Corona-Krise: Wir sollten auch das Gute im Schlechten sehen

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Das Coronavirus hat die Dortmunder fest im Griff. Die Stadt hat eine Vollbremsung gemacht – mit oft schlimmen Folgen. Das ist deprimierend. Der Trost: Es gibt auch Positives. Man muss nur hingucken.

Dortmund

, 29.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es nervt. Ja. Noch schlimmer: Es gefährdet Leben und Existenzen. Die täglichen Schreckensmeldungen sind hinlänglich bekannt. Das Coronavirus schließt Restaurants, Freizeiteinrichtungen und ganze Unternehmen, kappt Begegnungen und Berührungen, treibt überforderte Familien in die Verzweiflung, nimmt Selbstständigen und Arbeitnehmern den Atem. Aber es öffnet auch die Augen für das Gute im Schlechten.

Über das Schlechte haben wir schon oft berichten müssen. Aber das Gute muss auch seinen Platz haben. Wie die Nachbarschaftshilfe, mit der sich viele hundert Dortmunder unserer Aktion „Dortmund hilft“ angeschlossen haben. Gesunde sind bereit, Menschen zu helfen, die zu Risikogruppen gehören und das Haus nicht mehr verlassen können, dürfen oder wollen. Die freiwilligen Helfer betreuen Kinder, gehen einkaufen und führen Hunde spazieren.

Hilfe online und analog

Die einen melden sich online, andere hängen ganz analog Zettel an die Briefkästen im Hausflur und bieten ihre Hilfe an. Auch so kommt man sich näher, ohne den 2-Meter-Abstand zu reißen. Ja, manche Dortmunder horten Toilettenpapier, aber viele hängen auch Essen und Hygieneartikel an Gabenzäune für die Obdachlosen.

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Solidarität und Gemeinsinn funktionieren in Dortmund nicht nur für das kleine Leben in der Nachbarschaft. So haben auch die Vorstände des Dortmunder Pumpenherstellers Wilo sowie Profis, Führungsriege und Trainerstab des BVB angekündigt, auf Teile ihrer Vergütung zu verzichten, um ihr Unternehmen, beziehungsweise ihren Verein zu stützen.

Viele Dortmunder geben sich zudem mehr Mühe, mit ihren Lieben in Kontakt zu bleiben. Es wird wieder mehr telefoniert. Die Menschen merken plötzlich, dass die Älteren ihnen wichtiger sind, als ihnen in der Rushhour des Alltags vielleicht bewusst war.

Regenbogenbilder und Balkonkonzerte

Andere machen Menschen Mut, hängen Regenbogenbilder ins Fenster. Kreativität bricht sich Bahn. Plötzlich gibt es Ideen, auf die man ohne die Corona-Krise vermutlich nicht gekommen wäre wie die Balkonkonzerte im Kreuzviertel. Das Virus lässt uns erkennen, wie sehr uns Kultur fehlt, wenn sie plötzlich wegbricht.

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Wer zu Hause bleiben muss und in Vor-Coronazeiten immer über Zeitmangel geklagt hat, kann sich jetzt mehr seinen Kindern widmen, ein Buch lesen, was er schon immer lesen wollte, den Garten auf Vordermann bringen. Viele kommen so erst zur Besinnung und merken, was im Leben wirklich zählt.

Dankbarkeit und Demut

Überhaupt lehrt uns die Corona-Krise Dankbarkeit und Demut. Wir können den Stützen des Gemeinwesens nur dankbar sein. In Dortmund funktioniert das Krisenmanagement. Die Seuchenzeit zeigt uns, wie überlebenswichtig eine gut funktionierende Stadtverwaltung ist, die unter den ersten war, die in der Bundesrepublik einen Krisenstab gebildet hat. Im Rathaus halten sie den Laden am Laufen. Auch dort lernt man täglich neu dazu.

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Auf der Straße ist weniger Verkehr. Das kommt der Umwelt und der Luft zugute. Was Greta bisher nicht geschafft hat – Corona macht es möglich. Zumindest kurzzeitig. Was bleibt, müssen wir schauen.

Auch das Gute retten

Das alles hat einen hohen Preis. Auf vieles von dem Guten im Schlechten würde man gern verzichten, wenn es dafür das Coronavirus nicht gäbe. Aber da die Vollbremsung nun mal nicht aus der Welt zu schaffen ist, sollten wir versuchen, nicht nur Leben zu retten (und mit Förderung und Kreativität auch die Wirtschaft), sondern auch etwas von dem Guten, das die Krise zum Vorschein gebracht hat.

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