Dortmunder sagen der Langeweile den Kampf an - und kaufen nicht nur Lebensmittel und Klopapier

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Nicht nur Lebensmittel finden in Dortmund reißenden Absatz - angesichts einer langen Zeit zuhause werden auch andere Waren gekauft. Viele blicken bei ihren Käufen auch in die Zukunft.

Dortmund

, 20.03.2020, 11:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die geradezu panischen Hamsterkäufe haben viele Dortmunder mit Blick auf die leeren Regale in den Supermärkten am eigenen Leib erfahren. Doch Nudeln, Klopapier oder Mehl sind keineswegs die einzigen Produkte, die in Zeiten der Corona-Krise reißenden Absatz finden.

Angesichts eingeschränkter sozialer Kontakte und einer drohenden Ausgangssperre haben sich viele Dortmunder zudem mit Waren eingedeckt, die ihnen die möglicherweise längere Zeit in den eigenen vier Wänden verkürzen sollen: Mit Spielen, Fitnessgeräten oder Büchern wird der Langeweile der Kampf angesagt. Aber auch Haushaltsgeräte finden vermehrt neue Besitzer.

Beim Fitness-Fachmarkt Sport-Tiedje am Rheinlanddamm ist besonders die Nachfrage nach Kurzhanteln und anderen Trainingsprodukten aus dem Kraftbereich gestiegen.

Beim Fitness-Fachmarkt Sport-Tiedje am Rheinlanddamm ist besonders die Nachfrage nach Kurzhanteln und anderen Trainingsprodukten aus dem Kraftbereich gestiegen. © Oliver Schaper

„Die Menschen sorgen sich, dass sie sich sonst nicht fit halten können“, erläutert Julia Sammert, Filialleiterin vom Fitness-Fachmarkt Sport-Tiedje am Rheinlanddamm, die gestiegene Nachfrage nach Kurzhanteln und anderen Trainingsprodukten aus dem Kraftbereich. Wer in den momentan geschlossenen Studios nichts für seinen Körper tun kann, erklärt kurzerhand das eigene Heim zum Alternativstandort.

Immenser Andrang

Der Andrang sei vor der Schließung des Ladenlokals immens gewesen, sagt Sammert, und im Online-Shop, den Sport-Tiedje ebenfalls anbietet, setze sich der Trend fort. Aber auch an ihre Kinder denken die Dortmunder: „Als die Nachricht kam, dass die Schulen und Kitas schließen müssen, wurden verstärkt Tischtennisplatten und Trampoline gekauft“, so die Filialleiterin. Wenn schon kein Sportunterricht stattfindet, wird eben zu Hause trainiert.

Im Spielwarengeschäft Lütgenau am Ostenhellweg waren in den Tagen vor der Schließung ebenfalls ganz bestimmte Artikel besonders gefragt, weiß Mitarbeiterin Heike Ostwinkel: „Gesellschaftsspiele, Puzzles, Bücher. Und wer sich sonst ein Puzzle kaufte, hat diesmal zwei mitgenommen.“ Zudem seien viele Bastelwaren über die Ladentheke gegangen: „Eben vor allem Dinge, mit denen man sich selbst beschäftigen kann.“

Da ein Ende der Krise und damit auch die Wiederöffnung der Geschäfte noch nicht abzusehen ist, blicken zahlreiche Lütgenau-Kunden schon mal nach vorn. „Auch Geschenke für zukünftige Geburtstage wurden bereits gekauft“, sagt Ostwinkel. „Und für Ostern.“

Die Ladentür der Hörder Buchhandlung „transfer“ bleibt momentan zwar geschlossen, doch intern arbeitet Inhaberin Birgit Lange-Grieving mit ihrem siebenköpfigen Team weiter. „Natürlich haben wir wegen des fehlenden Ladengeschäfts Einbußen“, sagt Lange-Grieving, „aber der Umsatz in unserem Online-Shop ist um mehrere 100 Prozent gestiegen.“

Von wegen nichts zu tun: Ronny Ehlen kümmert sich in der Buchhandlung „transfer“ unter anderem um den Versand der bestellten Bücher.

Von wegen nichts zu tun: Ronny Ehlen kümmert sich in der Buchhandlung „transfer“ unter anderem um den Versand der bestellten Bücher. © Oliver Schaper

Neben der gängigen Lektüre würden vor allem Kinderbücher nachgefragt, denn viele Schüler hätten von ihren Lehrern die Aufgabe bekommen, in der schulfreien Zeit bestimmte Titel zu lesen. Die Lektüre liefert die Buchhandlung, die weiterhin telefonisch erreichbar ist, dann selbst oder per Post aus.

Ein ganz besonderes Erlebnis wird die Buchhändlerin wohl so schnell nicht vergessen: „Ein Freiberufler, der wegen der Corona-Krise zurzeit keine Aufträge hat, bestellte bei uns Bücher. Und er konnte der Situation sogar etwas Positives abgewinnen: Er sagte, er freue sich, nun endlich Zeit zum Lesen zu haben.“

Doch nicht nur mit drohender Langeweile, sondern auch mit der Ernährung beschäftigen sich die Dortmunder in diesen Zeiten - von Lebensmitteln mal ganz abgesehen. „Vor allem Gefrierschränke und -truhen wurden zuletzt verstärkt gekauft“, weiß Stefan Walther, Geschäftsführer des Elektronik-Fachgeschäfts „EP: Walther“. Den Kunden ginge es wohl darum, Gerichte wie Linsensuppe vorzukochen und anschließend einzufrieren.

Auch Waschmaschinen sind im Trend

Und bei einem weiteren Produkt erkennt Walther ebenfalls eine große Nachfrage: Waschmaschinen. „Vielleicht haben die Menschen Angst, dass ihre alte Maschine ausfällt und sie dann ohne dastehen“, vermutet der Elektronik-Experte.

NOTEBOOKS FÜRS HOME-OFFICE SEHR GEFRAGT
  • Beim Elektronikmarkt Saturn wurden in den vergangenen Tagen insbesondere Notebooks und anderes Equipment fürs Home-Office überdurchschnittlich nachgefragt.
  • Auch an Kühlschränken, Gefriertruhen sowie Produkten aus der Unterhaltungselektronik, beispielsweise fürs Gaming, verzeichnete der Elektronik-Riese großes Interesse.
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