Maskenpflicht unter Polizeibeobachtung: So sah es im Oktober 2020 in der Dortmunder Innenstadt aus. In diesem Herbst hat sich die Situation geändert. © Stephan Schuetze
Infektionszahlen

Corona-Zahlen steigen: Wie Dortmund im Vergleich zum Herbst 2020 dasteht

Die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle steigt seit einigen Wochen wieder. Ein Vergleich mit der Lage im Herbst 2020 zeigt, wo Dortmund aktuell steht - und wie sich die Lage entwickeln könnte.

Wohin geht die Entwicklung bei den Corona-Zahlen in Dortmund? Laut dem Dortmunder Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken ist es wahrscheinlich, dass die Zahlen steigen. Aber das ist nicht mehr so ein großes Problem wie noch vor einem Jahr.

„Wir haben natürlich eine Infektionsaktivität. Aber es gibt eine andere Betrachtungsweise“, sagt Renken im Gespräch mit dieser Redaktion.

Am 25. Oktober 2021 hat Dortmund eine Sieben-Tage-Inzidenz von 70,3. Vor genau einem Jahr war der Wert mit 135,1 fast doppelt so hoch. Kurz zuvor hatte im Oktober 2020 ein Prozess eingesetzt, der über drei Monate lang den Umgang mit Corona bestimmte.

So war die Lage im Oktober 2020

Über viele Wochen gingen die Zahlen nach oben, zum Teil deutlich. Die Inzidenz kletterte phasenweise auf über 230. Vor allem im Dezember schlug sich das in einer hohen Sterberate nieder. Über einige Wochen gab es beinahe täglich Meldungen über Todesfälle. Ausbrüche in Senioren-Wohnstätten forderten eine Reihe von Opfern.

Im Herbst 2021 lesen sich die Zahlen etwas entspannter. Nach ruhigen Sommermonaten hatte das Ende der Sommerferien und der Reisezeit Mitte August die Zahlen wieder ansteigen lassen. Die Sieben-Tage-Inzidenz war zwischenzeitlich wieder auf über 160 geklettert.

Ende September gingen die Zahlen wieder zurück. Seitdem schwankt der Wert zwischen 55 und 70. Es deutet sich wieder eine ansteigende Tendenz an.

Renken: „Es ist die erste Welle, die sich selbst gebrochen hat“

Laut Dr. Frank Renken habe sich aber gezeigt, dass sich grundsätzlich etwas gegenüber dem Vorjahr geändert habe. „Es ist die erste Welle, die sich selbst gebrochen hat“, sagt Renken und bestätigt damit seine eigene Einschätzung von September.

„Bedingt durch die Impfung gibt es aber kein homogenes Bild mehr“, sagt er. Das hatte zuletzt auch die Auswertung der Infektionen nach Stadtbezirken untermauert. Bezirke wie die Nordstadt oder Eving hatten phasenweise deutlich überdurchschnittliche Inzidenzen von bis zu 400.

„Die unterschiedliche Inzidenz ist davon abhängig, dass in einem Stadtbezirk bis 80 Prozent geimpft sind und in einem anderen 50 Prozent oder weniger“, sagt Dr. Frank Renken.

Dies hänge auch damit zusammen, wie die Bevölkerungsstruktur in einem Gebiet ist. Dort, wo es etwa überdurchschnittlich viele Kinder unter 12 Jahren gibt – in der Nordstadt ist das der Fall – gibt es prozentual weniger Geimpfte. Dort, wo viele ältere Menschen wohnen, beispielsweise im Stadtbezirk Aplerbeck, ist die Impfquote zwangsläufig höher.

Gesundheitsversorgung war in der vierten Welle nie in Gefahr

Eine wichtige Erkenntnis laut Renken: Auch in den „Hochinzidenzgebieten“ seien die Zahlen zurückgegangen – ohne dass es dafür strenge staatliche Eingriffe gebraucht hätte wie noch im Frühjahr.

„Das finde ich einen wesentlichen Punkt“, sagt der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamts. Er sieht den entscheidenden Unterschied zu 2020 in der Impfung, die vor schweren Verläufen schützt.

Eine wichtige Rolle spiele aber auch das regelmäßige Testen in den Schulen. „Wir entdecken so viel mehr Kinder, die asymptomatisch sind. Die hätten wir in vorherigen Wellen gar nicht gesehen.“

Schwere Einzelschicksale

So war laut Renken in den Dortmunder Krankenhäusern die Gesundheitsversorgung während der vierten Welle zu keinem Zeitpunkt gefährdet. „Der Umgang war viel routinierter. Es gab ein besseres Gefühl dafür, was passieren kann.“

Was die vierte Welle in den Krankenhäusern besonders gemacht hat, ist jedoch der Umgang mit sehr schwierig zu verarbeitenden Einzelfällen. Also etwa damit, dass schwangere Frauen unter 30 ihr Kind zur Welt bringen, aber selbst die Infektion nicht überleben.

Drei solcher Fälle gab es laut Renken in den vergangenen Monaten in Dortmund. „Das macht auch etwas mit dem Krankenhauspersonal.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth