Dr. Frank Renken, Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes. © Stephan Schuetze
Corona-Zahlen

Corona-Zahlen: Dortmunds Gesundheitsamts-Chef fordert neue Strategie

Wie sollten die Behörden auf steigende Corona-Zahlen reagieren? Der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamts hat davon eine klare Vorstellung. Sie unterscheidet sich von der bisherigen Strategie.

Bis vor etwa einem halben Jahr wäre der Umgang mit einer steigenden Sieben-Tage-Inzidenz klar gewesen. Bundes- und Landesregierung hätten Lockdown-Maßnahmen angepasst. Die Stadt Dortmund hätte möglicherweise noch bei der Maskenpflicht nachgesteuert. Es wäre über Schulschließungen diskutiert worden.

Doch im Herbst 2021 passiert all das nicht. Stattdessen spricht sich Dr. Frank Renken, Leiter des Dortmunder Gesundheitsamts, für einen Kurswechsel aus.

Gemeinsam mit anderen Amtsleitern in Deutschland plädierte er am 20. Oktober in einem Gespräch mit der Zeitung „Die Welt“ für eine Rückkehr zu mehr Normalität im Amtsalltag.

Gegenüber dieser Redaktion bestätigt er diese Einschätzung. Renken spricht sich dafür aus, „gesellschaftspolitisch den nächsten Schritt“ zu machen und die Eingriffe in die Freiheit des Einzelnen auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren.

Impfquote über 80 Prozent: „Dann hampeln wir noch bis März herum.“

„Mittlerweile haben wir keinen staatlichen Eingriff mehr, bis auf Quarantäne und Mundschutz und die Empfehlung von 3G-Regelungen“, sagt Renken. Dennoch seien die Infektionszahlen zurückgegangen – selbst dort, wo die Inzidenzen überdurchschnittlich hoch waren.

Die Impfung schütze die meisten Menschen wirksam vor schweren Verläufen. Allerdings hält es Renken für unrealistisch darauf zu warten, dass die Impfquote 80 Prozent überschreitet. „Dann hampeln wir noch bis März herum.“

„Jeder hat mittlerweile die Möglichkeit sich impfen lassen. Passiert das nicht, dann ist es eine freie Entscheidung. Dann muss man als Politik auch sagen: Die Menschen haben sich entschieden und wir müssen den nächsten Schritt gehen. Wie lange will ich noch darüber nachgrübeln?“

Renken: „Ich will nicht mehr ganze Gruppen unter Quarantäne stellen.“

Jede Quarantäneverfügung in Dortmund trage seine Unterschrift. „Ich schränke damit Grundrechte ein. Da stellt man sich die Frage: Muss das eigentlich sein?“, sagt Frank Renken. Seine Antwort darauf lautet: „Ich will nicht mehr ganze Gruppen unter Quarantäne stellen.“

Sein Lösungsvorschlag lautet daher: Ab einem bestimmten Tag, er nennt beispielhaft den 30. November, sollte es eine bundesweit gültige Regelung für die Quarantäne geben. Nur noch positiv getestete Personen müssten dann isoliert werden. Der Zugang zu Einrichtungen könnte normalisiert werden, bis zum Frühling könnte noch 3G gelten.

Gesundheitsamt soll zu ursprünglichen Aufgaben zurückkehren

Renken spricht aus der Perspektive eines Amtsleiters, dessen Personal zu einem erheblichen Teil seit eineinhalb Jahren mit dem Pandemie-Management beschäftigt ist. Die Ämter müssten zu ihren ursprünglichen Aufgaben wie Schuleingangsuntersuchungen zurückkehren können.

„Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem das Recht auf Bildung und Gesundheit der Kinder unser Interesse an möglichst wenigen Infektionsfällen überwiegt.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth