Corona-Panne: „Hallo, Sie sind Kontaktperson“ – „Nein, ich habe Corona“

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Ein 28-jähriger Dortmunder wurde positiv auf das Coronavirus getestet - und erlebte am eigenen Beispiel, wo es bei der Kontaktnachverfolgung hakt.

Dortmund

, 12.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sprechen die sich nicht ab? Das eine Amt mit dem anderen? Wieso dauert das so lange?

Das sind Fragen, die sich Dortmunder Sascha Bär (28) stellt. Eigentlich heißt er anders, doch aus persönlichen Gründen möchte er, dass sein Name nicht veröffentlicht wird. Der Name ist auch nicht wichtig für diese Geschichte. Es geht um Zuständigkeiten. Um Corona-Nachverfolgungsketten. Aber auch um die Frage: Kann man überhaupt schnell sein in dieser Struktur? Zumal dann, wenn die Fälle sich nicht nur an einem Ort abspielen.

Freundin in Hessen ist Corona-positiv

Bärs Geschichte beginnt in Hessen, bei seiner Freundin. Die ist Lehrerin, ein Kind aus ihrer Klasse war positiv auf Corona getestet.

Am Montag machte sie einen Test.

Am Dienstag kam das Ergebnis: positiv, auch sie hat das Coronavirus im Körper.

„Auch ich hatte Erkältungssymptome und ich war am Wochenende noch bei meiner Freundin gewesen“, sagt Bär. Ansteckung: äußerst wahrscheinlich.

Test beim Hausarzt im Kreis Unna

Noch am Dienstag begab er sich also in selbstgewählte Quarantäne. Nur ein einziges Mal verließ er noch das Haus: für einen Test bei seinem Hausarzt, noch im Kreis Unna, denn Bär war erst frisch nach Dortmund gezogen.

„Beim Arzt wurde mir gesagt, dass sich das Gesundheitsamt bei mir meldet.“

Am Donnerstagnachmittag erkundigte sich Bär dann doch selbst nach seinem Testergebnis: positiv. Auch er hat Corona.

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Selbst das Gesundheitsamt in Dortmund informiert

Das teilte er am Freitag dem Gesundheitsamt der Stadt Dortmund mit. Nachdem man sich dort erst nicht zuständig gefühlt habe, ihn nach Unna verwiesen habe, wo man ihm dann aber wieder versichert habe: Nein, doch, in Dortmund müsse er sich melden.

Am Samstag klingelte dann mehrfach sein Telefon.

Beim ersten Anruf dran: das Gesundheitsamt der Stadt Dortmund. Er sei Kontaktperson einer Infizierten. Im Klartext: seiner Freundin aus Hessen. Bär sagte: Ja, er sei ja sogar schon positiv getestet und schon seit Tagen zuhause.

Beim zweiten Anruf in der Leitung: das Gesundheitsamt aus Unna. Sein Corona-Test sei positiv. Er müsse in Quarantäne. Da könne er nur mit dem Kopf schütteln, sagt Bär: „Die wussten nicht, dass Dortmund zuständig ist.“

„Sonntag hat man mir genau Dasselbe noch mal erzählt“

Am Sonntag klingelte das Telefon wieder. Erneut das Gesundheitsamt aus Dortmund. Er sei Kontaktperson einer Infizierten. „Da hat man mir genau das gleiche erzählt wie am Samstag. Da merkte man wirklich, dass die nur irgendwelche Listen abarbeiten.“

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Es sei ja lobenswert, dass das Gesundheitsamt auch am Wochenende arbeite: „Aber man hat das Gefühl, dass die sich untereinander nicht absprechen.“

Dabei seien es ja „intensive Gespräche“, die lange dauern würden. Ob er alleine wohne oder mit jemandem zusammen. Mit wie vielen Personen, wie groß die Wohnung sei. Wen er getroffen habe und wie lange.

All das eben, was wichtig ist zur Klärung der Infektionsketten.

„Ich hätte bis zum Wochenende frei rumlaufen können“

„Was mich schockiert hat: Hätte ich auf das Ergebnis vom Gesundheitsamt gewartet, hätte ich bis zum Wochenende frei rumlaufen können“, ärgert sich Bär: „Meine Eltern sind über 60, haben Vorerkrankungen, gehören also zu einer Risikogruppe.“

Dass die Behörden-Abläufe kompliziert sind, wird deutlich beim Statement von Max Rolke, dem Sprecher des Kreises Unna. Es sei schon richtig: Ein positiver Test bei einem Arzt im Kreis Unna lande zunächst dort beim Gesundheitsamt, in der Kategorie „Corona extern“. Dann leite man die Informationen weiter an das dortige Amt, in dem Fall in Dortmund.

Bär kann nicht verstehen, dass öffentliche Stellen da nicht digital vernetzt sein können: „Bei Wahlen funktioniert das doch auch, bei Steuern funktioniert das einwandfrei und auch bei der Polizei. Da muss man vielleicht einfach mal auf Datenschutz verzichten.“

Die Stadt Dortmund sagt: „Drei bis vier Tage Verzug bei der Kontaktpersonen-Nachverfolgung“ gebe es leider derzeit. Und das obwohl man 230 Mitarbeiter im Einsatz habe, inklusive 60 Bundeswehr-Soldaten. Man sei noch in der Einarbeitungsphase, sei aber fortlaufend dabei, Arbeitsprozesse zu optimieren.

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