger und teurer“, sagt sie, „und zuletzt wurde es fast unmöglich, etwas zu kaufen.“

Doch das Preisschild, das sie in einer Apotheke in Körne lesen musste, hat sie empört. Handdesinfektionsmittel (100ml in der Glasflasche), kostet 8,50 Euro, eine Atemschutzmaske mit dem Schutzfilter FFP 2 kostet 30 Euro und FFP 3 sogar 40 Euro das Stück.

„Unsere Politiker sagen, wir sollen uns schützen. Aber wie denn und zu welchen Preisen?“, fragt die Frau empört.

„Einkaufspreise steigen fast täglich“

Dieselben Preise hat Jörg Hoffmann in einer Apotheke in Wambel auf einem Schild im Fenster gesehen. Er fragte telefonisch nach, warum der Preis für das Desinfektionsmittel so hoch sei und bekam nach eigener Aussage die Auskunft, damit jeder etwas bekommen könne, habe der Chef entschieden, das Desinfektionsmittel in Portionen von 100 Millilitern abzufüllen.

Im Internet fand Jörg Hoffmann das Sterilium deutlich günstiger, allerdings war es nicht lieferbar.

Auf Anfrage dieser Redaktion zu den Schutzmasken-Preisen, erklärte die Inhaberin der Apotheke in Körne, der Preis sei so hoch, weil sie die Masken habe teuer einkaufen müssen. „Die Einkaufspreise steigen fast täglich“, sagte sie. Sie habe 100 Masken bekommen, „und die sind fast alle schon wieder weg“.

Aus Angst gekauft

Gekauft würden sie von Menschen, die schwer kranke Personen zu Hause betreuen und sie auf keinen Fall anstecken möchten. Andere kauften sie auch aus Angst, sich selbst anzustecken.

Das Schild mit den Preisangaben für Atemschutzmasken und Handdesinfektionsmittel in der Apotheke in Wambel.

Das Schild mit den Preisangaben für Atemschutzmasken und Handdesinfektionsmittel in der Apotheke in Wambel. © Hoffmann

Die meisten Apotheken haben gar keine Schutzmasken mehr, um sie an Privatpersonen zu verkaufen. Das Argument der Apothekerin aus Körne sei „wahrscheinlich nicht ganz verkehrt“, sagt Dr. Felix Tenbieg, Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und Inhaber der Patroklus-Apotheke in Kirchhörde.

Jetzt lesen

Vor etwa sechs Wochen habe er ein Fax-Angebot vom Großhandel erhalten für FFP-2-Masken zum Einkaufspreis von 16 Euro. Die habe er letzte Woche bekommen. „Die würde ich persönlich nicht für 30 Euro verkaufen“ – sondern für weniger. „Doch meist kriegt man keine“, sagt er.

Keine Preisbindung

Auch der Preis für OP-Masken aus dreilagigem Papier sei explodiert. „Das sind die, man ohne Corona vom Zahnarzt kennt“, erläutert Tenbieg. Noch vor Wochen habe er ein 50er-Pack davon für 5 bis 6 Euro verkauft. Heute koste die gleiche Menge im Einkauf über den Großhandel 60 Euro. „Und über den normalpharmazeutischen Großhandel bekommt man sie gar nicht.“

Auch im Internet werden Handdesinfektionsmittel und Atemschutzmasken weit überteuert feilgeboten. Amazon verwarnte seine Händler und löschte entsprechende Wucher-Angebote. Die Verkaufsplattform Ebay drohte bei Verstößen gegen entsprechende Richtlinien, das Benutzerkonto zu schließen, um Wucherpreise in der Corona-Krise zu verhindern.

Jetzt lesen

Im Gegensatz zu verschreibungspflichtigen Arzneimitteln gibt es bei Masken und Desinfektionsmitteln keine festen Preise. Wegen der Telefoniererei und für die Mühen, das Material zu beschaffen, könne man schon einen „ehrlichen prozentualen Aufschlag“ des angezogenen Einkaufspreises nehmen, sagt der Sprecher der Apothekerkammer, doch „die Preise sind versaut“. Dennoch, versichert er: „Ich glaube, die meisten von uns gehören zu den Guten.“

Lesen Sie jetzt